Iran: Mussawi bereit für Märtyrertum

TEHERAN - Der iranische Oppositionsführer Mir-Hossein Mussavi sagte am Samstag zeigt sich kämpferisch. Die Polizei geht unterdessen in aller Härte gegen Demonstranten vor - 60 Verletzte.

  • Publiziert: 20.06.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

Die iranische Regierung hatte am Freitagabend alle Demonstrationen untersagt. Dem unterlegenen Gegenkandidaten von Ahmadinedschad, Mir-Hossein Mussavi, und weiteren Oppositionsführern wurden Haftstrafen angedroht.

Trotzdem setzten sich am Samstag gegen 3000 Regime-Gegner gegen das Demonstrationsverbot hinweg – und protestierten gegen das Ergebnis der Präsidentenwahlen.

Der iranische Oppositionsführer Mir-Hossein Mussawi zeigte sich am Samstag kämpferisch. Er forderte die an den einflussreichen Wächterrat schriftlich auf, die Präsidentschaftswahl für ungültig zu erklären und die Abstimmung zu wiederholen.

Bereit für Märtyrertum

Die Verfälschung des Wahlergebnisses sei Monate im Voraus geplant gewesen, erklärte Mussawi in seinem Brief. Vor allem kritisierte er die Unterbrechung von Kommunikationsnetzen wie Internet und SMS am Wahltag und nannte dies einen «empörenden Schritt.»

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters versicherte ein Augenzeuge, dass Mussawi vor Anhängern öffentlich beteuerte, er sei bereit zum Märtyrer zu werden und werde den Weg weitergehen.

50 bis 60 Verletzte

Bei der Kraftprobe zwischen der Polizei und den Protestierenden kam es zu schweren Zusammenstössen. Die Sicherheitskräfte setzten Schlagstöcke, Tränengas und Wasserwerfer ein.

Besonders heftig fielen die Auseinandersetzungen in der Nähe des Revolutionsplatzes aus. Polizei und regierungstreue Bassidsch-Milizen hätten 50 bis 60 Demonstranten so schwer verletzt, dass sie in das Imam-Chomeini-Spital eingeliefert werden mussten, berichtet der Nachrichtensender CNN. Aus der Universität von Teheran, die von Bereitschaftspolizisten abgeriegelt wurde, waren laut Augenzeugen die Rufe «Tod dem Diktator!» zu hören.

Zwei Tote bei Anschlag

Für eine weitere Zuspitzung sorgten Berichte staatlicher Medien, wonach sich ein Selbstmordattentäter vor dem Mausoleum von Ajatollah Khomeini im Süden Teherans in die Luft gesprengt hat. (lec)

Auch Exil-Iraner protestieren

Tausende Anhänger der iranischen Opposition haben am Samstag in Europa und den USA gegen das offizielle Wahlergebnis im Iran protestiert. Die grösste Demo fand in Villepinte bei Paris statt, wo sich Exil-Iraner aus mehreren europäischen Ländern versammelten.

Laut den Organisatoren nahmen 90000 Menschen an der Kundgebung teil. Maryam Radjavi vom Nationalen Iranischen Widerstandsrat forderte einen demokratischen Wandel im Iran und «freie Wahlen unter der Aufsicht der UNO».

In der belgischen Hauptstadt Brüssel kamen rund 800 Menschen vor der iranischen Botschaft zusammen, um gegen das Demonstrationsverbot im Iran zu protestieren. Wie die Nachrichtenagentur Belga meldete, riefen die Demonstranten unter anderem «Ahmadi Bye Bye».

Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, hatte die Wiederwahl von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad vom 12. Juni am Freitag für rechtens erklärt und die Opposition in scharfer Form vor weiteren Protesten gewarnt.

In der US-Hauptstadt Washington zogen mehrere hundert Menschen aus «Solidarität mit dem iranischen Volk» vor das Weisse Haus. Zahlreiche Demonstranten trugen grüne Kleidung, die Farbe des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mir Hussein Mussawi. (sda)
play Mir Hossein Mussawi wird von Polizisten von Nedas Grab vertrieben. (Keystone)

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