Heisser Auftakt zum «Bauernkrieg» im Nationalrat Bauern klagen und der Bundesrat droht

Der erste Teil der Agrar-Schlacht ist geschlagen. Mit Vorteil für den Bundesrat. Nächste Woche gehts weiter.

  • Publiziert: 19.09.2012, Aktualisiert: 20.09.2012
  • Von Irène Harnischberg
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Quellen: BFS, Agrarbericht 2010, SBV, admin.ch

Neun Stunden hat der Nationalrat gestern über die Zukunft der Bauern diskutiert. Die von FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann aufgegleiste Reform des Direktzahlungssystems – bereits die sechste in 20 Jahren – liess die Wogen hochgehen.

An vorderster Front kämpfte der Berner SVP-Nationalrat Andreas Aebi, der im November Präsident des Schweizerischen Bauernverbands werden will. «Der Bauer soll mit weniger Ressourceneinsatz mehr Leistungen erbringen und erhält dafür am Schluss noch weniger als heute: diese Rechnung geht nicht auf», klagte Aebi, der selber einen 21 Hektar gros­sen Bauernhof bewirtschaftet.

Bei den Worten von Aebi, der die ganze SVP hinter sich wusste, kam dem ansonsten ruhigen Schneider-Ammann die Galle hoch. «Die Behauptung, dass die meisten Betriebe mit dem neuen Direktzahlungssystem verlieren würden, ist einfach falsch. Da können gewisse Kreise noch lange eigene Berechnungen mit falschen Annahmen kolportieren», enervierte sich der FDP-Bundesrat. Für die Jahre 2014–2017 will Schneider-Ammann trotz Strukturwandel rund 13,7 Mil­liarden Franken ausgeben. «Man kann sich deshalb zu Recht fragen, ob es tatsächlich angebracht ist, angesichts der sinkenden Betriebszahlen die gleich hohe Summe Geld zur Verfügung zu stellen», drohte er den Bauern. Der Rat folgte mehrheitlich seinen Vorschlägen.

Die wichtigsten Entscheide von gestern:

Die Zahlungen des Bundes sollen dazu beitragen, dass die Einkommen der Bauernbetriebe im Durchschnitt mehrerer Jahre mit den Einkommen der übrigen erwerbstätigen Bevölkerung vergleichbar sind.

Zur Freude des Gewerbes beschloss der Rat, dass sich die Unterstützungsmassnahmen für die Landwirtschaft auf das Kerngeschäft beschränken müssen.

Zur Freude der Bäuerinnen werden im Gesetz neu explizit auch landwirtschaftsnahe Tätigkeiten erwähnt. Dabei geht es etwa ums Schlafen im Stroh.

Neu zahlt der Bund 210 Mil­lionen Franken für Landschaftsqualitätsbeiträge.

Jammern unsere Bauern wirklich zu viel?»

Beliebteste Kommentare

  • Anita  Wüthrich , via Facebook
    leider erklärt hier niemand genau was es für auswirkungen auf viele bauernbetriebe hat. viele werden nämlich aufgeben müssen. dauernd ein neues system, neue vorschriften. es muss viel geld für anpassungen bei den stallungen und maschinen ausgegeben werden. würden wir unsere eigenen produkte kaufen statt alles vom ausland reinzulassen und sogar noch einkaufstourismus zu betreiben, dann wären die bauern auch weniger abhängig von den direktzahlungen. übrigens, beim anhören von schneider-ammann kommt MIR die galle hoch, und ich glaube, da bin ich noch lange nicht die einzige
  • Ruedi  Gwerder , Gersau
    am meisten jammern die Flachlandbauern,ein Bergbauer hat zum Jammern gar kein Zeit !

Alle Kommentare (17)

  • Jan  Müller
    gewisse politiker sollten sich in dingen, wovon sie keine ahnung haben raus halten. dank ihnen und ihren wunschvorstellungen entscheiden sie dinge, was uns landwirte kaputt machen kann.
    es ist eine ironie, denn diese wollen in der schweiz die natur falten lassen, jedoch vom ausland die produkte, die alles andere als tierfreundlich hergestellt wurden importieren, und dies als billig ware verkaufen.
    die landwirte wollen sich dagegen wehren, was für gewisse "jammern" ist, doch wie gesagt bestimmen diese ahnungslosen fanatiker über unser leben, denn sie sind mittlerweile, in der mehrzahl.
    • 20.09.2012
    • 13
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  • Tobias  Brantschen , via Facebook
    Jeder, oder zumindest 99,9 Prozent, der die Frage mit JA beantwortet hat, hatte wahrscheinlich noch nie eine Heugabel in der Hand oder nie direkt etwas mit der Arbeit mit den sich der Bauer beschäftigt zu tun.
    • 20.09.2012
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  • Karl  Liniger , Cham
    Vielleicht könnte man den Kalender mit den jungen sexy Bäuerinnen subventionieren ;-
    • 20.09.2012
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  •   martin dettwiler , langenbruck
    Diese Menschen die hier solche Kommentare gegen die Bauern schreiben sollten einmal ohne Essen und Trinken auskommen!!! Und zusätzlich einmal jeden Tag von vier bis mitternacht arbeiten Mit einer Mahlzeit von einer Stunde!! So würde noch mancher Dankbar sein um unsere Bauern
    • 20.09.2012
    • 16
    • 6
  • Hans  Wirz , via Facebook
    Wird damit dem Konsumenten nicht zuviel zugemutet, wer bezahlt denn gerne für das Produkte zweimal, einmal über Direktzahlung und dann nochmals für das Produkt. Richtig ist auch, dass dem Produzenten nur ein kleiner Teil übrig bleibt- über 50 Prozent nehmen die Verarbeitung und Vermarktung der Produkte indem der Abnehmerpreis gedrückt wird. Marktwirtschaft = nicht Planwirtschaft!
    • 20.09.2012
    • 9
    • 3
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