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Hamed Abdel-Samad ist ein zurückhaltender Mensch. Das äussert sich vor allem in seiner Stimme. Er spricht behutsam und leise. Man muss genau hinhören. Und man merkt, dass es sich lohnt. Denn seine Botschaft ist wie sein Blick: gerade und offen.
«Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland», lautet der Untertitel seiner Biografie. Der Haupttitel ist sein Lebensprogramm: «Mein Abschied vom Himmel». Hamed Abdel-Samad hat sich als wacher und kritischer Geist von vielem getrennt, was anderen Muslimen noch heute heilig ist.
Sein Vater war Imam, Prediger in einem Dorf unweit der Pyramiden von Giseh. Hamed setzte sich nach Kairo ab, wurde Marxist, dann Mitglied der fundamentalistischen Muslimbruderschaft. Bevor er schliesslich, die Freiheit suchend, in Europa landete.
Er ist Historiker und Politikwissenschaftler geworden, vor allem aber eine wichtige Stimme in der Islamdebatte.
Seine Kritik am Islam ist scharf in der Sache, aber verbindlich im Ton. Behauptet noch jemand, es gebe keine kritischen, aufgeklärten Muslime? Hier ist einer – und was für einer! Abdel-Samad hält seinen Leuten den Spiegel vor. Er kritisiert das «chronische Beleidigtsein» der Muslime, ihre ewige Suche nach Sündenböcken, die Fixierung auf den Koran.
Integration definiert Abdel-Samad als Teilhabe an Bildung, Teilhabe an Wohlstand und Teilhabe an den Werten einer Gesellschaft.
Das Schweizer Ja zum Minarettverbot begrüsst er als Anstoss zu einer überfälligen Diskussion. Er mokiert sich über die muslimischen Länder, die jetzt die Schwächen der helvetischen Demokratie betonen, während sie doch selbst Diktaturen sind, wo die Menschenrechte jeden Tag mit Füssen getreten werden.
HamEd Abdel-Samad hat sich nicht vom Islam losgesagt. Doch er verlangt tief greifende Reformen. Und er findet Druck von aussen nützlich für den innerislamischen Streit. Fundamentalisten haben ihn bereits mit einer Fatwa, einem Bannfluch, belegt. Von Angst will er sich nicht lähmen lassen. Er will sie nutzen – als Antrieb für Veränderungen.
EIN MUTIGER DENKER!
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Ringier-Publizist Hannes Britschgi interviewt für Blick.ch Spitzenpolitiker. (Geri Born)