Interview mit Bahn-Präsident Ulrich Gygi Müssen die SBB die Züge bald leasen?

  • Publiziert: 30.10.2011, Aktualisiert: 07.02.2012
  • Von Claudia Gnehm
play Kämpft für den Unterhalt des Netzes: SBB-Präsident Ulrich Gygi. (Keystone)

Ulrich Gygi über den Zustand des Bahnnetzes, die Kosten und was er vom neuen Parlament erwartet.

Ihr CEO, Andreas Meyer, sagte letzte Woche, es bereite ihm Sorge, ob nach dem Kauf der neuen Kampfjets und anderem ausreichend Mittel verblieben, um dringende Engpässe auf unserem Netz beseitigen zu können. Stimmt Sie das neue Parlament optimistisch betreffend künfiger Bahn-Entscheide?
Ulrich Gygi: Das ist sehr abhängig von der Zusammensetzung der neuen Verkehrskommissionen. Sie haben einen grossen Einfluss auf Bahn-Entscheide. Das Urteil mache ich mir nach den ersten Sitzungen mit diesen Kommissionen.

Wo erwarten Sie Hilfe?
Im Netzzustandsbericht von vor zwei Jahren haben wir festgestellt, dass wir einen jährlichen Finanzmehrbedarf beim Unterhalt in der Höhe von 500 bis 700 Millionen Franken haben. Natürlich hoffe ich, dass das neue Parlament das ernst nimmt.

Wo fehlt es am meisten?
Wir haben zu wenig Mittel für den Netzunterhalt. Auf der anderen Seite kann ich nachvollziehen, dass die öffentlichen Mittel nicht unbegrenzt verfügbar sind. Wir wollen in der Schweiz nicht in die Schuldenfalle tappen wie die europäischen Staaten.

Meyer sagte zudem, er wolle nicht hinstehen müssen für die Altlasten. Was sehen Sie als grösste Hypothek?
Der Ausbau des SBB-Netzes wurde bis in die 70er-Jahre vernachlässigt – es gab kaum mehr Neubauten. Man hat damals ein Autobahnnetz errichtet. Danach hat man mit Heitersberg-Linie, Flughafenlinien, Bahn 2000 und Neat aufgeholt. Da hat das Parlament stark auf Neubau gesetzt. Der Kampf um Gelder für den Unterhalt und den Substanz-Erhalt ist nicht so attraktiv.

Weshalb?
Neubauten geben für die Politik mehr her. In den vielen Sparrunden der letzten 25 Jahre hat man auch bei den grossen SBB-Krediten abgebaut. Die von den SBB gestellten Forderungen für den Unterhalt wurden nicht immer zu 100 Prozent erfüllt. Deshalb musste man mit weniger auskommen. Folglich gab es einen gewissen Rückstand.

Ihre Vorgänger haben sich gegenüber den Politikern nicht genügend durchsetzen können?
Noch einmal: Das Bundesbudget ist begrenzt. Auch für die Unterhaltsfinanzierung stehen nicht unbegrenzt Mittel zur Verfügung. Das Verkehrswachstum produziert so viel Unterhaltsbedarf, dass jetzt der Finanzierungsrhythmus erhöht werden muss. Unter Umständen auf Kosten des Neubaus.

Wegen der schwierigen Finanzlage überlegen sich die SBB neue Finanzierungsmodelle, unter anderem indem die Rollmaterial-Anbieter wie Stadler Rail auch eine Finanzierung anbieten – Leasing beispielsweise. Sind Sie schon einen Schritt weiter?
Bisher pflegten wir ein normales Kaufmodell mit Anzahlungen. Für neue Finanzierungsmodelle sind wir offen. Aber in der Regel können wir das Geld beim Bund günstiger beschaffen als auf dem Kapitalmarkt. Mit dem Bund im Rücken haben wir ein AAA-Rating. Bei privatwirtschaftlichen Finanzierungsmodellen gibt es ja immer höhere Refinanzierungskosten und Gewinnmargen, die mitbezahlt werden müssen. Folglich muss man gut rechnen.

SBB-Panne bei der Zeit-Umstellung

Bern – Etliche SBB-Billettentwerter haben den Wechsel auf die Winterzeit in der Nacht auf Sonntag verpennt: Die orangen Geräte zeigten weiterhin Sommerzeit an – oder blieben nachts um 3 Uhr ganz stehen. Wie viele der 500 Geräte betroffen waren, konnten die SBB nicht sagen. Der Fehler führt dazu, dass etwa für eine Fahrt, die bis 18 Uhr gültig ist, als Ablaufzeit 17 Uhr aufgedruckt wurde. Das Zugpersonal sei informiert worden – und kulant.

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