Bauer Wettstein aus Remetschwil AG kriegt weniger ausbezahlt «Lieber faire Preise statt Direktzahlungen»

Eine Auswertung der Agrarreform zeigt: Manchen Gemeinden wurden die Direktzahlungen stark gekürzt. Auch bei Bauer Markus Wettstein. Doch eigentlich will er sich nicht als Verlierer sehen.

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2000 Einwohner zählt die beschauliche Gemeinde Remetschwil AG. Am Rand des Dorfs, gleich vor dem Wald, liegt der Birkenhof: zwei Scheunen, ein Wohnhaus. Hier wohnt ein Verlierer – zumindest auf dem Papier. Vor drei Jahren trat die neue Agrarreform in Kraft, welche die Direktzahlungen an die Bauern regelt. Die Gewinner in der Walliser Gemeinde Gondo-Zwischbergen hat BLICK bereits besucht. Jetzt führt der Weg in dieses Aargauer Dorf. Mit einem Viertel weniger müssen die Landwirte nach der Reform haushalten, Bauer Markus Wettstein (41) hats etwas weniger hart getroffen. Um etwa 15 Prozent sind seine Unterstützungszahlungen gesunken. «Das tat schon weh», erinnert er sich.

Die Kürzungen haben der sechsköpfigen Familie ihr Ziel erneut klargemacht: unabhängig werden von Bern. «Alle vier Jahre können die Bestimmungen ändern, Landwirte leben in einer dauerhaft unsicheren Lage», erzählt er am Küchentisch, Ehefrau Helena (43) unterstützend an der Seite. Aber auch die Bürokratie werde immer grösser. Auf dem Tisch liegt ein «Handbuch» des Kantons Aargau. Verschiedene Grafiken zeigen, wie richtig gemäht werden soll, um möglichst kein Wild zu schädigen. Am Tag vorher müsse er weisse Fahnen rund um sein Land aufstellen, je nach Situation auch den Jäger informieren.

Investitionen in die Zukunft

Doch sein Hauptmotiv, ohne Bundesgelder auskommen zu können, ist ein anderer: Stolz. «Wir wollen nicht am Tropf der Nation hangen», sagt er energisch. «Wir wollen uns auch nicht immer rechtfertigen müssen», ergänzt er.

Helena pflichtet bei. Immer wieder werde ihnen vorgeworfen, von den Direktzahlungen zu profitieren, dabei wird oft ausser Acht gelassen, dass sie mit diesem Geld nicht einfach in die Ferien gehen würden. Sie erinnert sich an eine Episode kurz vor ihrer Hochzeit. Ihr zukünftiger Ehegatte pflanzte Sonnenblumen an – für die Tischdekoration. Eines Tages sahen sie eine Frau, die sich grosszügig an den Sonnenblumen bediente. Darauf angesprochen, hiess es nur: Sie finanziere ja Direktzahlungen.

Der Weg der Unabhängigkeit verläuft zwischen Pragmatismus und Herzblut. Auf dem Papier skizzierte er seine Optionen. Die Zahlen sprachen für eine Hühnerfarm, das Herz für Kälber. Markus investierte in einen neuen Stall mit Auslaufhaltung. Jetzt darf er 240 Kälber und 40 Munis zu seiner erweiterten Familie zählen. Die Investitionen haben sich gelohnt, immer weniger ist er von den Direktzahlungen abhängig.

Fallende Preise

Trotzdem ist ihm bewusst, dass nicht alle so arbeiten können wie er. «Es ist mehr als fair, dass Bergregionen dank der neuen Agrarpolitik mehr Unterstützung erhalten.» Mit den Direktzahlungen für die Versorgungssicherheit hat er jedoch seine Mühe. «Man würde den Bauern besser faire Preise für ihre Produkte zahlen, als sie mit Direktzahlungen zu unterstützen», ist er überzeugt. «Vor 20 Jahren erhielt ein Bauer noch 105 Franken für 100 Kilogramm Weizen», heute ist der Preis auf 51 Franken eingebrochen. «Unterstützte man statt den Bauern die Produzenten wie Emmi und Migros, könnten diese den Landwirten faire Preise bezahlen.» Dann könne ein Bauer auch ohne Direktzahlungen auskommen – so wie es bald bei ihm der Fall sein wird.

 

Publiziert am 03.11.2016 | Aktualisiert am 13.12.2016
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5 Kommentare
  • Marc  Vogt , via Facebook 14.12.2016
    Agrargüter werden nicht von den Bauern verkauft sondern von Einkäufern die uns vorrechnen wieviel wir vom Staat erhalten. Tierwohl- und Ökobeiträge gehen voll an den Handel der sich die Margen für Labelprodukte damit noch mehr verbessert. Fairer Markt ist utopie bei 2 Einkäufern und 45000 Anbietern! Wer überleben will muss knallhart rechnen oder in der Bergzone 4 einen Betrieb haben.
  • Marc  Vogt , via Facebook 13.12.2016
    Agrargüter werden nicht von den Bauern verkauft sondern von Einkäufern die uns vorrechnen wieviel wir vom Staat erhalten. Tierwohl- und Ökobeiträge gehen voll an den Handel der sich die Margen für Labelprodukte damit noch mehr verbessert. Fairer Markt ist utopie bei 2 Einkäufern und 45000 Anbietern! Wer überleben will muss knallhart rechnen oder in der Bergzone 4 einen Betrieb haben.
  • Roland  Wyler 11.11.2016
    Völlig richtig Jsa, nur zeig mir die oder der, die 1.20 bezahlen, wenn Du daneben sie für 0.48 angeboten erhältst. Den oder die gibt es nur im Wunschkatalog und deshalb ist ein fairer Preis ein allgegenwärtiger Wunsch, aber keine Realität. Geh doch mal Einkaufen, zum Beispiel auf dem Gemüsemarkt. Der Preis ändert sich Stündlich wie an der Börse oder eben auf dem Markt.
  • Roland  Wyler 03.11.2016
    Kann mir jemand "faire Preise" definieren?
    Preis ist, was ich bereit bin zu bezahlen und die Wäre ist was ich für den Preis erhalte.
    • Jsa  Sigron aus Schangnau
      03.11.2016
      Fair wäre, wenn jeder Bauer für seinen Liter Milch wieder 1.20 CHF bekommen würde und nicht wie jetzt noch 45 Rappen....usw....