Beerbt Bundeskanzler Walter Thurnherr 2018 die CVP-Bundesrätin? Leuthards Kronprinz

BERN - Die CVP-Magistratin wird zum zweiten Mal Bundespräsidentin. In Bern rechnet man damit, dass 2017 ihr letztes Jahr in der Landesregierung sein könnte. Das Nachfolge-Karussell dreht sich bereits.

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Es dürfte ein Glanzresultat werden, ein weiterer Höhepunkt ihrer langen Politkarriere: Am 7. Dezember wählt die Vereinigte Bundesversammlung Doris Leuthard (53) zur Bundespräsidentin. Die Chefin des Multi-Departements Uvek, das für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation zuständig ist, wird zum zweiten Mal nach 2010 der Regierung vorstehen.

2017 ist Leuthards zwölftes Regierungsjahr. Sei es die Abwahl von Christoph Blocher (76) als Bundesrat, die staatliche Rettung der krisengeschüttelten UBS oder das Ende des Bankgeheimnisses: All diese und etliche weitere historische Ereignisse erlebte die Christdemokratin an vorderster Front. Das kommende Jahr wird nochmals ein Highlight für die Aargauerin, die ihre Karriere 1993 als Schulrätin im Bezirk Muri AG begann.

Wohl auch die Abstimmung über die Energiestrategie 2050: Kommt das Referendum der SVP zustande, entscheidet das Volk nochmals über den Atomausstieg – so etwas wie das politische Vermächtnis der Juristin.

Wie Angela Merkel (62), ihrer konservativen Parteikollegin in Berlin, früher ebenfalls eine Verfechterin der Atomkraft, war Leuthard nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 klar, dass sie die Schweiz von Kernkraftwerken befreien müsse. Ein vom Volk abgesegnetes Adieu zur Atomkraft wäre der grösste Triumph im politischen Leben der Umweltministerin.

Kein Wunder, sehen Beobachter auch aus der eigenen Partei eine Chance, dass Leuthard nach dem prestigeträchtigen Präsidialjahr einen Schlussstrich unter ihre Bundesrats-Karriere zieht. Mit 54 Jahren könnte sie nochmals in der Wirtschaft durchstarten. Die bestens vernetzte Politikerin wäre mit ihrem Know-how ein Gewinn für viele Unternehmen.

Leuthard belohnt Loyalität

Und schon geht im Bundeshaus das Werweisen los: Wer könnte die CVP-Chefin beerben? Ein Name taucht dabei überraschend in vielen Gesprächen auf: Walter Thurnherr (53), CVP-Bundeskanzler. Der frühere Diplomat ist ein langjähriger Vertrauter von Doris Leuthard.

Bundeskanzler Walter Thurnherr kennt die Christdemokraten gut. In den 90er-Jahren war der Ex-Diplomat persönlicher Mitarbeiter von CVP-Bundesrat Flavio Cotti (77). play

Bundeskanzler Walter Thurnherr kennt die Christdemokraten gut. In den 90er-Jahren war der Ex-Diplomat persönlicher Mitarbeiter von CVP-Bundesrat Flavio Cotti (77).

Keystone/Gaetan Bally

 

Als sie 2011 vom Volkswirtschaftsdepartement ins Uvek wechselte, nahm sie den Spitzenbeamten mit, einen gebürtigen Aargauer, der heute in Sigriswil BE wohnt, und machte den ETH-Absolventen zum Generalsekretär in ihrem neuen Departement.

Nachdem Corina Casanova (60) vor einem Jahr von ihrem Amt zurücktrat, war Leuthard auch die treibende Kraft hinter Thurnherrs Kandidatur für das Kanzleramt.

Dass die Bundesrätin ihn der CVP im Falle ihres Rücktritts schmackhaft machen könnte, trauen der machtbewussten Bundesrätin viele zu: «Das wäre sicher ganz nach ihrem Gusto. Ein Mann ihres Vertrauens, der ihr Nachfolger würde – eine perfekte Nachfolgeplanung», sagt ein Parlamentarier, der verständlicherweise anonym bleiben will.

Was zweifellos stimmt: Doris Leuthard liebt Loyalität und belohnt sie. CVP-Fraktionschef Urs Schwaller (64) wurde nach seinem Rücktritt als Ständerat Verwaltungsratspräsident der Post, der Walliser CVP-Staatsrat Jean-Michel Cina (53) startet 2017 als Präsident der SRG und auch der Zürcher CVP-Regierungsrat Hans Hollenstein (67) landete trotz Abwahl weich – er wurde Präsident der Eidgenössischen Postkommission. All diese Jobs liegen im Verantwortungsbereich der Uvek-Departementschefin.

Typisch für die machtbewusste CVP und deren Exponenten ist auch, dass viele sich bereits Sorgen machen, ob die Partei bei einem denkbaren Amtswechsel von Thurnherr den Sitz des Bundeskanzlers verlieren könnte: «Das wäre der Nachteil seiner Kandidatur. Die CVP müsste dann einen Ersatz finden», sagt ein Nationalrat, der ebenfalls nicht genannt werden möchte. Eine Partei, die nur einen Vertreter im Bundesrat habe, dürfe das Bundeskanzleramt keinesfalls einer anderen Partei überlassen.

Dabei ist derzeit nicht einmal klar, ob die Vereinigte Bundesversammlung der Rochade überhaupt zustimmen würde.

Tritt Leuthard ab, sollte ihr Nachfolger aus der Inner- oder Ostschweiz stammen: Darüber ist man sich im Bundeshaus einig. Denn mit dem Freiburger Alain Berset (44, SP), dem Waadtländer Guy Parmelin (57, SVP) und dem Neuenburger Didier Burkhalter (56, FDP) ist die Westschweiz im Bundesrat bereits stark vertreten.

«Bundeskanzler reicht», sagt Thurnherr

So gesehen wäre auch der Luzerner Ständerat Konrad Graber (58) ein aussichtsreicher Kandidat; der Finanzpolitiker gilt als einflussreicher Strippenzieher im Bundeshaus. Auch der Name des Luzerner Regierungsrats Guido Graf (58) kursiert. Mit einem harten Kurs in der Asylpolitik sorgte er dieses Jahr für Aufsehen. Sein Problem: Als Exekutivmann ist er in den beiden Räten weniger bekannt.

Der Name des CVP-Präsidenten Gerhard Pfister (54) aus Zug wird ebenfalls genannt. Vor allem in SVP-Kreisen geniesst der Nationalrat Ansehen. Zudem wird der Bündner Ständerat Stefan Engler (56) als Kandidat gehandelt. Auch der ehemalige Regierungsrat ist im Bundeshaus bestens vernetzt.

Was auch immer das neue Jahr bringt: Leuthards Kronprinz könnte mit der Schützenhilfe der Magistratin einen Überraschungscoup landen.

An einer Veranstaltung diese Woche in Bern von Sonntags-Blick darauf angesprochen, sagte Thurnherr diplomatisch: «Ich bin Bundeskanzler. Das reicht.»

Wer könnte Leuthard sonst noch beerben?

Konrad Graber play
Konrad Graber

Konrad Graber

Der Luzerner Konrad Graber (58), seit 2007 im Stöckli, weicht auch mal von der Parteilinie ab, wenn ihm ein Thema wichtig ist. Gegen den Willen von Leuthard bekämpfte er dieses Jahr den Bau einer zweiten Strassenröhre am Gotthard.

Pirmin Bischof play
Pirmin Bischof

Pirmin Bischof

Pirmin Bischof (57) jagte der FDP nach 163 Jahren den freisinnigen Ständeratssitz in Solothurn ab. Spätestens seit 2011 geniesst Bischof deshalb in der Partei höchstes Ansehen. Bei Vakanzen kommt sie kaum um ihn als Kandidaten herum.

Guido Graf play
Guido Graf

Guido Graf

Der Exekutivpolitiker hat die Asylpolitik in den vergangenen Monaten immer wieder scharf kritisiert, der Bund lasse dabei die Kantone im Stich. Das Handicap von Guido Graf (58): Im Bundeshaus ist der Regierungsrat weniger bekannt.

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Gerhard Pfister

Gerhard Pfister

Seit April führt der Zuger Nationalrat Gerhard Pfister (54) die Christdemokraten. Er positionierte sie wieder klar bürgerlicher. Auch Leuthard stand bis zu ihrer Wahl in den Bundesrat der CVP vor. Das Präsidium ist also kein Nachteil.

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Stefan Engler

Ganz in CVP-Manier vertritt Stefan Engler (56) resolut die Interessen seines Kantons Graubünden. Der Präsident der Rhätischen Bahn hat sich im Ständerat einen Namen als seriöser Schaffer gemacht.

Publiziert am 03.12.2016 | Aktualisiert am 03.12.2016
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5 Kommentare
  • Burkhard  Vetsch 04.12.2016
    Einmal da oben, spielt es keine Rolle, von wem man Gewählt ist.
    Da sind sie sich selbst am nächsten.
    400 000.- im Jahr und danach 200 000.- plus.......
    Wir haben mal 60 000.- im Jahr, wenn es reicht. Brutto!
    Wählt mich Bitte, das möchte ich auch Erleben!
    Ich muss nichts machen und nach 4 Jahren bekomme ich 200 000.-
    Jedes Jahr!
  • Roman  Bachmair aus Naters
    04.12.2016
    Ein Bundesrat sollte aus dem Volk für das Volk gewählt werden und nicht die patentierten A...lecker, welche da schon hinten anstehen.
    • Edi  Rey aus Romanshorn
      04.12.2016
      Das Volk wollte das aber nicht, möglicherweise weil es die zu erwartende Schlammschlacht vor der Wahl gar nicht schätzen würde.
  • Werner  Jöri aus Wilen
    04.12.2016
    Wie der Artikel zeigt, ist die CVP immer noch Spitze im Zuschanzen von Posten, auch "Posten-Schacher" genannt. Um den dramatischen Abstieg bald zur Kleinpartei zu stoppen, wäre nicht fürstlich honorierte Knochenarbeit zu leisten zugunsten eines glaubwürdigen und erkennbaren Partei-Profils. Nicht im Ansatz sind Anstrengungen in diese Richtung zu erkennen!
    W. Jöri, alt NR, 6062 Wilen
  • Marco  Steingruber aus Fribourg
    03.12.2016
    Bei Bundesratswahlen gilt: Wer sich zuerst medial bewegt, hat schon verloren. So gesehen, wären die genannten bereits aus dem Rennen!