225'000 Franken für Erich Zoller aus Rapperswil Der erste Stapi mit Abwahlversicherung

Am 6. November entscheiden die Stimmberechtigten in Rapperswil-Jona SG, wer ihr neuer Stadtpräsident wird. Viel spricht dafür, dass der bisherige Erich Zoller (CVP) die Wahl nicht schafft. Doch die Stadt hat für Zoller vorgesorgt: Es kommt eine sehr aussergewöhnliche Versicherung zum Tragen.

Stadtpräsident mit Abwahlversicherung: Erich Zoller in Rapperswil-Jona play
Erich Zoller, der Stadtpräsident von Rapperswil-Jona wird am 6. November wohl kaum wiedergewählt. Er hat aber eine Abwahlversicherung. zvg

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Eine Abwahl aus einem Exekutivamt ist in der Schweiz die politische Höchststrafe. Nicht nur weil man vom Volk eine Negativ-Quittung für die Amtsführung erhält. Vielmehr stehen Exekutivpolitiker meist innerhalb kurzer Zeit richtiggehend auf der Strasse und müssen sich schnellstmöglich einen neuen Job suchen.

Diese Szenario droht Erich Zoller (CVP), dem Stadtpräsidenten von Rapperswil-Jona SG. Denn dass er am 6. November im zweiten Wahlgang doch noch bestätigt werden könnte, damit rechnet in der St. Galler Stadt am Zürichsee niemand mehr.

Zur Erinnerung: Der einflussreiche Verleger Bruno Hug hatte Zoller und vor allem die Kesb in seiner «Obersee Nachrichten» massiv angegriffen, mit dem Resultat, dass Zoller im ersten Wahlgang so schlecht abschnitt, dass ihn danach seine eigenen Partei fallen liess und einen neuen Kandidaten ins Rennen schickt.

Doch ganz vor dem Nichts wird Zoller auch bei einer Abwahl nicht stehen. Denn die Stadt Rapperswil-Jona hat vorgesorgt: Wird Zoller nicht mehr Stadtpräsident, haftet nämlich eine Abwahlversicherung. Was völlig überraschend tönt, ist bei der Thurgauer Bürgschaftsgenossenschaft eine ganz normale Dienstleistung. Bei der Stadtverwaltung gab man sich zur Versicherungslösung wortkarg und verwies auf das Reglement der Genossenschaft.

Zoller verdiente bisher eine Viertelmillion pro Jahr

Ist eine Gemeinde bei dieser Genossenschaft Mitglied, kann sie Amtsträger gegen die Abwahl versichern lassen. Im Reglement heisst es dazu: «Die Nichtwiederwahl-Absicherung steht nur den Körperschaften des öffentlichen Rechts offen (Politische-, Schul-, Kirch- und Bürgergemeinden). Absicherbar sind nur Amtsträger mit einem Beschäftigungsgrad von mindestens 50 Prozent.»

Die Prämien für die Versicherung trägt dann auch die Gemeinde als Arbeitgeberin. Die Leistungen sind abgestuft und sinken mit den Jahren. In den ersten 12 Monaten nach der Nichtwiederwahl beträgt die Leistung der Versicherung 90 Prozent des versicherten Einkommens.

Stadtpräsident mit Abwahlversicherung: Erich Zoller in Rapperswil-Jona play
 

 

Zoller verdiente als Rapperswiler Stapi 250'000 Franken im Jahr, wie die «Zürichsee-Zeitung» recherchierte. Im Falle einer Abwahl erhält er also ein Jahr lang immer noch 225'000 Franken.

Im zweiten Jahr nach der Abwahl sinken die Leistungen auf 80, im dritten Jahr auf 50 Prozent. In den Jahren 4 bis 6 nach der Abfuhr an der Urne bezahlt die Versicherung dann noch jeweils 30 Prozent des versicherten Einkommens. Die Leistungen enden aber auch mit der Vollendung des 63. Lebensjahres.

Zoller, der im März 58 Jahre alt geworden ist, könnte darum von der maximal möglichen Versicherungsdeckung profitieren. Doch dass sich der bei der ehemaligen SKA – heute CS – ausgebildete Programmierer-Analytiker, der auch als Finanzjournalist gearbeitet hatte und in Weesen SG und Sargans SG Gemeindepräsident war innerhalb von vier Jahren keinen Job mehr findet, scheint wenig wahrscheinlich. Immerhin konnte er ja als Mitglied des St. Galler Kantonsrat wohl ein breites Beziehungsnetz knüpfen.

Publiziert am 26.10.2016 | Aktualisiert am 28.11.2016
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  • Hubi  Müller aus Höchstetten
    27.10.2016
    Zoller hat als zuständiger Verantwortlicher der KESB Linth versagt. Mehrere fragwürdige Fälle wurden aufgedeckt. Statt Verantwortung zu übernehmen und eine Überprüfung "seiner" Behörde an zu ordnen, stellte sich der Stapi einseitig und ohne jede Einsicht und Verständnis für offensichtliche Fehler vor die Behörde. Oder einfach gegen den offensichtlich ungeliebten Bruno Hug und alle die sich kritisch äussern. Eine begründete Abwahl. Mit sehr schöner Entschädigung dazu.
  • peter  schneiter 26.10.2016
    Wenn ein Politiker abgewählt wird, hat das ja einen plausiblen Grund. Der soll sich gefälligst auch um einen anderen Job bemühen, aber das Fussvolk in der Schweiz wird immer mehr diskriminiert. Wer solche Gagen abzockt, kann sich, wenn er sie überhaupt selber bezahlt, locker bezahlen. Eine politische Willkür.
  • Pierre  Nussbaumer aus Grolley
    26.10.2016
    Ach so typisch Christlich, das Volk entscheidet ungenügend, diese Fakten akzeptieren wäre politisch korrekt, doch Christlich nicht, die Schäfchen sollen zahlen.
  • Sabi  Limmar 26.10.2016
    Stapi ist ein Job wie jeder andere. Man muss sich vor der anstehenden Abwahl einen neuen Job suchen gehen!
  • Chris  C 26.10.2016
    Wieso versichert der Arbeitgeber (Stadt) den Arbeitnehmer (Zoller) für eine Art "Kündigung"!
    Wäre zwar schon schön wenn ich von der Versicherung des Arbeitnehmers 90 Prozent vom Lohn erhalte nachdem er die Kündigung ausgesprochen hat.
    Was hat die Stadt davon, dass man einen Amtsträger versichert? Das wurde von den Politikern eingefädelt, welche dann ev. den Hut nehmen müssen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das ist Politfilz wie in einer Bananenrepublik.
    • Philipp  Rittermann 26.10.2016
      nur eine winzige korrektur zu ihrer absolut zutreffenden aussage. die politik vertritt nicht mehr das volk sondern nur noch die eigenen (monetären) interessen. daher. wir SIND bereits seit geraumer zeit eine bananen-republik. leute wie zoller haben in unserer schönen neuen welt der verantwortungslosigkeit halt einfach hoch-konjunktur. es zählt das netzwerk und schon lange nicht mehr irgendwelche fähigkeiten. finden wir uns damit ab (oder nicht....).
    • Ruedi  Frauchiger aus Egg
      26.10.2016
      Zum Politfilz gehört vor allem der Verleger Hug. Der lässt sich natürlich von seinen Lesern und allenfalls anderen Sponsoren bezahlen. So braucht er auch keine Versicherung. Damit die Geldhälse nicht völlig die Schweiz regieren brauchen anständige Leute halt eine Versicherung und einen vorsorglichen Arbeitgeber.