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Herr Lebrument, die SRG will auch im Internet Werbegelder kassieren.
Hanspeter Lebrument: Bis jetzt gibt es ein Verbot. Sie dürfen das nicht!
Sie wollen, dass das so bleibt. Warum eigentlich?
Eine Aufhebung des Online-Verbotes würde eine ganze Branche in existenzielle Schwierigkeiten bringen. Von den traditionellen Medien – Print, Radio und TV – sind zwei vorwiegend von der öffentlichen Hand dominiert und werden mit 1,2 Milliarden Franken Gebühren gefüttert. Deshalb glauben wir Verleger, dass das neue Medium Internet dem freien Markt überlassen werden sollte.
Der Bundesrat will der SRG Internetwerbung erlauben.
Ja, er hat angekündigt, die entsprechende Verordnung zu ändern. Aber nur, wenn die SRG sich mit den Verlegern findet. Das ist bis jetzt nicht der Fall.
Das ist ehrenhaft, aber die werden das dürfen. Ex-Medienminister Leuenberger hat es schon vor einem Jahr so angekündigt.
Leuenberger ist nicht mehr im Amt. Ich fühlte mich hintergangen, wenn man Werbegelder von mehreren Hundert Millionen einfach in die Verordnung schreiben würde.
Im Moment sind die Umsätze noch bescheiden.
Nein, wir sprechen von sehr viel Geld.
Konkret: Wie viel ist es pro Jahr?
Ich schätze, dass Ihr Haus Ringier, Tamedia und NZZ – die grossen drei also – rund 100 Millionen Franken eingenommen haben.
Die Hälfte dürfte richtig sein. Aber die Zukunftsaussichten sind besser.
Bis 2020, denke ich, ist das Online-Geschäft rund eine halbe Milliarde Franken wert.
Eine halbe Milliarde Umsatz! Wie viel davon ginge an die SRG?
Ich schätze, die Hälfte ginge an den Staatssender.
Das wären 250 Millionen für die SRG. Und was wäre die Folge?
Die SRG kann mit den Gebühren und diesen zusätzlichen Werbemillionen einen wesentlich besseren Internetauftritt als die privaten Medien anbieten. Letztlich würden die Privaten aus dem Markt gedrängt.
Auch die SRG kämpft. Ihre Quoten brechen ein, weil auch immer mehr Leute die Sendungen im Netz schauen. Sie wollen dort werben, wo die Zuschauer sind.
Das behauptet die SRG-Führung. Die Einschaltquoten haben nichts mit Online zu tun.
Mit was denn?
Das Fernsehen leidet nicht unter Online, sondern darunter, dass Schellenberg, Deltenre und so weiter fehlen. Die haben die ganze Führung ausgewechselt. Es tut mir leid, aber das Schweizer Fernsehen ist eine lahme Sache geworden. Die SRG hat inhaltliche Probleme!
Der Bundesrat will Werbung zulassen. Aber er will auch, dass sich SRG und Verleger darüber austauschen. Ist das höherer Smalltalk?
Es gibt Überlegungen, dass wir etwas Gemeinsames machen würden, um höhere Umsätze zu erzielen. Bis jetzt erscheint uns die Bereitschaft dafür aber nicht gross.
Aber warum soll die SRG Bereitschaft zeigen? Selbst der liberale Bundesrat Schneider-Ammann hat sich kürzlich für SRG-Online-Werbung ausgesprochen.
Schneider-Ammann hat es damit begründet, dass das Ausland die Online-Werbung für die öffentlich-rechtlichen Sender ebenfalls freigegeben hat. Das ist falsch. Deutschland hat ein Verbot. Die EU sieht ein, dass die Privaten geschwächt werden, wenn es nicht Einschränkungen im Bereich Online gibt.
Haben Sie Schneider-Ammann widersprochen?
Wir haben ihm einen Brief geschrieben. Und der Tamedia-Verwaltungsratspräsident und Vizepräsident von Schweizer Medien, Pietro Supino, hat einen Termin bei ihm. Er wird ihm erklären, wie die Verhältnisse in Tat und Wahrheit sind.
Die SRG soll den Verlegern etwas entgegenkommen. Was ist das Zückerchen?
Die SRG hat es sehr raffiniert gemacht. Während Jahren wurde behauptet, es ginge dem Unternehmen schlecht, man habe schlechte Karten gegen die ausländischen Sender. Jetzt geht es plötzlich wieder gut. Denn jeder Zuwanderer ist ein neuer Kunde. Eine Zeitung abonnieren die meisten nicht, aber Billag-Gebühren zahlt jeder, auch wenn er dann türkisches TV schaut. Das alleine brachte der SRG im letzten Jahr 15 Millionen zusätzliche Einnahmen. Die SRG ist die eigentliche Einwanderungsgewinnlerin.
SRG-Generaldirektor Roger de Weck hat Ihnen einen Deal vorgeschlagen. Die Verleger erhalten vom Fernsehen die Bewegtbilder. Allerdings ist jeweils ein Werbespot vorgeschaltet. Die Werbegelder würde die SRG kassieren.
Das ist richtig. Diesen Vorschlag lehnen wir ab. Das wäre eine Einführung der Online-Werbung voll zugunsten der SRG. Dann wären wir noch der Gratis-Verbreitungskanal der SRG. Solche Ideen kann man nicht ernst nehmen. Das zeigt den Realitätsverlust einer Organisation, die sich sagt, wir stehen über allem. Diese Arroganz ist nicht mehr zu toppen!
Wie meinen Sie das?
Für Roger de Weck gibt es zwei Institutionen im Land, die unantastbar sind: SRG und Nationalbank. Beide stehen über allem. Und sie sagen sich: Die Politiker im Parlament und in der Regierung sind auf uns angewiesen.
Weil die Politiker in Radio und Fernsehen auftreten wollen.
Genau.
Ihre Strategie ist offenbar, auf Zeit zu spielen.
Es steht eine Teilrevision des Radio- und Fernsehgesetzes vor der Tür. Hier bestünde die Möglichkeit, das Online-Werbeverbot ins Gesetz zu schreiben.
Wie wollen Sie das erreichen?
Vorerst mit einem parlamentarischen Vorstoss von SVP-Ständerat Maximilian Reimann. Er hat ihn letzte Woche eingereicht.
Aber wie wollen Sie eine Mehrheit erreichen? Die SRG hat kürzlich eine Lobbying-Agentur angestellt, die in der Wandelhalle für die Monopolistin weibelt.
Die SRG hat allein zwei Millionen Franken für Mittagessen im Lobbybereich zur Verfügung. Natürlich haben wir hier einen Nachteil. Die SRG startet Anfang Jahr mit 1,2 Milliarden Gebührengeld – dann kann man alles etwas üppiger machen, als wenn wie bei uns Anfang des Jahres die Erträge bei null sind.