Wird jetzt die Mehrwertsteuer erhöht? Abschaffung der «Heiratsstrafe» kostet eine Milliarde!

  • Publiziert: 29.08.2012
play Die Hochzeit soll nicht mehr zu höherer Steuerbelastung führen. (Keystone)

Verheiratete Paare sollen steuerlich nicht mehr für ihre Eheschliessung büssen müssen. Das zumindest wünscht sich der Bundesrat.

Der Bundesrat möchte erreichen, dass das Steuerrecht die Wahl von Lebens- und Familienmodellen nicht beeinflusst, sondern dass es sich gegenüber verschiedenen Modellen des Zusammenlebens möglichst neutral verhält.

Die steuerliche Benachteiligung von Zweiverdiener- und Rentnerehepaaren gegenüber Konkubinatspaaren in gleichen wirtschaftlichen Verhältnissen soll abgeschafft werden.

Denn wenn Ehepaare gegenüber Konkubinatspaaren steuerlich über 10 Prozent stärker belastet werden, so ist dies laut einem Bundesgerichtsurteil verfassungswidrig.

«Alternative Steuerabrechnung» soll kommen

Um wieder verfassungskonform zu werden, möchte die Landesregierung auf eine «alternative Steuerabrechnung» zurückgreifen. Was heisst das?

Die Steuerbehörde nimmt einen Vergleich vor zwischen dem Steuerbetrag eines Paares nach dem Verheiratetentarif sowie dem Betrag, den die Eheleute nach individuellem Tarif bezahlen müssten. Bezahlen würden die Paare den niedrigeren Betrag.

Der Bundesrat schlägt weiter vor, Unverheiratete mit Kindern künftig stets zum Grundtarif anstatt zum günstigeren Verheiratetentarif zu besteuern. Damit Alleinerziehende mit tieferen und mittleren Einkommen aber nicht stärker belastet werden, soll ihnen neu ein Abzug in der Höhe von 11‘000 Franken gewährt werden.

Erhöhung der Mehrwertsteuer?

Die vorgeschlagenen Massnahmen der Landesregierung führen nach Schätzungen zu einem jährlichen Minderertrag der direkten Bundessteuer von rund 1 Milliarde Franken. Zur Kompensation sollen einerseits die Ausgaben gekürzt und andererseits die Einnahmen erhöht werden.

Namentlich komme eine Erhöhung der Mehrwertsteuer oder der vorübergehende Verzicht auf den Ausgleich der Folgen der kalten Progression in Frage.

CVP noch nicht zufrieden

Ähnliche Forderungen wie nun der Bundesrat stellt die CVP mit ihrer Volksinitiative «Heiratsstrafe abschaffen». Die Partei begrüsse zwar die Einsicht des Bundesrats, dass gehandelt werden müsse, zufrieden ist sie aber noch nicht.

«Mit dem Beschluss des Bundesrats wird nur ein Teil der CVP-Initiative erfüllt: Zusätzlich zur steuerlichen Benachteiligung muss auch die Benachteiligung von Ehepaaren bei der AHV abgeschafft werden», wird Ständerat und CVP-Fraktionspräsident Urs Schwaller in einem Communiqué zitiert. (vuc/pd)

Beliebteste Kommentare

  • Jean-Piere  Neidhart , Sattahip/Chonburi
    Heiratsstrafe ist verfassungswidrig. Dann schuldet der Staat mir und meiner Frau wohl einige Zehntausend Franken;-
  • gabor  balazs , Bolligen
    Ja klar liebe Politiker. Nehmt uns doch noch mehr aus. Etwas anderes, wenn Ihr etwas bieten würdet.

Alle Kommentare (21)

  • Juan  Garcia
    Ist ja unfassbar. Nach einem jahrzehnte dauernden Verfassungsbruch kommt der Bundesrat endlich dahinter, dass Ehepaare gegenüber Konkubinatspartner erheblich benachteiligt werden. Wäre es darum gegangen, dass Moslems mehr Steuern zahlen müssen als Christen wären die linken schon lange auf die Barrikaden gegangen. Schafft diesen Mist endlich ab und führt die separate Veranlagung ein! Jeder soll sein Salär separat versteuern müssen, Abzüge kanns dann für Partner mit Kindern im eigenen Haushalt geben. Ach ja: Der Staat schuldet mir soweiso noch etliche zehntausend Franken für 20 Jahre Diskriminierung in Steuersachen....
    • 30.08.2012
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  • Rolf  Hess , Münchenbuchsee
    Dies beweist also, dass unsere Wegelagerer gegen die Verfassung verstossen haben und Verheirateten Jahrzehnte lang zu viel Steuern aus der Haushaltskasse gezogen haben. In der gleichen Zeit gab es für Wohlhabende eine Steuererleichterung um die Andere. Die Schweizerische Verfassung gilt also nur für diejenigen an der Macht, die sie nach ihrem Gutdünken darlegen können. Wegen einer Milliarde Steuerausfall so ein Theater, wenn die Nationalbank hunderte von Milliarden EURO bunkert. Nehmt dort jedes Jahr Eine weg, dann ist die Sache ohne Aufwand gelaufen.
    • 30.08.2012
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  • Bruno  Werren , via Facebook
    Wie wärs mit einer kostenneutralen Lösung?
    Konkubinatspaare versteuern 500 Mio mehr was sie bis jetzt gespart haben. Benachteiligte Ehepaare erhalten Steuererleichterungen im Betrag von Fr. 500 Mio und weg ist die absurde Idee mit der MWST-Erhöhung lasse sich jedes Problem lösen!!
    • 29.08.2012
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  • Fred  Bartlome
    Wenn es ums Geldverteilen ans Ausland geht, nehmen es unsere Politiker immer recht locker, wenn es aber darum geht, den Einwohnern zu geben, was Ihnen gemaess Verfassung zusteht, haben sie taube Ohren und fehlgeleitete Hirnstroeme.
    • 29.08.2012
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  • Peter  Martaler , Chur
    Es darf nicht zu einer Verschiebung von Einkommenststeur zu MwSt kommen., also bleibt für den Ausgleich nur eine Erhöhung der Einkommenssteuer!
    • 29.08.2012
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