Wegen Dividenden-Trick AHV blutet aus

Der AHV drohen millionenschwere Ausfälle, weil sich Gutverdiener aus der Beitragspflicht tricksen. Weitere Schlupflöcher sind schon geplant.

  • Publiziert: 29.10.2012
  • Von Irène Harnischberg
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Wir das Geld im Alter knapp?

(Thinkstock)

Gut zwei Millionen Menschen in der Schweiz beziehen eine AHV-Rente. 2011 wurden 37,1 Milliarden Franken Rentengelder ausbezahlt. Doch jetzt droht der AHV grosses Unheil:

Die Unternehmenssteuerreform II verursacht massive Beitragsverluste. Immer mehr gut verdienende Selbständigerwerbende wie Ärzte, Anwälte oder Architekten gründen eine Aktiengesellschaft oder eine GmbH. Damit schaffen sie es, dank eines tiefen Lohns und hoher Dividenden die AHV-Beiträge zu umgehen.

Beispiel ist der Fall eines Obwaldner Architekten, der sich über mehrere Jahre nur einen Jahreslohn von 44 000 Franken ausbezahlt hatte, gleichzeitig aber eine jährliche Dividende von 160 000 Franken bezog. Das Bundesgericht stellte sich vergangenen Donnerstag hinter dieses Vorgehen. Andreas Dummermuth, Vizepräsident der Konferenz der kantonalen Ausgleichskassen, rechnet damit, dass auf diese Weise der AHV in den nächsten Jahren Hunderte von Millionen Franken entgehen. «Das ist für die Altersvorsorge mit Blick auf die demografische Entwicklung ein gefährlicher Weg», warnt Dummermuth.

Selbständigerwerbende haben die Möglichkeit, Einkäufe in die Pensionskasse von der AHV-Beitragspflicht auszunehmen. Davon wird ebenfalls vermehrt Gebrauch gemacht.

Arbeitgeber, die einen Wohlfahrtsfonds errichtet haben, machen jetzt Druck. Sie wollen das Gesetz so ändern, dass die sogenannten Ermessungsleistungen nicht mehr AHV-pflichtig sind. Fulvio Pelli, Tessiner Na­tionalrat und ehemaliger FDP-Präsident, kämpft an vorderster Front dafür.

Die drohenden Löcher in der AHV rufen nun auch die Par­teien auf den Plan. So hält die CVP in ihrem Positionspapier zur 1. Säule ganz klar fest: «Abzockerei zulasten der AHV darf nicht sein. Am Prinzip «Die Reichen haben die AHV nicht nötig, aber die AHV die Reichen» dürfe nicht gerüttelt werden, so die CVP.

Für SP-Nationalrätin Silvia Schenker (BS) ist klar: «Zuerst müssen die Beitragslöcher gestopft werden, bevor das Rentenalter erhöht oder die Renten gekürzt werden.»

Die FDP dagegen kümmert sich nicht um die Löcher, sondern um das Frauenrentenalter, das auf 65 erhöht werden soll. Die Delegierten verabschiedeten am Samstag in Thun BE eine Resolution dazu.

Beliebteste Kommentare

  • Andreas  Lander , Goldau , via Facebook
    Tja, man sagt nicht umsonst: "Von den Reichen lernt man Sparen", wobei Sparen hier Nahe am Betrug liegt. Es ist doch einfach eine Sauerei wenn ein Gutverdiener angibt er verdiene nicht mal 50000.- im Jahr und kassiert dann 150000.- Dividende, unsereiner bekommt Ende Jahr einen Lohnausweis und WEHE, man gibt auch nur einen Franken falsch oder nicht an....
  •   mike stalder , winterthur
    Vielen Dank lieber Bundesrat, dass Ihr uns so angelogen habt vor der Abstimmung. Das nächste mal glaub ich gar nichts mehr.

Alle Kommentare (87)

  •   Heinz Knauser , z.Zeit in Thailand
    Der gesamte Bundesrat ist unfähig!
    Saniert endlich die AHV und stellt die Spendengelder in alle Herren Länder endlich ein!
    Die Volks Wut wächst immer weiter!
    • 30.10.2012
    • 39
    • 3
  • Sam  Pirelli , via Facebook
    Damits klar gesagt ist: Die linken Parteien haben von Anfang an genau davor gewarnt. Gelogen und nur für ihre reichen Kunden geschaut haben die Bürgerlichen und Rechten. Bitte behaltet das im Kopf, wenn ihr das nächste Mal wieder findet, nur die SVP kümmere sich um das Volk.
  • Dave  Kaufhold , Jona , via Facebook
    Das war doch den entsprechenden Schlaumeiern schon vor dieser Reform klar das Sie Schlupflöcher suchen und finden werden. Das diese jetzt genutzt werden muss doch niemand verwundern. Da hat die Politik mit ihren inkompetenten Bürokraten mal wieder mächtig versagt.....Wer zieht denn diese Leute mal zur Verantwortung??
    • 30.10.2012
    • 62
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  • Meier  Daniel
    könnte man dem Merz nicht wenigstens seine Bundesrats-Rente streichen?
    • 30.10.2012
    • 82
    • 2
  • Domenico  Mariani , Buriram
    Soll das Privatvermoegen des Luegners Merz herhalten, so sieht er wie es sich lebt nur mit der AHV, dieser Verbrecher.
    • 30.10.2012
    • 81
    • 4
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