Abgangsentschädigung heisst jetzt einfach Konkurrenzverbot So tricksen Manager die Abzocker-Initiative aus

Sie kassieren Millionengehälter. Manager wie der Nestlé-Chef Paul Bulcke oder die Banken-Chefs Sergio Ermotti und Brady Dougan. Doch offenbar ist das vielen nicht genug.

Nestlé-Chef Paul Bulcke könnte sich Millionen sichern. play

Nestlé-Chef Paul Bulcke könnte sich Millionen sichern.

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Sind Konkurrenzverbote für Manager sinnvoll?

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Mit der Annahme der Minder-Initiative wollten die Stimmbürger, dass mit der Abzockerei Schluss ist. Topmanager sollten unter anderem im Fall einer möglichen Kündigung keine Abgangsentschädigung mehr erhalten.

Doch eine Untersuchung von  Z Rating, die der Aktionärsvertreter gestern vorstellte, zeigt nun, dass sich viele Grosskonzerne ein Hintertürchen offen halten. Denn Konkurrenzverbote sind weiterhin erlaubt. So können Topmanager darauf verzichten, bei der Konkurrenz anzuheuern – und sich dies üppig entschädigen lassen.

Von den 150 grössten an der Schweizer Börse gehandelten Firmen haben 31 die Möglichkeit von Konkurrenzverboten in ihren Statuten verankert.

«In 26 Fällen taxieren wir die Konkurrenzverbote als eine versteckte Abgangsentschädigung», sagt Z Rating-Verwaltungsratspräsident Gregor Greber. Der Grund: Die Entschädigungen sind unverhältnismässig. Im Extremfall können vom Zeitpunkt der Kündigung bis zur letzten Lohnzahlung 48 Monate vergehen. Das heisst, Manager, die bereits Millionen verdient haben, können vier weitere Jahre abkassieren.

Das weckt böse Erinnerungen. Kurz vor der Abstimmung über die Abzocker-Initiative sicherte sich der damalige Novartis-Präsident Daniel Vasella einen goldenen Fallschirm: 72 Millionen für ein sechsjähriges Konkurrenzverbot. Nach einem Aufschrei in der Öffentlichkeit verzichtete Vasella auf den Geldsegen.

Heute könnte Nestlé-Chef Paul Bulcke am meisten raus­holen. Z Rating schätzt die maximal mögliche Entschädigung in seinem Fall auf 11,9 Millionen Franken! Diese gilt für ein zweijähriges Konkurrenzverbot. Auf Platz zwei liegt UBS-Chef Sergio Ermotti. Seine geschätzte Entschädigung beträgt 10,7 Millionen Franken. An dritter Stelle folgt mit 9,7 Millionen Franken CS-Chef Brady Dougan. Beide Grossbanken können ihre Manager für maximal ein Jahr mit einem Konkurrenzverbot belegen.

Greber spricht sich aber nicht gegen sämtliche Konkurrenzverbote aus: «Schliesslich wird eine Leistung erbracht, nämlich der Verzicht auf eine konkurrierende Tätigkeit.» Er lehnt aber Konkurrenzverbote ab, die länger als zwölf Monate dauern und eine Entschädigung von mehr als einem Jahresgehalt (Fixlohn ohne Bonus) beinhalten.

«Das ist ein Skandal und verfassungswidrig», sagt Minder-Mitinitiant Claudio Kuster zu diesen Tricks. Er habe kein Problem, wenn ein Chemiker für ein Konkurrenzverbot entschädigt werde: «Aber bei einem Chef mit einem Millionensalär sollte eine Nichtschädigung der Firma bereits durch den Lohn abgegolten sein.»

Die Betroffenen machen geltend, dass Konkurrenzverbote branchenüblich seien. Der Grossteil wollte aber keinen Kommentar abgeben.

Publiziert am 23.05.2014 | Aktualisiert am 23.05.2014

«Zeichen für einen Neuanfang»

Die Grossbank Credit Suisse (CS) erkaufte sich die Einigung im US-Steuerstreit mit einer 2,5-Milliarden-Franken-Busse. «Das ist sehr hoch und wirft Fragen auf», sagt Aktionärsverteter Gregor Greber. Den Forderungen nach einem Rücktritt von CS-Chef Brady Dougan und CS-Präsident Urs Rohner schliesst er sich nicht an, lässt aber durchblicken, dass er nichts dagegen hätte: «Wenn Köpfe wechseln, ist das gegen aussen immer ein Zeichen für ­einen Neuanfang.» Das hat Gewicht: Greber ist Mitgründer der Zuger Finanzgesellschaft Z Capital, die Schweizer Aktienanlagen von über 600 Mil­lionen Franken verwaltet.

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15 Kommentare
  • Rolf  Glanzmann , via Facebook 23.05.2014
    was zu erwarten war, die Abzockerinitiative war für die "Katz". Weiterhin kassieren, aber keine Verantwortung übernehmen. So einfach ist das.
  • Daniel  Hofmann aus Privat
    23.05.2014
    Mitbewerberverbot könnte bei Zahlung eines Geldbetrages auch als " Erpressung " gesehen werden. Ein Ex-Arbeitgeber ZAHLT eine Summe X, damit der Ex-Mitarbeiter nicht zu einem Mitbewerber geht.
    Eine Kündigung entbindet sicher nicht von der Geheimhaltungspflicht der Geschäftlichen tätigkeiten bei der Ex-Firma. Kein Normaler Arbeiter bekommt eine Entschädigung, damit er nicht zu einem Mitbewerber, nach seiner Kündigung wechselt.
  • AG  Pinchi , via Facebook 23.05.2014
    Stimmt konkurenzverbot ist ueblich
    Trifft das aber auch auf die millionen zahlungen?
  • Wahr  Urs aus Zürich
    23.05.2014
    Wir hätten uns die Minder Abstimmung und noch viele Abstimmungen Sparen können und hätten viel Geld gespart, wenn wir einmal Einsehen würden dass solche Abstimmungen nichts bringen den Sie werden doch in Irgend einer Form Umgangen oder auf Eis gelegt bis niemand mehr daran Denkt.
    Und dan läuft alles wie Vorher..
  • Dominik  Müller 23.05.2014
    Mir tun die Leute leid.... Sie haben mehr als genug Geld und müssen immer noch arbeiten!!! Das Schlimme ist ja, Sie veräppeln die "Normalverdiener", ziehen sie über den Tisch und sind noch Stolz was sie erreicht haben!! Für mich fehlt da das Verständnis... Etwas mehr Fairness gegenüber den Mitmenschen wäre angebracht!! Ich persönlich würde mich, mit so viel Geld, zurückziehen und einer gemütlicheren Sache nachgehen! Ich muss ja nicht wie ein König leben ;-