Polarisierend: Hitler-Satire mit Helge Schneider

  • Publiziert: 09.01.2007, Aktualisiert: 11.02.2012

BERLIN. Der Schauspieler und Komiker Helge Schneider spielt in der Hitler-Satire «Mein Führer» die Hauptrolle.

Am Tag der Uraufführung der Hitler-Satire «Mein Führer» in Essen hat sich die Kritik an Dani Levys Filmkomödie mit Helge Schneider in der Hauptrolle zugespitzt.

In dem Streifen werde verharmlost und verniedlicht, sagte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, dem Stadtmagazin «Journal Frankfurt». «Ich komme selbst aus einer Holocaust-Familie. Daher habe ich schlimme Bauchschmerzen, wenn man das Thema Hitler und Holocaust zur Komödie macht», sagte Graumann. «Hier kann ich einfach nicht mitlachen».

Hochhuth: Komik ja, Verklärung nein

Der Dramatiker Rolf Hochhuth (»Der Stellvertreter») kritisierte den Film, der am Donnerstag in Deutschland mit 250 Kopien in die Kinos kommt, als «Verklärung» Hitlers und seiner Zeit. Es sei «unerklärlich, wie ein Mann, der selbst Jude ist, so eine Geschichtsfälschung ins Kino bringen kann», sagte Hochhuth.

Hochhuth selbst hat eine Tragikomödie über Hitler geschrieben, die am Samstag unter dem Titel «Heil Hitler» in der Akademie der Künste in Berlin uraufgeführt wird. «Wenn zu einem Ereignis alles gesagt ist, muss man die komische Seite beleuchten», meinte Hochhuth zu seinem Theaterstück, das er als «groteske, ironische und humoristische Aufarbeitung von Geschichte» beschrieb.

Das arme geschlagene Kind?

Zahlreiche Kulturvertreter hatten im Vorfeld das Konzept von Regisseur Levy kritisiert, über Hitler eine Filmkomödie zu drehen. Damit würden die Verbrechen der Nationalsozialisten womöglich verharmlost, hiess es vielfach. So sagte die Initiatorin des Berliner Holocaust Mahnmals, Lea Rosh, Levys Film verniedliche das Grauen. Der Basler Levy stammt selber aus einer jüdischen Familie.

Ulrich Mühe spielt in der Komödie den jüdischen Schauspieler Adolf Grünbaum, der Hitler auf eine Neujahrsrede zum Jahreswechsel 1944/45 vorbereiten soll. In zahlreichen Unterrichtsstunden enttarnt der Schauspieler den Diktator als einen vom Vater geschlagenen und zurückgewiesenen Schwächling, der beim deutschen Volk nach Anerkennung sucht.

Staraufmarsch

Zur Uraufführung im Essener Traditionskino «Lichtburg» am Dienstagabend hatten zahlreiche deutsche Filmstars ihre Teilnahme angekündigt.

Auf dem roten Teppich wurden neben Levy und Helge Schneider auch der Schauspieler und Regisseur Klaus Maria Brandauer sowie die Schauspieler Jan Josef Liefers, Ulrike Folkerts, Christiane Paul und Katja Riemann erwartet. Riemann spielt im Film die Rolle der Eva Braun.

TV-Entertainer Stefan Raab wird am Donnerstag (11.1.) in seiner bei ProSieben ausgestrahlten Comedy-Show «TV total» mit Helge Schneider und Regisseur Levy über die Film-Satire sprechen. SDA

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