Atom-Gegner spannen Haustiere ein «Die Tiere werden im Stich gelassen!»

Jetzt schaltet sich auch noch der Schweizer Tierschutz in den Abstimmungskampf um die Atomausstiegs-Initiative ein. Machen am 27. November die herzigen Tierli den Unterschied?

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Am Sonntag entscheidet das Stimmvolk über die Atomausstiegs-Initiative der Grünen. Und die bisherigen Umfragen zeigen: Es wird knapp. Kein Wunder, werfen beide Seiten noch die letzten Reserven in die Waagschale – die Initianten gar mit einem tierischen Aufgebot.

So posiert Heinz Lienhard, Präsident des Schweizer Tierschutzes, mit einem herzigen Hund für ein Inserat des Ja-Komitees. Mit der Frage «Was geschieht bei einem schweren Atomunfall mit den Tieren?» zielt Lienhard direkt ins Herz unzähliger Tierfreunde.

Tierschutz-Präsident Heinz Lienhard zielt im Inserat direkt ins Herz der Tierfreunde. play
Tierschutz-Präsident Heinz Lienhard zielt im Inserat direkt ins Herz der Tierfreunde. ZVG

Und er gibt auch gleich die Antwort: «Sie müssen schutzlos zurückbleiben, wenn die Menschen versuchen, sich in Sicherheit zu bringen. In Fukushima sind die Nutztiere und Heimtiere jämmerlich verendet.»

«Initiative ist besonders tierschutzrelevant»

Wenn es um Abstimmungen geht, hält sich der Schweizer Tierschutz normalerweise zurück. Letztmals gab der Tierschutz 2010 eine offizielle Abstimmungsparole zu einer eidgenössischen Vorlage heraus – zur hauseigenen Tieranwalt-Initiative. «Damit wir uns wie jetzt aktiv in eine Kampagne einschalten, muss das Thema besonders tierschutzrelevant sein», sagt Lienhard zu BLICK.

«Doch Fukushima ist ein Paradebeispiel dafür, wie stark die Tiere unter einem Atomunfall zu leiden haben.» Viele Tiere seien in ihren Ställen gefangen gewesen und elendiglich verhungert und verdurstet, so Lienhard.

Auch viele Haustiere hätten nicht mehr gerettet werden können. Manche verstrahlte Tiere seien verwildert und später von den Behörden getötet worden.

Behörden sehen keine Evakuierung vor

Tatsächlich sind die Behörden im Ernstfall für eine Evakuation von Tieren nicht vorbereitet. So hält der Kanton Bern in einem «Merkblatt für Nutztierhalter» für den Fall eines AKW-Störfalls fest: «Die Evakuierung von Nutztieren ist von behördlicher Seite nicht vorgesehen.»

Die Vorbereitungen dazu müssten die Tierhalter «in Eigenverantwortung» übernehmen». So enthält das Merkblatt allerlei Tipps, wie die Tiere allenfalls geschützt werden könnten.

Doch es macht auch klar: «Der Personenschutz hat immer Vorrang vor allen anderen Massnahmen.»

Tierschützer Lienhard sieht seine Befürchtungen bestätigt: «Bei einem Atomunfall werden die Tiere im Stich gelassen.»

Ritter: Viel geringeres Risiko

Dem widerspricht CVP-Nationalrat und Bauernverbandspräsident Markus Ritter: «Den Bauern sind ihre Tiere wichtig. Sie würden alles unternehmen, um auch ihre Tiere in Sicherheit zu bringen.» Ritter hält auf seinem Hof selber gegen 40 Milchkühe und Jungtiere.

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Bauern-Chef Markus Ritter: «Die Bauern würden alles unternehmen, um auch ihre Tiere in Sicherheit zu bringen.» Sabine Wunderlin

Er ist sich bewusst, dass es im Falle einer Atomkatastrophe «eine sehr schwierige Situation für Mensch und Tier» wäre. Wenn eine Evakuierung aber möglich sei, so würden die Tiere in nicht-betroffenen Gebieten unterkommen. «Da spielt die Solidarität unter den Bauern. Auch wenn es im Winter wohl schwieriger wäre, genügend Plätze zu finden, als im Sommer.»

Ritter hält das Risiko eines Atomunfalls hierzulande aber für viel geringer als in Fukushima. Gerade das Risiko von Naturkatastrophen, die einen Atomunfall begünstigen könnten, sei deutlich kleiner. «Es gibt zwar immer ein Restrisiko, aber unsere Kernkraftwerke werden sehr streng überwacht», so Ritter.

Einig über das Ziel, aber nicht den Zeitplan

Über das Ziel ist er mit dem Tierschutz trotzdem einig: «Wir haben im Parlament die Energiestrategie 2050 unterstützt und damit auch den Atomausstieg.»

Allerdings will Ritter den AKW-Betreibern mehr Zeit einräumen. «Es bringt nichts, im kommenden Jahr drei AKW miteinander abzustellen und keine rasch umsetzbare Alternative für die Produktion von sauberem Strom zu haben, wie das mit der Initiative der Fall wäre.»

Publiziert am 22.11.2016 | Aktualisiert am 25.11.2016
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  • Thomas  homberger 22.11.2016
    Genauso gut könnte man sagen das wir Autos und sonst der ähnliche müll abschaffen sollten weil es der Tiere und die Umwelt schadet.Aber darum will sich jeder der Verantwortung drücken. Nun aber wenn es um Akws geht da soll diese Argumentation dan wieder gut da gestellt sein.
  • Martin  Maletinsky aus Kilchberg
    22.11.2016
    Sehe ich die absurden Argumente, die die Befürworter mittlerweile hervorkramen, keimt langsam Hoffnung, dass diese Kurzschluss-Initiative doch noch abgelehnt werden könnte.
    Gestern wurde behauptet der zu importierende Kohlestrom verursache (dank irgendwelcher Zertifikate) keinen CO2 Ausstoss, heute müssen die Haustiere herhalten.
    Im Gegensatz zu dieser rein hypothetischen Gefährdung tötet der Strassenverkehr jährlich tausende von Tieren und Windturbinen werden für viele Vögel zur Guillotine.
    • Harald  Beutler 22.11.2016
      Die Preise dieser Zertifikate sind meines Wissens im Keller, da es ein Überangebot hat. Deshalb können CO2-Schleudern günstig solche Zertifikate kaufen und weiter die Luft verpesten. Ein weiteres Beispiel dafür, was passiert, wenn der Staat versucht einen Markt zu steuern. Die bereits masslosen Subventionen für die Erneuerbaren und ihr Einfluss auf den Zerfall unserer wertvollen Wasserkraft ist ein weiteres typisches Beispiel
  • Eric  Vieira aus Frenkendorf
    22.11.2016
    Die meisten Tieren sind womöglich durch den Zunami umgekommen. Die Speicherkapazität unseren Pumpspeicherwerken würde Strom für nur ein Paar Tage sichern ohne Sonne und Wind im Winter. AKWs ERGÄNZEN die Erneuerbaren und zwar CO2 frei. Die Schweiz muss eine gewisse Unabhängigkeit wahren. Viel Stromimport wird nicht möglich ohne institutionelle Anbindung an der EU und EU Gesetzgebung. Als Konsequenz davon dürfte Initiativ- und Referendumsrechte zwar noch vorhanden aber nicht mehr bindend sein.
    • Marco  Weber 22.11.2016
      Genau Herr Vieira jetzt müssen Sie uns nur noch den Masterplan für den Abfall aus den AKW mitteilen und dann ist alles gut!
    • Rolf  Hess 23.11.2016
      @Ja Herr Weber: Dass wir immer noch kein Endlager haben, liegt an denselben Leuten, die jetzt abstellen wollen. Sie verhindern seit 43 Jahren, dass die NAGRA endlich ein Endlager bauen kann. So viel Hinterlist zu diesem Thema von den Grünen und der SP hat mit normalem Denken nichts am Hut. Mit einem Endlager würden diese Leute alle das Argument des Abfalls und ihrer Wahlpropaganda verlieren. Für die Abfälle aus Spitälern, der Forschung und Produktion sollten wir längst etwas haben.



  • Harald  Beutler 22.11.2016
    Das Ganze wird immer abenteuerlicher. Fehlen der Pro-Seiter dermassen die Argumente, dass nun noch mit den (Haus-) Tieren argumentiert werden muss? Falls so ein unwahrscheinlicher Fall eintrifft, haben alle wohl ganz andere Probleme. Aber nett zu wissen, dass auch die Tiere unsere AKWs gerne sofort abschalten möchten.
    • Marco  Weber 22.11.2016
      Herr Beutler die Argumente gehen nicht aus die wurden einfach schon gesagt!Und ja dann hätten wir andere Probleme! Also AKWs so bald als möglich abschalten!
  • Abbas  Schumacher aus Basel
    22.11.2016
    Das zieht bei mir nicht, gerade Bauern sind ja nicht gerade die besten Tierschützer! Immer wieder gibt es Bauern die ihre Tier vernachlässigen und da soll ich dieses Argument gut heissen? Ich stimme Nein!
    • Aron  Ottiger 23.11.2016
      Spassvogel Abbas Schuhmacher, Bauern die Tiere Vernachlässigen, ja die Betriebe die man erwischt,denn es gibt Kontrollen, wie ist es denn in Privaten Haushalten. Genau, dort gibt es keine Kontrollen, bin zu 200 Prozent überzeugt das dort mehr Tierquälerei abgeht CH weit. Hauptsache gegen die Landwirtschaft meckern, aber gerne Essen, gell.
    • Abbas  Schumacher aus Basel
      23.11.2016
      Aron Ottiger, Privat wird wohl entern mit Tierliebe übertrieben. Ist auch nicht das Gelbe vom Ei für das Tier. Aber es gab schon einige Tierquälereien bei Bauern, die eben diese anscheint so guten Kontrollen nicht entdeckte! Jetzt der Walliser mit den Schafen, vergessen, oder aus Faulheit in den Alpen im Schnee zurückgelassen?