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Maulwurf im Islam-Zentrum

Von Beat Kraushaar | Aktualisiert um 15:13 | 11.05.2006

GENF – Der Inland-Geheimdienst schleuste einen Ex-Häftling als Spitzel ins Genfer Islam-Zentrum ein. Die Schlapphüte wollten auch wissen, wie viel Zucker Zentrum-Chef Hani Ramadan für seinen Kaffee braucht.



Codename: Menes. Mission: die Infiltration des islamischen Zentrums in Genf. Auftraggeber: der Inlandgeheimdienst. Menes (35), arbeitslos und gerade aus dem Gefängnis entlassen, nimmt den Job als verdeckter Ermittler an. Er hat schon früher ab und zu für die Polizei gespitzelt.

In einer Wohnung nahe des Flughafens wird er auf seine Aufgabe vorbereitet, enthüllte gestern die «Tribune de Genève». Er konvertiert zum Islam und nennt sich «Sayyid». So soll er das Vertrauen von Zentrumsleiter Hani Ramadan gewinnen. Dieser hatte 2003 die Steinigung ehebrecherischer Frauen verteidigt. Seinem Bruder Tariq wurde 2004 die Einreise in die USA verweigert – wegen angeblicher Verbindung zu Islamisten.

Maulwurf «Sayyid» berichtet seinem Kontakmann, mit wem sich Hani Ramadan trifft und wer ihn kontaktiert. Die Schlapphüte wollen sogar wissen, wie viel Zucker er in seinen Kaffee tut. Mit Einverständnis des Inland-Geheimdienstes reist «Sayyid» nach Syrien und verfasst einen Bericht darüber. Ende Oktober 2005 steigt er aus und gesteht Hani Ramadan seine Spitzeltätigkeit.

Jetzt bringt er mit seinem Gang an die Öffentlichkeit den Inland-Geheimdienst in Bedrängnis. «Verdeckte Ermittlungen (...) sind nicht erlaubt», sagte Jürg Bühler, Vize des Inland-Geheimdienstes 2004 in der «Weltwoche». Zu dieser Zeit war «Sayyid» schon als verdeckter Ermittler tätig. Jetzt tönts aus Bern plötzlich so: «Es ist nach den Rechtsgrundlagen zulässig, dass wir für die Informationsbeschaffung auf die Mitarbeit von Privatpersonen zurückgreifen.»
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