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Zurück und gleich verhaftet

von beat kraushaar und henry habegger | Aktualisiert um 08:46 | 02.11.2006

GENF – Klammheimlich kehrte Moschee-Spion Claude Covassi (36) in die Schweiz zurück. Prompt verhaftet ihn die Genfer Polizei, hält ihn stundenlang fest. Wer hat Angst vor dem Ex-Spion?



«Moschee-Spion» Claude Covassi (RDB)
«Moschee-Spion» Claude Covassi (RDB)
Flug LX237. Der Airbus der Swiss aus Kairo landet am Montagabend pünktlich um 19.15 Uhr auf dem Flughafen Zürich. An Bord ein illustrer Passagier – Claude Covassi (36).

Der Moschee-Spion sorgte in den letzten Monaten schweizweit für Schlagzeilen. Er bekannte öffentlich, dass er unter anderem für den Inlandgeheimdienst das Genfer Islam-Zentrum und dessen Leiter Hani Ramadan ausspionierte. Anfang Jahr tauchte er sicherheitshalber unter. Zuerst auf den Kanarischen Inseln, dann in Kairo (siehe Box).

Am Flughafen-Zoll kriegt Covassi schon Probleme. Er ist im Polizeicomputer registriert. Man sagt ihm, dass er sich bei der Genfer Polizei melden müsse. «Ich bin froh, wieder in der Schweiz zu sein», sagt er zur Begrüssung. Auf seinem Gepäck liegt eine alte schwarze Lampe. «Im Sockel habe ich meine USB-Schlüssel versteckt, die viele Dokumente enthalten», meint er geheimnisvoll.
Was sind jetzt seine Pläne, will BLICK wissen. «Zuerst meine Familie in Genf treffen. Dann offene Fragen über meine Spionage-Tätigkeit klären.» Fragen gibt es viele. Covassi hat den parlamentarischen Geheimdienstkontrolleuren Dokumente und Tonbänder versprochen. Beweise für illegale Aktivitäten des Inland-Geheimdienstes. Das Material hat er aber bis heute nicht geliefert. Zwei Termine mit den Kontrolleuren liess er platzen. Seine Glaubwürdigkeit sank nahe null.
Doch jetzt ist etwas passiert, das darauf hindeutet, dass gewisse Kreise tatsächlich Enthüllungen des Moschee-Spions befürchten.

Kaum in Genf, wird Covassi am Dienstag von der Polizei aufgespürt. Eine Patrouille stellt ihn, nimmt ihn mit aufs Präsidium. «Es dauere nicht lange, ich müsse nur etwas unterschreiben», habe man ihm gesagt. Im Zusammenhang mit einem Verfahren wegen Anabolikahandels.

Covassi: «Man hat mich dann acht Stunden festgehalten. Ich musste mich ausziehen, sie haben mich durchsucht, mir alles abgenommen.» Auch zwei USB-Schlüssel, die Geheimdienstdokumente enthalten. Die Tür im Verhörraum sei von innen abgeschlossen worden.

Auf Anfrage von BLICK bestreitet die Genfer Polizei am Dienstag Covassis Verhaftung. Erst auf hartnäckiges Nachfragen bestätigte dann gestern ein Sprecher: «Herr Covassi wurde tatsächlich befragt. Als Zeuge. In einer Sache, über die wir nichts sagen. Aber es gibt einen Bericht an den Staatsanwalt.» Mit der Geheimdienst- affäre habe das nichts zu tun.

Seltsam. «Mir wurde nicht gesagt, dass ich Zeuge bin», sagt Covassi. Und: «Es wurde auch kein Protokoll gemacht.» Dabei gehört das zu einer Zeugeneinvernahme. Kein Protokoll? Ein Polizeisprecher weigerte sich gestern, das abzuklären. Jetzt will Covassi die Genfer Polizei einklagen. Wegen Freiheitsberaubung und Datenklau.

Der Fall des Moschee-Spions

  • Claude Covassi spioniert im Auftrag des Inland-Geheimdienstes das Genfer Islamzentrum (r.) und dessen Leiter Hani Ramadan aus.
  • Als man von ihm Beweise fordert, dass Ramadan Kontakte mit Terroristen pflegt, steigt Covassi aus. Er behauptet: Diese Beweise gibt es nicht.
  • Anfang 2006 geht er an die Öffentlichkeit.
  • Dann taucht er aus Angst vor Repressionen im Ausland ab.
  • Aus seinen Verstecken auf den Kanarischen Inseln (l.) und in Kairo (r.) gibt er weitere Details seiner Agentenarbeit preis (im BLICK).

  • Hier spionierte Covassi: Islamzentrum in Genf
    Hier spionierte Covassi: Islamzentrum in Genf
    Claude Covassi in seinem Versteck in Kairo. (Alle Bilder Blick)
    Claude Covassi in seinem Versteck in Kairo. (Alle Bilder Blick)
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