Heikle Aktion für faire Spielzeuge Barbie hackt Galaxus-Shop

Sie erfreut Kinderherzen – und zerstöre die Gesundheit von Fabrikarbeitern in China: Jetzt prangert Solidar Suisse die Spielzeughersteller an. Mit einer Attacke auf Schweizer Online-Shops.

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Sie ist auch heute noch der Renner unter dem Christbaum: Die Spielzeugpuppe Barbie verzaubert seit Jahrzehnten kleine Mädchen. Alles andere als zauberhaft jedoch seien die Arbeitsbedingungen, unter denen die kleine Dame in China hergestellt wird. Pünktlich zur Einstimmung der Geschenkzeit prangert die Nonprofit-Organisation Solidar Suisse die Missstände im Reich der Mitte an.

Gesundheitsgefährdende Produktionsbedingungen

«Für die Geschenke schuften chinesische Arbeiterinnen und Arbeiter elf Stunden täglich am Fliessband, und das sieben Tage pro Woche. Trotz Überstunden reicht der Lohn nur knapp zum Überleben», sagt Simone Wasmann, Kampagnen-Verantwortliche bei Solidar Suisse.

Auch die Gesundheit sei gefährdet: «Die Arbeiterinnen und Arbeiter hantieren oft mit dem giftigen, hochgradig krebserregenden Lösungsmittel Benzol, das in Farben, Klebe- und Putzmitteln steckt.»

2 Rappen Lohn für eine Barbie-Puppe

Damit diese Botschaft so viele Käufer der Puppe wie möglich erreicht, greift Solidar Suisse auf ungewöhnliche Mittel zurück. Seit gestern Nacht kursieren in sozialen Medien zwei täuschend echte Links, die dem User vorgeben, auf die Onlineshops von Amazon.de oder Galaxus.ch zu führen.

Täuschend echt: Die Website von Galaxus.ch und die von den Aktivisten im Vergleich. play
Täuschend echt: Die Website von Galaxus.ch und die von den Aktivisten im Vergleich.

Nach wenigen Sekunden aber taucht unter einer rosa Wolke eine Barbie aus Fleisch und Blut auf und fordert dazu auf, die Petition «Fair Toys Now» zu unterschreiben:

«Die jüngsten Untersuchungen von Solidar Suisse zeigen, dass in den Spielzeugfabriken miserable Zustände herrschen. Wir fordern: Schluss mit 80-Stunden-Wochen, einen Lohn, der zum Leben reicht, Sicherheit am Arbeitsplatz und Transparenz für Konsumentinnen und Konsumenten weltweit.» Um die Situation zu verbessern, sei der Kostenaufwand verschwindend klein, ergänzt Simone Wasmann die Forderungen.

«Bereits bei einer minimalen Erhöhung des Preises um 0,05 Prozent könnte beispielsweise der Fabriklohn verdoppelt werden. Bei einer Barbie von 30 Franken wären das weniger als zwei Rappen.»

Bei Galaxus kommt die Aktion gut an: «Wir begrüssen Aktionen, die sich zum Ziel setzen, Konsumentinnen und Konsumenten über allfällige Missstände aufzuklären», sagt Sprecherin Stefanie Hynek. «Die globalisierten Produktions- und Transportbedingungen sind sehr komplex und nicht einfach zu durchschauen.» Sie würden auf mündige Konsumenten setzen, die selber für sich entscheiden können, was sie kaufen oder was nicht. «Und wir sehen keinen Grund, rechtlich gegen eine solche Aktion vorzugehen.» Wer faires Spielzeug suche, fände in ihrem Webshop viele Produkte – wie beispielsweise in der Schweiz hergestellte Kugelbahnen.

Blick.ch hat auch Amazon mit den Vorwürfen konfrontiert, bisher aber keine Antwort erhalten.

SP-Frau als Barbie

Nicht nur online attackiert die Nonprofit-Organisation die Spielzeughändler. Auf der Zürcher Bahnhofstrasse führt sie heute eine Aktion durch. Solidar Suisse haucht den Plastikpuppen Leben ein – und lässt echte Frauen in überdimensionalen Barbie-Verpackungsboxen ihre Botschaft verkünden. Bereits als echte Barbie hat sich Mattea Meyer (29) fotografieren lassen. Die Zürcher SP-Nationalrätin setzt sich für «faire Spielsachen» ein. Diese zu finden, sei jedoch fast unmöglich, wie sie im Interview sagt.

Setzt sich für faires Spielzeug ein: Nationalrätin Mattea Meyer (SP/ZH) in der Barbie-Schachtel. play
Setzt sich für faires Spielzeug ein: Nationalrätin Mattea Meyer (SP/ZH) in der Barbie-Schachtel.

BLICK: Was raten Sie Eltern, Grosseltern und Göttis, die sich bald auf die Suche nach dem geeigneten Weihnachtsgeschenk für die Kinder machen? Worauf beim Kauf achten?
Mattea Meyer:
Es ist eine grosse Herausforderung, das passende Geschenk zu finden und gleichzeitig auch Gutes zu tun. In der Schweiz gibt es leider kein Label für fair produzierte Spielsachen, obwohl viele Konsumentinnen und Konsumenten faire Arbeitsbedingungen wichtig finden und auch bereit wären, für geprüfte Spielwaren mehr zu bezahlen, wie eine repräsentative Umfrage von Solidar Suisse zeigt. Deshalb nimmt die Solidar-Kampagne die Hersteller in die Pflicht und verlangt Transparenz.

Was prangern Sie im Speziellen an?
Für eine Barbie-Puppe von 30 Franken erhält eine chinesische Arbeiterin knapp zwei Rappen, wie der Fair Toys Report 2015 von Solidar festhält. Auch wenn sie elf Stunden täglich am Fliessband steht, reicht der Lohn kaum aus. Spielzeugkonzerne wie Mattel sind auf Profit aus, anstatt sich um anständige und sichere Arbeitsbedingungen zu kümmern. In Spielzeugfabriken in China wird beispielsweise noch immer Benzol eingesetzt. Das hochgiftige Lösungsmittel kann Krebs auslösen.

 

Kann man überhaupt guten Gewissens Spielzeug kaufen?
Wer mit gutem Gewissen schenken möchte, braucht Geld und Zeit, sich das Angebot genauer anzuschauen. Das gelingt nicht immer. Wenn man die Weihnachtskataloge durchblättert, stammt ein grosser Teil der Spielwaren aus chinesischen Fabriken. Darum braucht es mehr öffentlichen Druck auf die Spielwarenkonzerne, die Arbeitsbedingungen in der ganzen Branche zu verbessern.

Publiziert am 15.11.2016 | Aktualisiert am 15.11.2016
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3 Kommentare
  • Adrian  Müller 15.11.2016
    Es ist schon lange bekannt, dass alles was von China kommt, die Arbeiter und Arbeiterinnen unter schlechten Bedingungen schuften. Aber vermutlich haben die Aktivistinnen alle ein IPhone oder anderes Handy und dort denken sie nicht nach, wie hoch dort die Ausnutzung der Menschen ist. Entweder gar nichts aus China oder sonst nicht auf ein "kleineres" Problem losgehen. PS: Entweder das oder die Leute haben gar keinen Job.
    • Karen  Mind 15.11.2016
      Nichts aus China? Habe ich mal probeweise für einen Monat versucht.... aber es kommt mittlerweile fast ALLES aus China. Früher war es der Ostblock. Jetzt sind die Preise dort zu hoch und man geht nach China. Irgendwann sind wir dann die Fabrikarbeiter für die Chinesen.
  • Stefan  Wiesendanger 15.11.2016
    Da wurde gar nichts gehackt. Es ist ja eine andere Webadresse.