Aussenminister Mevlüt Çavusoglu besucht heute Bern Lesen Sie den Türken die Leviten, Herr Burkhalter?

BERN - Aussenminister Didier Burkhalter empfängt heute seinen türkischen Amtskollegen. Burkhalter soll ihm ins Gewissen reden, fordern Politiker.

Türkei-Schweiz: Aussenminister Mevlüt Çavusoglu bei Didier Burkhalter play
Der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu besucht heute die Schweiz. AP

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Der Schweizer Aussenminister Didier Burkhalter empfängt oft und gerne ausländische Staatsgäste in Bern. Der heutige Besuch ist aber auch für den Neuenburger heikel. Mit Mevlüt Çavusoglu weilt sein türkischer Amtskollege in der Bundesstadt.

Türkei-Schweiz: Aussenminister Mevlüt Çavusoglu bei Didier Burkhalter play
Liest Didier Burkhalter seinem türkischen Amtskollegen die Leviten? Reuters

Eingeladen hat ihn die Eidgenossenschaft im Juni, also vor dem Putschversuch in der Türkei. Als problematisch wird der Besuch nicht angesehen, doch Parlamentarier machen Druck auf Burkhalter, dass er Çavusoglu ins Gewissen redet.

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SVP-Nationalrat Rino Büchel fordert Klartext vom Schweizer Aussenminister. Keystone

Die Aussenpolitikerinnen Kathy Riklin (CVP), Christa Markwalder (FDP) und Sibel Arslan (Grüne) hoffen, dass der FDP-Bundesrat dem Türken die Bedeutung der Pressefreiheit in Erinnerung ruft, schreibt der «TagesAnzeiger». Ausserdem soll er sein Missfallen an den Entlassungen von Lehrern und Akademikern kundtun.

Von links bis rechts wird auch kritisch beurteilt, dass das türkische Konsulat im Frühling forderte, in Genf Erdogan-kritische Bilder zu entfernen. «Wenn sich solche Vorfälle wie jetzt häufen, muss dies angesprochen werden», findet SVP-Nationalrat Rino Büchel, der die Aussenpolitische Kommission des Nationalrats präsidiert.

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«Er ist absolut loyal zu Erdogan», sagt Çavusoglu-Kenner Andreas Gross. Freshfocus

Persönlich bekannt mit Çavusoglu ist alt SP-Nationalrat Andreas Gross. Dieser verlangt, dass Burkhalter dem türkischen Aussenminister klarmache, dass die Wiedereinführung der Todesstrafe ein Bruch mit Europa bedeuten würde.

Gross glaubt, Çavusoglu werde die Bedenken verstehen. Allerdings stelle sich die Frage, wie viel das bringe. Denn am Ende entscheide Erdogan persönlich über die türkische Politik, sagt Gross – und Çavusoglu sei Erdogan gegenüber «absolut loyal». (vuc) Publiziert am 03.11.2016 | Aktualisiert am 03.11.2016
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5 Kommentare
  • John  Kafro 03.11.2016
    Er wird ihm nicht die Leviten lesen. Selbst wenn, was dann? Unsere Politik ist doch nichts als heuchlerisch. Ich glaube kaum, dass es den Herrn Çavusoglu ernsthaft interessieren würde, wenn ihm Herr Burkhalter die Leviten lesen würde. Auf Worte müssten Taten folgen. Aber solange die westlichen Staaten den Sultan am Bosporus aus geopolitischen Interessen nicht verärgern wollen, ist das alles für die Katz. Die Rolle der Türkei und von Erdogan ist nur so gewachsen, weil es der Westen so will.
    • Paul  Entlebucher 03.11.2016
      Wie so oft, liegt die Macht (auch) beim CH-Verbraucher: Die Waren aus der Türkei müssen im Gestell liegen gelassen werden, und für Ferien in die Türkei gibt es genug adequate Alternativen (Bulgarien, Kroatien, Italien, Spanien, etc.)
  • Fridolin  Glarner-Walker aus Genf
    03.11.2016
    Na ja, die neutrale Schweiz möchte es mit niemandem verscherzen. Wenn jedoch Grundrechte, die man im eigenen Land nicht missen möchte, total ignoriert werden, sollte auch unser BR klare Worte finden und nicht nur diplomatische Floskeln zum Ausdruck bringen. Alle Achtung vor dem österreichischen Aussenminister Sebastian Kunz, der es klar formulierte: «Wer sich in der türkischen Innenpolitik engagieren will, dem steht es frei, unser Land zu verlassen.»
  • Hans Jakob  Rölli , via Facebook 03.11.2016
    Die "westliche" Demokratie-Form ist nicht für alle Länder geeignet.

    Früher gab es z.B. in Syrien ganz wenige Tote.
    Und jetzt, nachdem, resp. seit sich der liebe Westen den aufständischen Rebellen annimmt,
    herrscht das grosse Chaos.

    Genau wie im Irak, Afghanistan, etc.

    Ich persönlich würde mich z.B. im Iran,
    wo die Religions-Übermacht das Tagesgeschehen diktiert, wohler fühlen.

    Für mich heisst dies:
    Westliche Demokratie in der Türkei
    = ein neuer, unberechenbarer Staat!
    • Ren  Hoek , via Facebook 03.11.2016
      na wenn der liebe Westen sich den aufständischen Rebellen annimmt, dann gehört das anscheinend zur westlichen Demokratie-Form.

      Der Westen will doch keine integere Staaten da. Das würde nur den Export von Rohstoffen verteuern.

      Aber so einfach ist das ganze wohl auch nicht. Wissen Sie wer als letztes die Landeslinien von Syrien gezogen hat? Das waren England und Frankreich nach dem ersten Weltkrieg. Der 2.e und kalte Krieg haben es nicht besser gemacht. Den Ländern am eisernen Vorhang.