5729 Pauschalbesteuerte in der Schweiz: Die reichste Minderheit wird immer grösser

Die Schweiz hat 2013 ein Rekordhoch an Pauschabesteuerten erreicht. Darf so weiter gemacht werden?

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Die Pauschalbesteuerung ist unter Beschuss: Fünf Kantone haben das Sonderregime für reiche Ausländer bereits beerdigt. In mehreren Kantonen wurden die Hürden erhöht.

Doch trotz der Verschärfung bleibt die Schweiz ein Pauschalsteuerparadies: Die Zahl der Pauschalbesteuerten steigt und steigt – und hat 2013 ein neues Rekordhoch erreicht! Dies belegt eine BLICK-Erhebung in allen Kantonen.

Das Ergebnis: 5729 Pauschalbesteuerte zählt die Schweiz – eine Steigerung um rund 100 Personen innert Jahresfrist. Die Finanzdirektorenkonferenz (FDK) wies in ihrer Erhebung per 2012 erst 5634 Pauschalbesteuerte aus. Auch der Gesamtsteuerertrag ist deutlich gestiegen. Von rund 695 Millionen Franken für Bund, Kantone und Gemeinden  auf neu rund 740 Millionen.

Die Zahlen sind Zunder im Abstimmungskampf um die landesweite Abschaffung der Pauschalbesteuerung!

«Der erneute Anstieg beweist, dass die Millionärsschlepper in gewissen Kantonen noch aktiver geworden sind und eine aggressive Steuerdumping-Strategie fahren», sagt Niklaus Scherr von der Alternativen Linken. «Unsere Initiative ist umso notwendiger, um schweizweit für mehr Steuergerechtigkeit zu sorgen.»

Was auffällt: In verschiedenen Deutschschweizer Kantonen ist die Zahl der Pauschalbesteuerten gesunken. In Bern  von 211 auf 205, in Luzern von 130 auf 117 oder in Nidwalden von 84 auf 69. Gestiegen sind die Zahlen hingegen in der lateinischen Schweiz. Im Tessin und im Wallis beträgt der Zuwachs im Vergleich zu den FDK-Zahlen je rund 80 Personen. Leicht zugelegt haben Freiburg und Jura. Spitzenreiterin bleibt Waadt mit 1396 Pauschalbesteuerten.

«In der Deutschschweiz hat in den letzten Jahren ein Bewusstseinswandel stattgefunden», meint Scherr. Dass gerade im Wallis und Tessin die Zahlen markant steigen, überrascht ihn nicht: «In diesen Kantonen gibt es auf Pauschalbesteuerung spezialisierte Treuhänder, die dieses Steuerhinterziehungsmodell extrem aggressiv bewirtschaften.»

Ganz anders reagiert CVP-Chef Christophe Darbellay: «Es ist eine bescheidene Steigerung um weniger als zwei Prozent – in früheren Jahren war diese Zahl viermal höher. Die Attraktivität der Schweiz im internationalen Vergleich ist gesunken.» Ab 2016 trete auf Bundesebene eine Pauschalsteuer­erhöhung um 40 Prozent in Kraft, dann werde sich der Anstieg noch weiter verflachen.

Der Walliser Nationalrat ist um jeden Pauschalbesteuerten in der Schweiz froh: «Im Ausland bieten viele Länder solche Lösungen an. Es ist mir lieber, wenn sich reiche Ausländer hier niederlassen, hier investieren, hier gemeinnützige Spenden leisten und hier Arbeitsplätze schaffen, als dass sie hier ein leeres Haus hinterlassen und nichts mehr bezahlen. Gerade für den gesamten Alpenraum ist die Pauschalbesteuerung von Vorteil.»

Für Darbellay ist klar: «Mit einem Ja zur linken Initiative wird das Erfolgsmodell Schweiz weiter destabilisiert.»

Publiziert am 07.11.2014 | Aktualisiert am 07.11.2014
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26 Kommentare
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    08.11.2014
    ...wieviele Pauschalbesteuerte braucht es eigentlich noch, bis der Durchschnittsschweizer keine Steuern mehr bezahlen muss ? Dann könnte man nochmals darüber reden...!
  • Ueli  Baltensperger aus Muhen
    07.11.2014
    Irgendwie kommt mir die ganze Sache komisch vor, der Kanton Wallis hat fast am meisten Pauschalbesteuerte und kassiert am meisten vom Steuerausgleich. Frage sind die Pauschalsteuern zu klein?
  • Arthur  Zwahlen aus Graubünden
    07.11.2014
    Ich verstehe die viele Neider der Pauschalbesteuerte nicht. Die wären bereit, dass alle Normalbürger mehr Steuern zahlen weil so wird es ausgehen bei Annahme der Initiative, nur im Namen einer für sie gerechtere Steuerverteilung. Für mich sind noch mehr Pauschalbesteuerte höchst willkommen.
  • Cris  Hart aus Reinach
    07.11.2014
    Lieber Christophe Darbellay, die CVP profitiert ja von diesen Pauschalbesteuerten. Von mir kommt ein ganz klares JA weg mit der Pauschalsteuer in die Urne, -sollen die Herrschaften doch nach Monaco ziehen oder dahin wo der Pfeffer wächst. Jeder Bürger sollte prozentual dieselben Steuern zahlen müssen.
    • Tobias  Notter 07.11.2014
      Also sollte man Ihrer Meinung nach die Steuerprogression abschaffen? Können Sie sich vorstellen, welche Konsequenzen das für Sie hat? Haben Sie sich über unser Steuersytem überhaupt jemals informiert?
    • Christian  Krieg aus Regensdorf
      07.11.2014
      Wie man an der Goldküste gesehen hat, Herr Notter, muss die Abschaffung der Pauschalbesteuerung nicht unbedingt zu insgesamt geringeren Steuereinnahmen führen. Die wenigen zahlen etwas mahr, es gleicht sich aus. Im VD evtl. nicht, aber man kann es nicht allen recht machen.
  • Stefan  Häberli aus Giebenach
    07.11.2014
    Kann mr einer mal sagen, was ich als Normalo-Bürger als Pauschalsteuer entrichten müsste? Wäre sehr, sehr interessant ...