Steuerdeals taugen nichts Bankenprofessor fällt Widmer-Schlumpf in den Rücken

  • Publiziert: 26.07.2012, Aktualisiert: 27.07.2012

BERN - Hans Geiger, Finanzprofessor der Uni Zürich, kritisiert die Arbeit des Chefunterhändlers unserer Finanzministerin. Die drei Steuerabkommen seien schludrig konzipiert und schlecht verhandelt.

In der aktuellen Weltwoche schreibt sich Hans Geiger seinen Ärger vom Leib.

«Der Bundesrat präsentiert die drei Abkommen als wesentliche Bestandteile seiner «Weissgeldstrategie».» Sie seien eine Alternative zum automatischen Informationsaustausch von Bankdaten mit ausländischen Behörden und schützten das Bankgeheimnis.

Laut Geiger eine sonderbare Interpretation: «Deutschland und Grossbritannien verzichten nicht auf den ­automatischen Informationsaustausch, und die anderen EU-Länder schon gar nicht.»Der automatische Informationsaustausch bleibe EU-Norm und Ziel.

Verstecktes Detail in den Schlussbestimmungen

Ein pikantes Detail zum automatischen Informationsaustausch findet sich laut Geiger versteckt in den Schlussbestimmungen des Vertrags. Unter dem Titel «Reziproke Massnahmen der Bundesrepublik Deutschland».

Das Abkommen mit Deutschland (und auch mit Grossbritannien) eröffne den Schweizer Behörden den direkten Informationsaustausch zu Schweizer Steuerpflichtigen mit Bankverbindungen in diesen Ländern.

Geiger fährt fort: «Die drei Abkommen stehen als Anomalie im krassen Widerspruch zum schweizerischen und zum internationalen Steuerrecht. Steuern auf bewegliches Vermögen sind grundsätzlich am Domizil des Steuerpflichtigen geschuldet und zu bezahlen.»

Chaos und Rechtsunsicherheit droht

Kein Land treibe so für andere Regierungen Steuern ein. «Dass die Schweiz Kunden verschiedener Länder nach verschiedenen Grundsätzen behandeln will, führt zu Chaos und Rechtsunsicherheiten», analysiert Geiger.

Zudem stünden die drei Abkommen im Konflikt mit dem Zinsbesteuerungsabkommen der Schweiz mit der EG vom 26. Oktober 2004. Die Beilegung dieses Konfliktes be­zahlen die betroffenen ausländischen Kunden mit weit überhöhten Steuersätzen auf Zins­erträgen.

Im Übrigen diskriminieren die Abkommen die Schweizer Steuerpflichtigen rechtlich, denn sie eröffnen den ausländischen Kunden den Zugang zur Steuerabgeltung, welche die Schweiz den eigenen Bürgern verwehrt. Wenn das Abgeltungssystem eine gute Sache wäre, würde die Schweiz das System zuerst im Inland einführen.

Gegen die kleinen Banken

Weiter sieht der Finanzexperte eine Gefährdung kleiner Banken. «Die drei Abkommen stärken die grossen Banken und schwächen die kleineren, die nicht in der Lage sind, die durch die Abkommen geschaffene Komplexität zu meistern.»

Wenn kleine und mittlere Banken für jedes Land eine eigene Lösung realisieren müssen, können sie das Geschäft nicht kostendeckend betreiben.

«Sie werden es an die Grossen und ans Ausland verlieren. Mit je mehr Ländern wir solche Abkommen abschliessen, desto dramatischer wird die Situation für die kleineren Banken.»

Kleinere Banken verkämen zu unabhängigen Vermögensverwaltern und könnten ihre Bankenlizenz gleich abgeben. Die grossen würden noch grösser. «Dies ist nicht im Interesse der Schweiz. Wir haben schon genug too big to fail», so Geiger. (kmu)

 

Beliebteste Kommentare

  • Roland  Rutishauser , via Facebook
    Wo er Recht hat, hat er Recht! Sehr, sehr schlecht verhandelt - in jeder Beziehung.
  • Rees  Keller , Basel
    Solche Schludrigkeiten kommen meist dann zu Stande, wenn man HauRuck was unter Dach und Fach bringen will. Und genau das will die Landesregierung damit wieder eine Friede Freude Eierkuchen Stimmung erreicht wird mit den involvierten Ländern. Dass man sich dabei aber über geltende Rechte hinwegsetzt und über Leichen geht interessiert unsere Politik anscheinend nicht. Für mich wieder mal ein Beweis mehr, dass unsere Landesregierung genau 0 Rückgrat hat!

Alle Kommentare (13)

  • andreas  zenklusen
    Haben sie von unserer Selbstdarstellungs-Neurotikerin tatsächlich mehr erwartet...? Diese dame hat in ihrer Amtszeit noch rein gar nichts, ausser einem grossen Personalverschleiss, zustande gebracht....! Traurig, wie man auf Kosten der einheimischen Bevölkerung, Ego-Politik betreibt!
    • 27.07.2012
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  •   Heinz Knauser , z.Zeit in Thailand
    Langsam merkt es der dümmste dass EWS unfähig und total überfordert ist.
    Leider dauert das Trauerspiel noch länger.
    Die anderen sechs kann man in den selben Topf werfen , die sind auch nicht besser!
    • 27.07.2012
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  • Peter  Grelling , Zürich
    Bravo, Herr Professor Geiger!!! Der Bundesrat setzte sich schon des öfteren über bestehende Grundsätze und Gesetze hinweg um "brauchbare" Lösungen zu beschliessen. "Brauchbar" für die in Bern richtungsweisenden Überstrukturen und die schweizerische Bevölkerung steht im Regen. Bei den Politikern verschwindet der politische Sendungwille zu Gunsten der Möglichkeiten, irgenwo den Fuss zwischen Tür und Angel zu stellen und dafür Vorteile zu kassieren....
    • 27.07.2012
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  • Hanspeter  Elmer , Glarus
    Fakt ist, dass EWS in ihrer Amtszeit noch rein gar nichts vernünftiges zu Stande gebracht hat. Ihre Abkommen - die ja immer das Maximum dessen war, was für die Schweiz möglich war - sind nicht mal das Papier wert, auf dem sie geschrieben stehen. Ihre Amtszeit ist bis jetzt ein einziges Debakel und nur dazu da um sich selber ins Rampenlicht zu stellen. Die Zeche dafür zahlen wir und die einfachen Bankangestellten, die man einfach so mit Namen und Adressen ans Messer liefert.
    • 27.07.2012
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  • Peter   Hofmann , Dürtnen
    Wir müssen Politiker wählen die nicht auf allen vieren nach Deutschland kriechen, sondern Politiker mit Rückgrat und Forderungen im Sack, von denen sie nicht nach dem Säbelrasseln zurückkrebsen.
    • 27.07.2012
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