Zwei Zürcher Gymnasiasten sammelten Unterschriften für Fair-Trade-Produkte Nestlé: Fair-Trade, nein danke!

  • Publiziert: 15.05.2007, Aktualisiert: 11.02.2012
  • von silvia tschui

VEVEY. Nestlé bietet in der Schweiz keine Fair-Trade-Produkte an. Warum eigentlich nicht? Zwei Gymnasiasten wolltens wissen – und fielen auf die Nase.

Nestlé ist der weltweit grösste Nahrungsmittelkonzern. Mineralwasser, Babynahrung, Kaffee, Schokolade, Fertignahrung, Milchprodukte und Tiernahrung vertreibt der riesige, global aktive Konzern. Jeder kennt die Marken: Thomy-Senf und -Mayo, Leisi-Backwaren, Frigor und Cailler-Schoggi, Perrier- und San-Pellegrino-Blöterliwasser, Smarties – die Liste ist endlos. Was wir hierzulande oft bedenkenlos verzehren, wird meist in Ländern mit billigeren Produktionskosten hergestellt.

Immer wieder Kritik an Nestlé

Nestlé steht immer wieder in der Kritik, Rohstoffe aus unethischen Quellen zu beziehen oder generell unethisch zu handeln. Die Menschenrechtsorganisation International Labor Rights Fund (ILRF) klagt 2005 in den USA gegen Nestlé wegen Kinderarbeit auf Kaffeeplantagen in Mali. Die überregionale Gruppe «Multiwatch» prangert sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse für Kaffee- und Kakao-Kleinbauern an. Die brasilianische Regierung prozessiert seit 2001 gegen das rücksichtslose Abpumpen von Grundwasser zur Mineralwasserherstellung.

Nestlé-Sprecher François Perroud hält diesen Vorwürfen Zahlen entgegen: «Nestlé bezieht insgesamt 0,004 Prozent des global verfügbaren Frischwassers von 4 250 Kubikkilometern (ein Würfel von gut 16 Kilometern Kantenlänge).» Auch die anderen Vorwürfe lässt Nestlé nicht auf sich sitzen: «Nestlé handelt ökologisch verantwortungsbewusst, setzt sich gegen Kinder-und Lohnsklavenarbeit ein und deklariert seine Produkte sogar ausführlicher als vom Gesetz vorgegeben», sagt Perroud.
Tatsache bleibt aber, dass Organisationen wie die Unicef, der WWF, Terre des Hommes und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie diverse Hilfsorganisationen Nestlés Geschäftspraktiken seit den 1960er-Jahren regelmässig kritisieren.

Gymnasiasten gegen Nestlé

Die zwei Zürcher Gymnasiasten Severin Meier und Sandra Ujpétery fragten bei Nestlé nach, warum sie in der Schweiz keine Fair-Trade-Produkte anbiete. Sie erhielten folgende Antwort von François Perroud: «Bei den Nahrungsmitteln, die Nestlé in der Schweiz auf den Markt bringt, scheint uns der Fair-Trade-Bereich weitgehend ausgereizt.» Damit gaben sich die umweltbewussten Schüler nicht zufrieden und machten sich daran, zu beweisen, dass Schweizer sehr wohl Nestlé-Fair-Trade-Produkte kaufen würden.
Die 4000 Unterschriften, die sie daraufhin sammelten, sind aber offensichtlich zu wenig. Nestlé empfing die Schüler nicht zur Übergabe der Unterschriften. «Eine Gesellschaft, die sich an Milliarden von Konsumenten wendet, kann sich ihre Politik nicht von 4000 Personen diktieren lassen, die aus durchaus achtbaren Gründen gewisse Überzeugungen vertreten», sagt Perroud.

Der Frage von «heute», wie viele Unterschriften denn für Nestlé von Gewicht wären, weicht Perroud aus: «Wir wissen, dass sich zwischen Umfrageergebnissen und tatsächlichem Konsumverhalten oft ein gewisser Widerspruch ergibt.»

Konkret bedeutet dies, dass Nestlé, wenn überhaupt, erst nach massivem Druck von Konsumenten bereit wäre, sein Produktangebot zu ändern. In England führte erst jahrelanges Insistieren von Konsumentenorganisationen dazu, dass Nestlé dort mittlerweile Fair-Trade-Kaffee anbietet.

play Fordern den Nahrungsmittelmulti Nestlé heraus: Sandra Ujpétery und Severin Meier. (Julia Brütsch)

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