Kandidatin flog raus, weil sie zu wenig gut Deutsch kann MusikStern statt MusicStar?

  • Publiziert: 13.12.2008, Aktualisiert: 08.02.2012
  • Von Gabriel Brönnimann

Die Schweizerin Meredine Roth (18) ist gar nicht happy: Trotz euphorischem Jury-Lob kickte man sie aus den «MusicStar»-Castings!

MusicStar»-Kandidatin Meredine Roth ist traurig. An sich nichts Aussergewöhnliches, gehören geplatze Träume und Tränen doch genauso zu Casting-Shows wie Freude und Jubelschreie.

Traurige Gesichter gab es viele: Über 3000 Kandidaten meldeten sich für die Castings der vierten «MusicStar»-Staffel an. Nur 207 von ihnen jubelten am Ende mit einem lauten «YES!» und schafften es in die wichtige zweite Runde.

Meredine war eine von ihnen. «Ich war sooo happy!», sagt sie zu BLICK. «Die Jury hat mich gelobt. Für das zweite Casting am 7. Dezember mussten wir sechs Songs vorbereiten. Alles die gleichen Lieder mit englischen Texten. Ich habe einen Monat jeden Tag geübt!»

Meredine spricht langsam und überlegt – Deutsch mit schwerem amerikanischen Akzent. Fällt ihr ein deutsches Wort nicht gleich ein, benutzt sie ein Englisches. Obwohl sie seit Jahren in der Schweiz wohnt.
«It’s schon ein bitzeli komisch, yes?», lacht sie. «Aber ich bin in Amerika geboren und aufgewachsen. Mein Vater ist Schweizer, meine Mutter Amerikanerin. Ich gehe an eine International School – ich spreche mit meinen Friends Englisch. Schwiizertüütsch verstehe ich, spreche aber nur Hochdeutsch, und nicht wahnsinnig gut.»

Genau das wurde ihr zum Verhängnis. Nach dem Vorsingen am zweiten Casting tritt sie nervös vor die Jury. Die besteht unter anderem aus Gölä, Tanzcoach Rafael und Vocal Coach Robin D. Nur letzterer spricht mit Meredine. Auf Deutsch. Aber sie versteht jedes Wort: «Wir sind wirklich beeindruckt von dir, du hast eine tolle Stimme, aber dein Handicap ist dein Deutsch ...» – «My German?», entfährt es Meredine. «Ja, du kommst leider nicht weiter», sagt ihr der deutsche Stimmcoach mit den indischen Wurzeln.

Meredine kann es nicht fassen: «Hier geht es doch um die Stimme! Ich hätte auch schnell Deutsch-Fortschritte gemacht im Kontakt mit anderen Kandidaten. Ich fühle mich diskriminiert!»

Davon will man beim SF nichts wissen. Mediensprecher Marco Meroni (36): «In den Teilnahmedingungen steht klar, dass Kandidaten Schweizerdeutsch verstehen und sich auf Hochdeutsch ausdrücken können müssen. Die Kandidatin wurde dazu befragt – beide Male sagte sie: ‹Nicht sehr gut›. Und zwar auf Englisch.»

Meredine versteht das nicht: «In England wurde eine Spanierin am TV berühmt. Und was ist mit den Welschen?»

Meroni: «Auch ein Welscher kann teilnehmen, wenn er Deutsch spricht. Wir müssen das so handhaben, weil auf und hinter der Bühne immer Deutsch gesprochen wird. Mit Diskriminierung hat das nichts zu tun.»

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