Peitschen-Peer jammert über Protest-Briefe

  • Publiziert: 19.03.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Henry Habegger
play So kennt man ihn, den deutschen Finanzminister Peer Steinbrück: mit grosser Klappe. (Reuters)

Peer Steinbrück. Erst spielt er den harten Kerl und droht uns mit Peitsche und Kavallerie. Und jetzt jammert er über ein paar böse Briefe, die er aus der Schweiz erhält. Mit der Mitleidstour gerät das deutsche Weichei aber hierzulande an die Falschen.

Jetzt drückt er auch noch auf die Tränendrüse. «Ich bekomme Drohbriefe aus der Schweiz und werde als Nazi-Scherge beschimpft», sagte der deutsche Finanzminister Steinbrück der «Süddeutschen Zeitung». «Das ist absolut unverhältnismässig und inakzeptabel.»

Zur Erinnerung. Erst drohte Steinbrück der Schweiz mit der Peitsche. Dann verglich er die Schweiz im Streit ums Bankgeheimnis spöttisch mit Indianern, denen man nur mit der Kavallerie drohen müsse, um sie zum Nachgeben zu bringen.

Wer Wind sät, erntet Sturm

Erst den harten Kerl raushängen und dann wehleidig tun. Das kommt gar nicht gut an. Im Bundeshaus hat keiner Verständnis für den Jammeri aus dem Norden. Weder Linke noch Rechte, auch die in der Mitte nicht.
«Wir kriegen auch Drohbriefe, die darf man nicht ernst nehmen», sagt SP-Präsident Christian Levrat. «Wer Wind sät, erntet Sturm», meint CVP-Chef Christophe Darbellay. «Die Drohbriefe muss er auf seine Kappe nehmen», so BDP-Nationalrat Hansjörg Hassler. «Wie man in den Wald ruft, so tönt es zurück», weiss CVP-Ständerat Hansruedi Stadler. FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger: «Drohbriefe? Wenn er weiter so ausruft, kriegt er noch mehr davon.»

Mitleid kriegt der Peitschen-Peer keines. Dafür Spott für seine Wehleidigkeit. Nationalrat Daniel Vischer (Grüne): «Das ist lächerlich, dass er das hervorstreichen muss, es kriegt doch jeder irgendwelche Drohbriefe. Aber Steinbrück ist halt ein mittelmässiger deutscher Minister.» Ständerat Hannes Germann sagt: «Eigentlich müsste er Drohbriefe von seinen eigenen Steuerpflichtigen bekommen. Die rupft er wie Hühner.»

Der deutsch-schweizerische Knatsch spitzt sich weiter zu. Steinbrück jammerte in der «Süddeutschen» nicht nur. Er bekräftigte seine Kritik. «Die Schweiz lädt Ausländer dazu ein, gegen Gesetze in ihren Heimatländern zu verstossen.»

Deutscher Liberaler unterstützt die Schweizer

Das ist Öl ins Feuer. SVP-Nationalrat Christian Miesch sagt: «Wenn der schon mit Kavallerie kommt …Ich bin ja eigentlich gegen Auslandeinsätze der Armee. Aber bei Deutschland wäre ich für eine Ausnahme!» Hoppla, da gehen auch den «Indianern» wohl die Pferde durch.
Einzelne deutsche Politiker fordern deshalb eine Entschuldigung der Schweiz. CVP-Chef Darbellay kontert: «Steinbrück ist es, der sich entschuldigen muss.»

Immerhin erhält die Schweiz sogar aus Deutschland Schützenhilfe. Guido Westerwelle, Chef der FDP, rügte gestern im Deutschen Bundestag Peer Steinbrück: «Diese Art und Weise des Umgangs mit unseren Nachbarländern ist schlicht eine undiplomatische Unverschämtheit.»

FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger gibt den Diplomaten. Er bot Steinbrück «im Sinn eines Vermittlungsangebots» an, in der Schweiz eine öffentliche Debatte mit hiesigen Spitzenpolitikern zu organisieren. Doch Finanzminister Steinbrück kneift.

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