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Die Pflegenden sollten bei den Ersten sein, die sich stechen lassen. Das Bundesamt für Gesundheit BAG erwähnt es in fast jedem Communiqué und die Spitalleitungen sprechen «dringende Empfehlungen» aus.
Denn Krankenschwestern und -pfleger arbeiten oft in medizinisch heiklen Bereichen. Es besteht die Gefahr, dass sie das Schweinegrippe-Virus auf chronisch kranke Patienten oder Neugeborene übertragen könnten. Schwere Komplikationen drohen in einem solchen Fall.
Doch einen Impf-Befehl aussprechen kann hierzulande niemand: Es bleibt jedem Einzelnen überlassen, ob er sich der Nadel aussetzen will. Und ausgerechnet Pflege-Fachpersonen sind äusserst skeptisch. Weniger als ein Viertel aller Pflegenden lässt sich normalerweise gegen Grippe impfen.
Krankenschwester: «Die meisten werden sich nicht impfen lassen»
Für Lisa N*., in einem Basler Operationssaal arbeitende Pflegefachfrau, ist klar: «Ich werde mich sicher nicht impfen lassen. Ich bin gesund, habe schon jahrelang keine Grippe mehr gehabt und arbeite nicht an vorderster Front mit Patienten.» Die Impfung sei zwar ein grosses Thema bei ihren Kollegen, «die meisten werden aber auf den Impfschutz verzichten».
Je nach Arbeitsbereich gebe es zwar Kollegen, die aus Verantwortungsgefühl ihren Patienten gegenüber an der Impfaktion teilnehmen würden. Doch die meisten würden die Angst vor der Schweinegrippe eher als eine durch die Medien geschürte Massenhysterie betrachten, sagt Lisa.
Stadtarzt Wettstein: Versetzung von Ungeimpften wäre vertretbar
Aber die Spitäler überwachen die Situation genau: In diesen Tagen wird vielerorts mit der Impfaktion für das Personal begonnen. Was tun sie, falls sich Pflegefachpersonen aus heiklen Bereichen nicht impfen lassen wollen? «Wir haben noch keine Massnahmen besprochen», sagt Marco Bellafiore, Sprecher des Kantonsspitals Baden. «Auch nicht, ob wir allenfalls ungeimpfte Pflegende in anderen Bereichen einsetzen.»
Andernorts hat man eine Lösung schon vorgespurt: Im Kantonsspital St. Gallen befürworte die Ethikkommission eine zumindest temporäre Versetzung von ungeimpften Angestellten in Spitalbereiche mit weniger Patientenkontakt, sagt der Stadtarzt von Zürich Dr. Albert Wettstein. Doch: «Ein Impf-Zwang jedoch wäre in einer freiheitlichen Gesellschaft nicht vertretbar», sagt Wettstein.
Man darf die Pflegenden nicht kriminalisieren
Mit der Zunahme der Grippewelle wird wohl auch der öffentliche Druck auf die Pflegenden steigen. Roswitha Koch, Sprecherin des Fachverbands der Pflegenden SBK, bittet die Öffentlichkeit schon heute um besondere Gnade: «Man darf die Pflegefachpersonen nicht kriminalisieren. Das würde sich eher kontraproduktiv auswirken.»
* Name von der Redaktion geändert
Sie gehören zu den Ersten: im Kantonsspital Luzern wird eine Ärztin geimpft.- Keystone