Auch die Bau-Branche mischt mit: Die Millionenschlacht um den Gotthard

Die Befürworter einer zweiten Röhre werfen viel Geld auf, um das Volk von einem Ja zu überzeugen. Doch woher kommt dieses Geld?

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Die Einfahrt zum Gotthardtunnel. KEY

Die Gegner einer zweiten Röhre holen auf, jetzt wird der Kampf um den Gotthard spannend! Beide Lager investieren viel Geld, vor allem die Befürworter. Sie spannen Prominente vor den Karren, klotzen mit Zeitungsinseraten und kleistern Plakate an die Wände. Klar ist: Es sind Millionen im Spiel. Doch woher kommen sie? Das offensichtlichste Interesse an einem Ja haben Firmen, die auf Aufträge schielen. Der Bauriese Implenia etwa war am Bau des Neat-Basistunnels massgeblich beteiligt.

Auf Anfrage will sich die Firma «wie üblich» nicht politisch äussern. Man sei auch finanziell nicht an der Pro-Kampagne beteiligt. Konkurrent Marti will gar keinen Kommentar abgeben. Doch Geld von der Baulobby fliesst auf anderen Kanälen: Infra Suisse, die Branchenorganisation der im Infrastrukturbau tätigen Unternehmen, hat das Portemonnaie geöffnet, bestätigt Geschäftsführer Matthias Forster: «Der Bau der zweiten Gotthardröhre ist für uns ein wichtiges Anliegen.» Mitglied bei Infra Suisse sind Firmen wie Frutiger und Sika, auch die Tunnelbau-Abteilungen von Marti, Implenia oder Strabag sind an Bord. Die Mitglieder finanzieren die Organisation zu einem grossen Teil. Um wie viel Bares geht es? «Über die Höhe des gesprochenen Betrags haben wir Stillschweigen vereinbart», so Forster. Und fügt an: «Grundsätzlich halten wir uns eher im Hintergrund.» Der Gewerbeverband, der die Kampagne anführt, schweigt eisern, welche Verbände sich wie stark engagieren. Im Komitee sind etwa TCS, ACS und Economiesuisse.

Die Gegner beklagen die ungleich langen Spiesse. VCS-Co-Geschäftsführerin Caroline Beglinger beziffert ihre Mittel auf 1,5 Millionen Franken. Die Befürworter hätten dagegen ein Budget von «gegen zehn Millionen Franken» zur Verfügung. Diese Zahl weist Bernhard Salzmann vom Gewerbeverband als «absurd» zurück, will aber nicht einmal eine Grössenordnung offenlegen. Der Grosskampf um den Gotthard ist auch der Wissenschaft aufgefallen. Laurent Bernhard, Politologe an der Universität Zürich, spricht von einer «Millionenschlacht» und sagt: «Die Pro-Seite hat mehr Mittel zur Verfügung, doch auch die Gegner um die Umweltschutzverbände sind nicht arm.» Das Budget der Befürworter schätzt er auf fünf Millionen Franken. Besonders auffällig sei, dass die «finanziellen Interessen extrem konzentriert sind». VCS-Chefin Beglinger ist überzeugt, dass die Gegenseite von Beiträgen der Industrie lebt: «Dass hier Baufirmen zahlen, die nachher von Aufträgen für den Tunnelbau profitieren, ist eine Schweinerei.»

Publiziert am 20.02.2016 | Aktualisiert am 22.02.2016
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  • Hanspeter  Waldmann , via Facebook 22.02.2016
    Die zweite Gotthard Röhre ist vor der Abstimmung zum Milliarden Geschäft geworden.Die Publizierten Kosten für das Projekt ist nur eine Annahme.Jedes Projekt,gleich in welcher Form,wird niedrig gehalten,um das Geschäft nicht zu gefährden,was bei der Ausführung jeweils zu Nachkrediten führte,die nicht mehr zu verhindern sind und mit der Faust im Sack man bewilligen muss.Hier wird nie eine Vollumfängliche Transparent geschaffen um die Arglist zu vertuschen.Wir Finanzieren alles für Europa.
  • René  Widmer aus Ersigen
    20.02.2016
    Eigentlich braucht es 6 Spuren durch oder über den Gotthard. Darum bin ich für einen massiven Ausbau der Strasse über den Gotthard und ganzjährig offen halten mittels teilweiser Überdachung. Eine 2. Röhre ohne mehr Spuren befahren zu können, ist das Geld aus dem Fenster geworfen.
  • Daniel  Oetsch aus Thörishaus
    20.02.2016
    also Stau am Gotthard heisst dann Motor anlassen, 8 Meter fahren abstellen, anlassen, 4 Meter fahren oder Motor gar nicht abstellen wenns brütend heiss oder Arschkalt ist weil dann die Klimaanlage läuft...und das übere mehrere Stunden bei X Kilometern teils künstlich produziertem Stau,das ist dann Ökologisch...? Was soll daran gut sein ? Ich finde man sollte die 2te Röhre bauen,wie man dann welchen Verkehr durchlässt, stellt sich eh erst in 15 Jahren..unbedingt Geld verlangen für die Durchfahrt.
  • Urs  Meier 20.02.2016
    Bei solchen Unternehmen geht es immer nur ums Geld und dem Volk wird Sand in die Augen gestreut.
    Für die zweite Röhre wird mit dem Argument Sicherheit geworben, aber, dass die heutige relative Sicherheitssituation zwischen Basel und Chiasso auf der Strecke bleibt, wenn alle Lastwagen, welche heute die Brennerroute befahren durch den Gotthard schleichen, wird schlichtweg ausgeblendet. Die Tiroler werden sich freuen.
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    20.02.2016
    Die Zweite Röhre ist ein Konstrukt der Baumafia in der Schweiz - sie hat einzig das Interesse an diesem Milliardenprojekt, die TunnelBenutzer werden natürlich eingeseift und an Bord geholt - all die Versprechungen sind ja verlockend.Doch irgendwann später bezahlt das Stimmvolk die Zeche - wäre interessant zu wissen, wieviel Prozent der Schweizer fahren regelmässig durch den Gotthard ? Dann könnte man mal über das Kosten-Nutzen Verhältnis debattieren !