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Moschee-Spion erhebt schwere Vorwürfe: «Schweizer Agenten wollten Hani Ramadan eliminieren»

von beat kraushaar und henry habegger | Aktualisiert um 08:05 | 02.11.2006

BERN/GENF – «Hani Ramadan ist ein Ziel, das eliminiert werden muss.» Diesen Auftrag will Moschee-Spion Claude Covassi vom Schweizer Inlandgeheimdienst DAP erhalten haben.



Der Vorwurf von Moschee-Spion Covassi (36) ist ungeheuerlich: Ende 2005 will er vom Inlandgeheimdienst DAP den Auftrag erhalten haben, dem Leiter des Islamzentrums in Genf, Hani Ramadan, Beweise unterzujubeln. Beweise dafür, dass Ramadan in terroristische Aktivitäten verstrickt war.

Der Einsatz solcher «agents provocateurs» ist illegal. Erst recht das Fälschen und Unterjubeln von «Beweisen».

Erstmals beschreibt jetzt Covassi den Auftrag, den er vom DAP erhalten haben will:

  • Manipulierte Computer. «Ich sollte in die elektronische Datenbank des Islamzentrums die Namen von Moslems einfügen, die von Genf aus in den Irak gingen», behauptet Covassi.

  • Gefälschte Testamente. Covassi weiter: «In Syrien sollte ich von künftigen Kämpfern verlangen, dass sie eine Art Testament zuhanden ihrer Familien schrieben. Und das in Form eines Briefs, in dessen Briefkopf die Adresse des Islamzentrums in Genf stand. Diese Briefe sollte ich unbemerkt im Büro von Hani Ramadan deponieren.»

    Das Ziel der Aktion, so Covassi, sei ihm von seinem DAP-Führungsoffizier klar vorgegeben worden. «Er sagte: ‹Hani Ramadan ist ein Ziel, das eliminiert werden muss›.»

    Seine Angaben, so Covassi, könne er beweisen: Mit Tonbandaufnahmen von drei Gesprächen mit dem DAP-Führungsoffizier.

    Stimmt das? Unmittelbar nach Auffliegen der Moschee-Affäre ist Covassi vor dem DAP, der Justizminister Christoph Blocher (SVP) unterstellt ist, ins Ausland geflüchtet. Brisanterweise angeblich mit Hilfe des Auslandgeheimdienstes SND von Verteidigungsminister Samuel Schmid (SVP), für den Covassi auch arbeitete. Jetzt sitzt er in Ägypten und möchte mitsamt seinem Tonband-Material in die Schweiz zurückkommen, um vor der Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) des Parlaments auszusagen.

    Zudem will Ramadan Zeugen aufbieten. Zu BLICK sagt er: «Drei bis vier Leute sind bereit auszusagen, was Covassi im Islamzentrum machte. Ihre Aussagen bestätigen Verdächtigungen, die man in dieser Sache haben kann.»

    Ramadan, der Covassi nach eigenen Angaben verziehen hat, fordert jetzt: «Unsere Behörden müssen alles unternehmen, um ihn anzuhören und die Wahrheit herauszufinden. Ich befürchte, dass Covassi in ernsthafter Gefahr ist. Man muss ihn in die Schweiz holen, bevor es zu spät ist.»

    Stimmen Covassis Vorwürfe? Wer übernimmt die Verantwortung, wenn dem Ex-Spion etwas passiert? Die zuständigen Bundesräte Blocher und Schmid schweigen auf solche Fragen. Ihre Sprecher verweisen bestenfalls an die Geheimdienste selbst. Und die schweigen von Amtes wegen. SND-Sprecher Roman Weissen etwa sagt: «Wir kommentieren diese Geschichte nicht.»

    Dafür gibts Hinweise, dass sich die Geschäftsprüfungsdelegation des Parlaments nun doch endlich mit Ex-Spion Covassi treffen will.
  • Artikel aus der Zeitung
    Hani Ramadan, Leiter des Genfer Islamzentrums.
    Hani Ramadan, Leiter des Genfer Islamzentrums.
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