Paolo Bassetti beklagt seine mickrige Ernte Marroni-Notstand im Tessin

CADENAZZO - Fast zehn Jahre lang ­dezimierte die chinesische Gallwespe den Bestand der Esskastanien im Tessin. Jetzt erholen sich die Bäume langsam wieder. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, doch das Ergebnis ist enttäuschend. Kastanien müssen auch weiterhin aus Neapel und dem Piemont importieren werden.

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«Wir hofften auf eine gute Ernte», sagt Marroni-Produzent Paolo Bassetti (55). Doch das Ergebnis enttäuscht. In gut drei Wochen ­kamen aus dem ganzen Kanton nur etwas mehr als zwei Tonnen zusammen. Die Früchte sind klein und mickrig, das schlägt negativ auf das Gewicht. «Man sieht, die Bäume sind noch schwach», sagt Paolo Bassetti.

Die kleinen Kastanien genügen nur ­gerade, um als Mehl, Konfitüren und Püree verarbeitet zu werden. «Die Marroni-Brater», sagt Bassetti, «müssen ihre Ware nun leider wieder aus Neapel und dem Piemont importieren.»

So ganz geben die einheimischen Kastanienfreunde aber nicht auf, sie verlängern die Sammelzeit um eine Woche bis zum 31. Oktober. «Vielleicht lassen die Bäume ja noch einige Marroni fallen», hofft Bassetti und erinnert sich wehmütig an die Glanzzeiten. «Vor zehn Jahren ­kamen 60 Tonnen zusammen. Wenn wir dieses Jahr fünf Tonnen schaffen, ist es schon viel.»

Immerhin ist das Ergebnis schon etwas besser als im Vorjahr. Da waren es am Ende magere zwei Tonnen. Schuld war besagte chinesische Gallwespe, die wenige Jahre zuvor von Italien ins Tessin eingewandert war. Sie legt ihre Eier in die Knospen der Kastanien und zerstört so die Bäume. Als Gegenmassnahme griff man im Piemont auf ­einen Parasiten zurück: die Schlupfwespe. Sie ernährt sich von der chinesische Gallwespe. Auch das Tessin wollte 2012 diese Geheimwaffe importieren, scheiterte aber am Widerstand des Bundesamts für Umwelt.

Den umging die Natur elegant: Die Schlupfwespe wanderte von sich aus in die Schweizer Sonnenstube ein und verspeist seither garstige Gallwespen. «Jetzt haben wir ein Gleichgewicht», sagt Paolo Bassetti. Bis alles wieder im Lot ist, müssen sich die Freunde der Tessiner Marroni aber noch gedulden.

Publiziert am 22.10.2016 | Aktualisiert am 04.11.2016
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2 Kommentare
  • Ruedi  Voser 23.10.2016
    Gute Nachricht, dass sich die Marroniscene im Ticino langsam erholt. Schlechte Nachricht für uns Konsumenten ist, dass wegen der Tessiner Knappheit die günstig importierten Marronis am Verkaufsstand preislich fast vergolden lassen.
  • Jürg  Brechbühl aus Eggiwil
    23.10.2016
    Zitat: "Tessin wollte 2012 diese importieren, scheiterte aber am Widerstand des Bundesamts für Umwelt. Den umging die Natur elegant: Schlupfwespe wanderte von sich aus ein " Ideologisch motivierte Betonköpfe im BAFU murksen sinnvolle Ideen ab. Dort schaffen wissenschaftliche Mitarbeiter, die in den 80er Jahren studierten und die ihre Kenntnisse dank Greenpeace Broschüren und WWF Heftli aktualisieren. Wäre ich Tessiner Bauer, so täte ich auch ein bisschen "Natur" spielen.