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André Blattmann versucht verzweifelt, seine Schrottarmee wieder auf Vordermann zu bringen – und läuft damit immer wieder bei Arbeitgebern und Politikern auf. (Keystone)
Armeechef André Blattmann ist verzweifelt: Seine marode Truppe hat zu wenig Geld, um für alle Soldaten genug Material zu kaufen. In vielen WKs bleibt den Aufgebotenen deshalb nichts anderes übrig als die Zeit abzusitzen und Däumchen zu drehen (Blick.ch berichtete).
Diesen Missstand will Blattmann jetzt mit einer neuen Idee beheben: dem WK auf Abruf. «Der Soldat müsste bei seinem Arbeitgeber sicherstellen, dass er während dreier bestimmter Wochen pro Jahr in den Dienst abberufen werden kann – etwa wenn die Sicherheitslage seinen Einsatz nötig macht», erklärt der Armeechef in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger».
Doch mit dem Vorschlag eines Pikett-WKs rennt Blattmann gegen eine Wand. «Das passt uns überhaupt nicht in den Kram», sagt Patrick Lucca vom Schweizerischen Gewerbeverband gegenüber Blick.ch. «Kleine Betriebe sind auf Planungssicherheit angewiesen. Sie können Mitarbeiter nicht einfach kurzfristig für drei Wochen freistellen.»
Und auch aus dem Bundeshaus hagelt es Kritik. SP-Sicherheitspolitikerin Evi Allemann spricht von einem «Flickwerk», einem Kompromiss, der weder Fisch noch Vogel sei. Die Armeespitze sei eben hilfs- und orientierungslos, erklärt die Berner Nationalrätin. «Blattmann sollte besser die Bestände massiv herunterschrauben. Und langfristig müssen wir die allgemeine Wehrpflicht aufheben.»
Auch der Grüne Geri Müller vermisst den grossen Wurf in der Armeepolitik. «Blattmann kleckert überall ein bisschen, anstatt die Grundsatzfrage zu stellen: Was wollen wir mit dem riesigen Verein anstellen?» Müller ist selber Arbeitgeber – und fragt sich: «Wie will Blattmann das mit dem Pikett-WK denn organisatorisch machen? Bis wann verkündet die Armee, ob ein WK stattfindet oder nicht?» Er müsse die Ferien seiner Mitarbeiter im Januar planen können, alles andere sei enorm mühsam, sagt der Armeegegner aus dem Aargau.
SVP-Nationalrat Thomas Hurter spricht von einer «absoluten Katastrophe». Blattmann betreibe die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht. Sein Parteikollege Toni Bortoluzzi kritisiert den «Jammer-Ton» Blattmanns: «Er verbreitet Panik und tut so, als sei die Armee am Abserbeln».
Ein bisschen Verständnis für Blattmanns äussert einzig Jakob Büchler, der Präsident der sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates (SiK). Er sieht dessen Vorschlag als Hilfeschrei, weil die Mittel des VBS nirgends hinreichten. «Es ist ein verheerender Imageverlust für die Armee, wenn die Arbeitgeber ihre Leute in WKs schicken und diese dann dort nur rumsitzen.»
Den WK auf Abruf findet er dennoch keine gute Idee. «Das kanns doch nicht sein! Wir müssen stattdessen aufhören, der Armee immer mehr den Geldhahn zuzudrehen», fordert der St. Galler CVP-Nationalrat. Nur so könnten die WKs sinnvoll gestaltet werden.
Damit wird Büchler aber kaum Gehör finden. Säckelmeister Hans-Rudolf Merz verdonnert derzeit alle Departemente zu einem rigiden Sparkurs. Und selbst Ex-Armeechef Christophe Keckeis erklärte in einem Interview mit «L’hébdo», die WKs gehörten ganz abgeschafft.