Agrar-Experte Andreas Bosshard ist sicher «In Krisenzeiten könnten wir uns selber ernähren»

ZÜRICH - BLICK zeigt mit Zahlen des Bundesamtes für Landwirtschaft, dass mehr Direktzahlungen in die Berggebiete fliessen. So wie bei der Agrarreform anvisiert. Experte Andreas Bosshard sagt, warum man nicht zufrieden sein kann.

Bauern in Zwischbergen/ Gondo play
Alp mit umgebauten Häusern oberhalb von Zwischbergen VS: Mit der Umlenkung von mehr Direktzahlungen in die Berggebiete hat man den Kulturlandverlust laut Experte Andreas Bosshard abbremsen können. Thomas Andenmatten

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Heuer fliessen mehr Direktzahlungen in die Berge. «Vision Landwirtschaft», ein Zusammenschluss unabhängiger Landwirtschaftsexperten, ist noch nicht zufrieden.

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«Vision Landwirtschaft»-Geschäftsführer Andreas Bosshard.

BLICK: Yannick Squaratti und Lukas Escher ackern trotz wenig Ertrag. Dank der Direktzahlungen können sie überleben. Herr Bosshard, sind dafür die Bundesgelder da?
Andreas Bosshard:
Ja, zumindest teilweise. Die Agrarreform wollte unter anderem, dass die Direktzahlungen gerechter verteilt werden. Gerade auf Betrieben mit vielen Steillagen ist das Einkommen massiv kleiner als im Flachland. Vor der Reform wurde deshalb jedes Jahr die Nutzung von steilem Land in der Grössenordnung von der Fläche des Bielersees aufgegeben. Diese Entwicklung konnte man jetzt etwas verlang­samen.

Wo versagen die Direktzahlungen?
Vor allem bei der Ökologie haben wir massive Defizite. Zwar weist die Schweiz viele Ökoflächen auf, doch unterscheiden sich viele kaum von intensiv genutzten Flächen. Ein anderes Beispiel sind die Pestizide: Ein grosser Teil unserer Fliessgewässer in Ackerbauregionen ist über die gesetzlichen Grenzwerte mit Dutzenden von Pestiziden belastet.

Also sollten die Ökobeiträge erhöht werden?
Das ist schwierig, diese sind bereits fünf bis zehn Mal höher als im umliegenden Ausland. Man sollte vielmehr die Versorgungssicherheitsbeiträge, welche eine zu intensive, umweltschädliche Produktion anheizen, stark reduzieren.

Das gefährdet doch unsere Versorgungssicherheit!
Diese sehr hohen Zahlungen tragen nachweislich nichts zur Versorgungssicherheit bei. Wir haben keine Produktionslücke und könnten uns in Krisenzeiten noch heute selber ernähren. Entscheidend ist aber, dass nicht noch mehr Kulturland zugebaut wird oder verbuscht.

Trotzdem: Ökologische Landwirtschaft gefährdet unsere Versorgungssicherheit, denn Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit widersprechen sich.
Nein, wir stellen das Gegenteil fest. Bauern, die ökologisch wirtschaften, verdienen oft mehr als Betriebe, die sehr intensiv und daher zu teuer produzieren. Zudem: Alles, was gegen die Natur geht, kostet früher oder später.

Publiziert am 31.10.2016 | Aktualisiert am 05.12.2016
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11 Kommentare
  • Ursula  Reichenbach aus Schwarzenbach
    01.11.2016
    Wenn die Schweiz sich auf das Lebensnotwendigste beschränkt, dann können wir uns selber Ernähren. Was braucht es im Winter Tomaten und noch viel anderes was nicht Wintergemüse ist?? Von Exotischen Früchten sind auch viele unnötig im Angebot.
  • Regula  Hiltebrand aus Au
    01.11.2016
    Es bekämen nämlich nur Menschen in der Schweiz Nahrung, die auch vorher schon beim Bauer oder schweizerische Produkte eingekauft haben und nicht solche, die im billigen Ausland umschau hielten.
    • Fritz  Frigorr 01.11.2016
      Das heisst dann also, dass die Mehrzahl nichts bekäme.
  • Elsbeth  Schmid 01.11.2016
    Ich habe mit einem Landwirt schon vor Jahren über dieses Thema gesprochen, dieser sagt, die Schweizer Landwirtschaft kann 3,5 Millionen Menschen in der Schweiz ernähren. Dies ist für mich eine ehrliche Aussage, alles andere ist Augenwischerei. Weshalb müssen wir dann im 2017 über 30000t mehr Weizen im Ausland einkaufen? Wir sind jetzt bereits 8.5 Millionen Einwohner, Zahl steigend. Wir gehen schlechten Zeiten entgegen, der Klimawandel wird es uns sehr bald aufzeigen. Lasst nur noch mehr rein.
  • Christian  Laveri aus Freiburg
    01.11.2016
    Doch, Herr Bosshard hat recht, das geht problemlos. Nämlich wenn wir, die Landbevölkerung mit Grundbesitz, die roten Städte einfach verhungern lassen. Von mir auf jeden Fall bekämen die keine einzige Kartoffel und wenn ich mein Land von einer Horde bewaffneter Y. bewachen lassen müsste. Den ganzen Aufwand würde ich dann als Nicht-Zentrumslast deklarieren.
  • Regula  Hiltebrand aus Au
    31.10.2016
    Dies glaube ich schlicht und einfach nicht, dass wir in der heutigen Zeit der Ueberbevölkerung noch fähig wären, die Menschen in der Schweiz zu ernähren. Dies war einmal....