Aus Spargründen bleiben Luzerner Schulen zu Niemand will sich über Ferien freuen

LUZERN - Vier Millionen muss der Kanton Luzern sparen. Dazu schickt er Schüler ab nächster Woche in die Ferien. Weder Lehrer noch Eltern begrüssen diese Sparübung.

Kanton Luzern: Schickt Schüler aus Spargründen in die Zwangsferien play
Verwaiste Schulzimmer - Luzern schickt seine Schüler in die Zwangsferien. Gaetan Bally

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In Luzern enden Heute die Schulferien - eigentlich. Denn der Luzerner Kantonsrat hat 20'000 Gymnasiasten, Fachmittelschüler und Lehrlinge Zwangferien verordnet. Vier Millionen Franken, hoffen die Politiker, können so eingespart werden.

Das kommt nicht gut an, wie eine Umfrage der «Luzerner Zeitung» ergeben hat. Vele Schüler müssten nun den versäumten Stoff selbst in den Ferien nacharbeiten, bestätigt die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung.

«Die Schulen sind gefordert, die gesamten Lernziele innerhalb des Schuljahres zu vermitteln», so deren Leiter Christof Spöring. Die Lehrer selbst dürfen auch nicht arbeiten. Dazu habe die Dienststelle Gymnasialbildung die Lehrer frühzeitig informiert, «dass grundsätzlich keine Arbeit zu leisten sei.»

Wie die Lernziele erreicht werden sollen, handhaben Schulen unterschiedlich. Die Kantonsschule Alpenquai habe keine Weisungen erlassen, das Erteilen von Hausaufgaben liege in der Verantwortung der Lehrer, sagt Rektor Hans Hirschi: «Die Lehrer wissen am bestem, was zum Erreichen der Lernziele nötig ist.»

«Alle bemühen sich»

Remo Herbst, Präsident des Verbands der Mittelschullehrer und selbst Geschichtslehrer, hat hingegen Aufträge an seine Schüler gegeben. «Trotzdem wird die Ausbildung der Jugendlichen unter dem Spardiktat leiden», ist er überzeugt.

Auch vom Verband der Luzerner Berufsschullehrer tönt es wenig optimistisch. «Am härtesten trifft es bei uns die Schüler der Vollzeitberufsmatura. Ihnen bleibt nur ein Jahr bis zum Abschluss», zitiert die «Luzerner Zeitung» den Verbandspräsident Benno Wey.

Auch er habe Aufgaben aufgetragen, um die wegfallenden Lektionen zu kompensieren. Die Schüler würden aber laut Wey merken, dass die Sparmassnahmen nicht zu ihren Gunsten seien. Auch Alpenquai-Rektor Hirschi klingt wenig überzeugt. «Alle werden sich bemühen, sinnvoll mit der misslichen Situation umzugehen, um den Schaden möglichst gering zu halten.»

Ob alle Schüler sich in ihren Ferien mit Schulaufgaben beschäftigen dürfen, weiss Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung nicht. «Es ist durchaus möglich, dass Lehrer ihre Schüler auf die versäumten Lernziele hingewiesen und dazu eingeladen haben, diese individuell nachzuarbeiten».

Auch Eltern sind wenig begeistert

Nicht nur Lehrer äussern sich kritisch zu den Zwangsferien. Auch berufstätige Väter und Mütter montierten an Elternabenden, jüngere Kantischüler müssten während der Zwangsferien ohne Betreuung auskommen, ebenso fehle die Möglichkeit der Mittagsverpflegung.

Dieses Problem müssten die Eltern, die Wähler der Kantons- und Regierungsräte, selber lösen, argumentiert hingegen der Präsident der Mittelschullehrer Herbst. Der aktuelle Fall sei bedauerlich, gibt auch Magno zu, «aber wir können es nicht ändern».

Die Zwangsmassnahmen wurden für das aktuelle Jahr beschlossen. Ob die nächsten Herbstferien wieder verlängert werden, muss der Kantonsrat Ende Jahr entscheiden. Verbandspräsident Wey hofft, dass es beim Versprechen bleibt, dass dies eine einmalige Sache sei. «Es ist peinlich, dass man aus finanzieller Not in einem der reichsten Länder die Schulen schliessen muss.» (shu)

Publiziert am 14.10.2016 | Aktualisiert am 17.10.2016
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17 Kommentare
  • Hansjürg  Meister 16.10.2016
    O.k. als Geschäftsführer bedeutet das für mich: Vorsicht bei der Anstellung von Luzerner Schulabgänger oder Ausgebildeten, besser gar keine anstellen, es gibt genügend andere, deren Lernziele sicher erreicht wurden, notfalls aus der EU.
  • roman  meyer 15.10.2016
    Das sind die Folgen der bürgerlichen Politik. Die Unternehmenssteuern wurden im Kanton Luzern drastisch gesenkt und jetzt fehlen 500 Mio Franken. Als wir darüber abstimmen durften hat man noch von MEHREINNAHMEN geredet. Wers glaubt meine Däumchn runter Mitleidsgenossen.
  • Heinz  Häni 15.10.2016
    Passt zu unserem Superstaat, wie in Burkina Faso. Nur weiter so Grüne und Rote. Geld verteilen, dass nicht da ist und ja nicht zu viel arbeiten, könnte ja schädlich sein (Spruch der UNIA).
  • Coni  Müller 15.10.2016
    Und wie viele Millionen werden für Asyl- und Integrationswahnsinn ausgegeben. Mit dem Geld hätte die Schule keine Probleme mehr.
  • Ruedi  Schwarz , via Facebook 15.10.2016
    Geht doch noch mehr mit den Steuern für die Unternehmungen runter!