Nils (10) wird seit Monaten gemobbt. Jetzt rät ihm die Schule bloss: Zieh dich doch im Putzraum um!

GRENCHEN SO - Edith Mettler (47) aus Grenchen dachte schon an eine Wende, als sie das Mail vom Gesamtschulleiter bekam. Doch falsch gedacht: Nicht der Schüler, der ihren Sohn geplagt hat, kriegt jetzt Auflagen. Es ist ihr Nils (10), der nach 15 Wochen Schulabwesenheit unten durch muss - und jetzt noch mehr Angst hat.

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Das Leiden von Edith Mettler (47) und ihrem Sohn geht weiter. «Ich habe zwar endlich eine Reak­tion der Schule erhalten», sagt die Mutter aus Grenchen SO, deren Sohn Nils (10) von einem Mitschüler geplagt wird. Aber: «Der Täter bleibt in der Klasse. Es ist Nils, der jetzt Auflagen ­erhält, und dem man sogar sagt: Zieh dich doch im Putzraum um. Unglaublich!»

Rückblick: Laut Edith Mettler wird ihr Sohn seit längerer Zeit von einem Klassen­kameraden geplagt. Sie hat sich darüber bei den zwei Klassenlehrerinnen, bei der Schul­leiterin und beim Gesamtschulleiter sowie der Stadt beschwert. Doch ihre Hilferufe blieben ohne Folgen. Darum gelangte die an Brustkrebs erkrankte Mutter am 9. September an die Öffentlichkeit. Im BLICK zeigte sie, wie ernst ihr die Sache ist. Denn Nils traut sich nicht mehr zur Schule.

Nun hat die Schule endlich reagiert. Am 19. September erhielt Edith Mettler ein E-Mail des Gesamtschulleiters. «Die Klassenlehrpersonen geben ihr Bestes, um eine gute Rückkehr von Nils zu gewährleisten», heisst es darin.

Ein wichtiger Punkt ist dabei die Pausenaufsicht, die dafür sorgen soll, dass Nils nicht wieder leiden muss. Der jeweilige Lehrer und eine offizielle Aufsicht seien in den Pausen anwesend. Aber: Die Pausenaufsicht müsse mehrere Stockwerke gleichzeitig beaufsichtigen. Für Edith Mettler ist klar: «Die suchen bereits wieder nach Ausreden.»

Die Schule sieht Nils in der Pflicht

Offenbar sieht die Schule laut der Mutter vor allem Nils in der Pflicht, dass er nicht mehr vom Klassenkameraden geplagt wird. «Er soll dem Buben aus dem Weg gehen», sagt sie. Die Schule empfiehlt etwa, dass Nils vor dem Unterricht vor den anderen Schülern ins Klassenzimmer kommt und nach dem Unterricht das Zimmer erst später verlässt.

Zudem habe man ihrem Sohn Schnupperstunden in ­einem anderen Schulhaus vorgeschlagen. «Dabei will er doch bei seinen Gschpändli bleiben!»

Eher fragwürdig sind die Vorschläge der Schule, die verhindern sollen, dass Nils vor und nach dem Turnen in der Garderobe geplagt wird. «Nils soll sich im Klassenzimmer, im Putzraum oder in einer Toilette umziehen», empört sich seine Mutter und fragt: «Wo sind die Konsequenzen für den Täter?»

Nils hat Angst

Diesen Montag will Nils nach 15 Wochen ohne Unterricht wieder zur Schule, um ­einen länger geplanten Vortrag zu halten. Seine Mutter wird ihn begleiten. «Damit man uns keinen Vorwurf machen kann», so die Mutter. «Ob ich Nils in der Schule lasse, weiss ich noch nicht. Seine Angst, erneut geplagt zu werden, ist nach diesen Auflagen grösser denn je.»

Schule und Stadt wollen gegenüber BLICK nach wie vor nichts zum Fall sagen. Für Mettlers Anwalt Boris Banga (66) steht fest: «Das ist für mich eine Kuschelschule, die bei Mobbing wegschaut und mit ihren Auf­lagen das Opfer zum Täter macht.»

Publiziert am 24.09.2016 | Aktualisiert am 24.09.2016
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123 Kommentare
  • Manuela  Truniger 25.09.2016
    Leider ist es wirklich so, dass schwierige Schüler fast immer durch kommen. Dabei gäbe es genug Möglichkeiten Diese nach zu erziehen. Doch das kosten. Deshalb kommt immer zu erst die Frage: wer zahlt. Einem Opfer dann so etwas anzubieten ist eben am günstigsten und die Schule hat damit ihren Auftrag erfüllt. Könnte man meinen.
    Doch die Schule ist verpflichtet zum Wohle des Kindes zu handeln. Dies tut sie in keinem Fall, weder beim Opfer noch beim Täter. Dies zu ändern bräuchte sehr viel Mut.
  • Meine  Meinung aus Luzern
    24.09.2016
    Viele Leute, die sich eigentlich als sehr klug und vernünftig einstufen, leiden leider sehr oft an, sagen wir mal "Schwachsinn". Die Mutter will dem Kind ein Problem entfernen. Die Schule und viele andere sollen dazu beitragen. Wieso denn, nur das Kind und vor allem die Mutter hat ein Problem. Zwischenmenschliche Streitereien unter Kindern hat es immer schon gegeben. Glücklicherweise, nur so lernt man ohne Anwalt (etc.) fürs Leben
    • Thomi  Sennhauser , via Facebook 25.09.2016
      Zwischen Mobbing und Streitereien besteht nach wie vor ein kleiner Unterschied. Streitereien sind schnell mal vergessen, immer wieder aufflackernde, die immer den gleichen Verlierer kennen, sind für mich schon Mobbing.
  • Fabian  Kuster , via Facebook 24.09.2016
    So geschehen: Ein Junge, der bereits bei seiner Geburt Herzprobleme hatte, + deswegen zigfach operiert wurde, war deshalb eher klein für sein Alter. Ein anderer Knabe hat ihn deswegen ständig gemobbt + andere Klassenkameraden dazu gebracht ihn zu meiden. Die alleinerziehende Mutter intervenierte bei der Schule. Deren "Fachkräfte" schlugen ihr vor, den Sohn ein Schuljahr wiederholen zu lassen, damit der Täter nicht mehr in derselben Klasse ist!! Statt umgekehrt! Das ist typische CH-Pädagogik.
  • Mike  Rich 24.09.2016
    Die Schule empfiehlt einem Kind, sich im Klo oder Putzkammer umzuziehen, während alle anderen die Garderobe benützen. Das hat es vermutlich weltweit noch nicht gegeben - nicht mal in Nordkorea.
  • Mike  Müller aus Grenchen
    24.09.2016
    Hoert doch endlich auf mit diesen Kommentaren und Affentheater.Ich kenne diese Familie,die wollen immer im Mittelpunkt stehen.Nun ist es Ihr wieder eimal gelungen und alle (fast)bedauern Sie. Meine Nichte geht mit dem Nils in die gleiche Klasse und sagt:ALLES HALB SO SCHLIMM !!!! Das Thema wird nur von seiner Mutter so dargestellt.
    Liebe Gruesse aus Grenchen
    • Morgan  Schwab aus Bülach
      24.09.2016
      Aha. Ich kenne diese Sorte Antworten.. es ist charakteristisch für die, die Mobbing tolerieren.. und es auch noch verharmlosen. Ihre Nichte findet das halb so schlimm ? Dann wird Ihre Nichte also zu einem Menschen erzogen, der schulterzuckend zuschaut und nicht eingreift weil.."ist ja halb so schlimm". Aber wie es Nils sieht, das interessiert ihre Nichte offenbar nicht. Sorry, aber für diese Art Erziehung, wo den Kindern beigebracht wird, dass Täter noch geschützt werden, - kein Verständnis.
    • Martina  Amrhein , via Facebook 24.09.2016
      Es würde mich mal intressieren wie sie sich verhalten würden wen es um Ihr Kind gehen würden.Sie können gross reden aber sonst keine ahnung.Eine Mutter beschützt immer Ihr Kind.Wen niemand der Mutter und am Sohn hilft,verstehe ich das sehr gut das Sie diesen weg geht.Würde ich auch machen.Wen man es nie selbst erlebt hat kann man auch nicht urteilen.Es gibt sehr viele Mobbing opfer wo nicht geholfen wird.Das Kind kann ein lebenlang darunter leiden.Ich rede aus erfahrung.
    • Stefan  Müller aus Bern
      24.09.2016
      Ja klar, Mike Müller, mobbende bezeichnen das immer als halb so schlimm, sie leiden ja nicht darunter. Sorry, aber die Nichte ist kein verlässlicher Auskunftgeber. Aber das zu schnallen ist wohl schwer.