SVP-Nationalrätin Yvette Estermann will die 3. Generation erleichtert einbürgern Über Kreuz mit der SVP

Als Frau mit ausländischen Wurzeln könne sie sich besser in die Lage eines Einbürgerungs-Anwärters hinein versetzen, rüffelt Nationalrätin Yvette Estermann ihre SVP-Kollegen.

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«Wir können Menschen der dritten Ausländer-Generation nicht als total Fremde betrachten»: SVP-Nationalrätin Yvette Estermann. Peter Gerber

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Am 12. Februar 2017 stimmt die Schweiz über die erleichterte Einbürgerung von Personen der dritten Ausländergeneration ab. Es geht es um jene Ausländer, von denen zumindest ein Grosselternteil in der Schweiz ein Aufenthaltsrecht besass.

Heute sind für Einbürgerungen die Kantone zuständig. Die Regeln sind deshalb unterschiedlich. Nun soll in der Verfassung verankert werden, dass der Bund für Drittgenerations-Ausländer verantwortlich ist – und deren Einbürgerungsprozedere erleichtert werden.

Im Parlament kämpfte die SVP bei der erleichterten Einbürgerung geschlossen gegen alle anderen Parteien. Mit einer prominenten Ausnahme. SVP-Nationalrätin Yvette Estermann stimmte für die Revision. «Die Schweiz kann doch nicht gewisse Menschen, die erst seit fünf Jahren hier leben, erleichtert einbürgern und Menschen der dritten Generation als total Fremde betrachten», sagte die Luzernerin. «Das passt für mich einfach nicht zusammen.»

Verzicht auf Abstimmungskampf

Die gebürtige Slowakin weiss, wovon sie spricht. 1993 wanderte sie von Bratislava nach Kriens LU aus. Nach fünf Jahren wurde die Ehefrau eines Schweizers erleichtert eingebürgert. «Ich durfte hier leben, arbeiten, und die Menschen haben mich auch als ihre Vertrauensperson und Ärztin akzeptiert.» Sie wollte sich aber auch am politischen Geschehen aktiv beteiligen, und deshalb habe sie den Antrag auf Einbürgerung gestellt. «Als Frau mit ausländischen Wurzeln und meinen gemachten Erfahrungen kann ich mich sehr gut in Lage eines Anwärters auf eine Einbürgerung hineinversetzen», sagt ­Estermann.

Die Befürworter der Revision werden sich über den Support aus der SVP freuen. In die Kampagne einspannen lässt sich ­Estermann aber nicht. Sie werde ihre Meinung klar äussern, aus Rücksicht auf ihre Fraktion aber auf einen aktiven Abstimmungskampf verzichten.

Estermanns Engagement für die erleichterte Einbürgerung ist damit noch lange nicht am Ende: Falls es im Februar ein Ja gebe, werde sie die Folgen mit Spannung abwarten. «Wenn diese positiv sind, kann man auch über die gleiche Regelung für die zweite Generation nachdenken.»

Publiziert am 01.11.2016 | Aktualisiert am 18.01.2017
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28 Kommentare
  • Andreas  Eichenberger 01.11.2016
    Zum ersten Mal dass ich mit der Frau einer Meinung bin. - Es geschehen noch Zeichen und Wunder
  • Fridolin  Glarner-Walker aus Genf
    01.11.2016
    Eine Frau die einen Schweizer heiratet wird nach 5 Jahren erleichtert eingebürgert, auch wenn sie kaum unsere Sprache spricht oder gesellschaftlich integriert ist. Kinder die hier geboren und aufgewachsen sind, jedoch nicht. In Städten ist die Einbürgerung wesentlich einfacher als in kleinen Dörfern wo oft auch Willkür herrscht. Wer hier geboren und aufgewachsen ist und einen einwandfreien Leumund hat, sollte, wenn gewünscht, auch erleichtert eingebürgert werden können.
  • Roman  Bachmair aus Naters
    01.11.2016
    Macht doch gleich eine Verlosung in der Lotterie, wo man Schweizer Pässe gewinnen kann oder Bingo-Anlässe etc., man kann den Pass ja gleich jedem nach werfen.

    Wenn sich da jemand überfordert fühlt, nach den geltenden Bestimmungen die Einbürgerung zu beantragen, ist er oder sie es sowieso nicht wert, eingebürgert zu werden!

    Geht es so weiter, sind wir hier bald das Balkanische Sammelbecken für künftige "Möchtegern-Schweizer".
  • Thomas  Maeder 01.11.2016
    Die ganzen Einbürgerungen sind ohnehin viel zu bürokratisch. Eine Landessprache auf Niveau B2 beherrschen, für sich selbst und sofern vorhanden Angehörige sorgen können, nicht straffällig geworden sein, die hiesige Rechtsordnung respektieren, sowie zehn Jahre Aufenthalt hier, das wären meine Kriterien. Ob einer noch alle Gewässer des Kantons Schwyz aufzählen kann oder alle Furggen Frutigens ist administrativer Leerlauf und abgesehen davon im Alltag völlig irrelevant.
  • jürg  frey aus teufen
    01.11.2016
    Meine Frau ist 2 Generation, kam im 68. Musste sich integrieren, da es keine Satelliten noch Handy gab und der Osten war zu! Jetzt hat sie SAT TV und wir schauen sogar getrennt Fernsehen, hören getrennt Radio, leben tun wir aber noch zusammen seit 31 Jahren. Na ja, die Technik schafft neue Integration soviel zum CH-Feeling. Vielleicht ginge es mir nicht anders, wäre ich in ihrer Heimat zu Hause, aber da sind die Regeln viel strenger für Ausländer!
    • Thomas  Maeder 01.11.2016
      Ob einer Fernsehen aus seiner Heimat schaut oder für die Fussballmannschaft seiner Heimat jubelt, ist mir egal. Er soll für sich selbst sorgen können, unsere Rechtsordnung respektieren und nicht kriminell sein, das ist für mich das Zentrale. Wenn beispielsweise in die USA ausgewanderte Schweizer oder ihre Nachkommen noch Kontakt zu ihrer Heimat halten, finden wir das ja auch alle begrüssenswert. Wir zahlen ja sogar Gebührengelder dafür, dass Schweizer im Ausland unser Fernsehen sehen können.