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Tausende Gewerkschafter gingen heute gegen den Sozialabbau auf die Strasse. (Keystone)
Für den Erhalt von Arbeitsplätzen, faire Löhne und sichere Renten auch in der Krise haben heute auf dem Berner Bundesplatz gegen 30000 Menschen demonstriert. Sie zeigten sich erzürnt darüber, dass einfache Arbeitnehmende nun die Krise ausbaden müssen.
«Wir wollen nicht für eure Krise zahlen», war auf Transparenten und Fahnen auf dem überfüllten Bundesplatz etwa zu lesen. Die Gewerkschafter, die zur Kundgebung aufgerufen hatten, schlugen in ihren Reden kämpferische Töne an und betonten durchwegs, dass Finanzmanager für die Wirtschaftskrise verantwortlich seien.
Während der Bund die UBS mit Milliarden unterstützt habe, seien die Arbeitnehmenden nahezu leer ausgegangen. So habe das Parlament vergangene Woche das dritte Konjunkturpaket erheblich gestutzt, sagte der St. Galler SP-Nationalrat Paul Rechsteiner, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB).
Gegen Lohnexzesse und Sozialabbau
Besonders verwerflich sei, dass Manager sich selber die Taschen füllten, den anderen aber die Löhne drückten. «Wir haben genug von den Boni-Rittern und von den Managern mit ihren Lohnexzessen», sagte Rechsteiner.
Die aktuelle Politik des Parlaments zeuge von Respektlosigkeit vor der soliden Arbeit, kritisierte Travail.Suisse-Präsident Martin Flügel. Statt ein wirksames Konjunkturpaket mit Investitionen in Infrastruktur, Soziales und Ökologie zu schnüren, sei die Mehrheit dafür, die Arbeitslosenversicherung, die AHV, die Renten der beruflichen Vorsorge und die IV abzubauen.
Tatenlos zusehen bei dem allfälligen Abbau bei der AHV wollen die Gewerkschaften aber nicht, wie vpod-Präsidentin Christine Goll beteuerte. Die Zürcher SP-Nationalrätin kündigte an, dass die Gewerkschaften dies mit einem Referendum bekämpfen würden. «Wir werden keinen Rentenklau zulassen», so Goll.
Eisenbahner kämpfen für ihre Rente
Die Menge, die aus der ganzen Schweiz angereist war, belohnte die Redner mit Applaus und dem Einsatz von Trillerpfeifen. Besonders lautstark waren die Eisenbahner, die auf der Schützenmatte unweit des Hauptbahnhofs eine Vorkundgebung abgehalten hatten.
SP-Präsident Christian Levrat forderte dabei die Anhänger der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) auf, die Sanierung ihrer Pensionskassen auf der Strasse einzufordern. Geschenke werde es keine geben.
Auch hier waren Schuldige schnell gefunden: Der Bund habe die Pensionskasse der SBB 1999 nicht korrekt ausfinanziert und ohne Reserven verselbständigt, sagte SEV-Präsident Giorgio Tuti. Es gehe nicht an, dass die Arbeitnehmenden die Sanierungslast nun einseitig zu tragen hätten.
Ruhiger Marsch
Zahlreiche Lokführer, die über den Eisenbahnviadukt bei der Schützenmatte fuhren, bekundeten ihre Solidarität mit einem Hupen. Die Menge bedankte sich ihrerseits mit Applaus und Fahnenschwenken.
Die Kundgebungsteilnehmer hatten sich an drei Treffpunkten in Bern versammelt und waren anschliessend durch die Innenstadt zum Bundesplatz defiliert, wo sie sich trafen. Die Kundgebung verlief ruhig, wie die Kantonspolizei Bern mitteilte. Es kam allerdings zu kleineren Verkehrsbehinderungen. (SDA/hhs)