Skicross-Olympiasieger jubelt Mike Schmid: «Die Erlösung war riesig»

  • Publiziert: 22.02.2010, Aktualisiert: 10.02.2012
  • Von Martin Arn aus Cypress Mountain

CYPRESS MOUNTAIN – «Vor dem letzten Sprung sah ich den Schatten des Zweitplatzierten. Da habe ich mich noch einmal ganz klein gemacht», erzählt unser Skicross-Olympiasieger.

Wie fühlt es sich an, Olympiasieger zu sein?
Mike Schmid: Wunderschön, obwohl ich es noch gar nicht so richtig realisiere.

Sie haben die Qualifikation dominiert und sind in allen Finalläufen als Erster durchs Ziel: Wie erklären Sie sich diese Dominanz?
Ich habe mich schon in den Trainings gut gefühlt. Mein Servicemann hat mir einen super schnellen Ski bereitgestellt. Wenn ich gewinne, dann suche ich meistens nicht nach Gründen.

Können Sie den Moment schildern, als Sie im Finallauf durchs Ziel fuhren?
Beim letzten Sprung sah ich noch den Schatten des Österreichers Andreas Matt. Da wusste ich: Jetzt muss ich mich noch einmal ganz klein machen und tief in die Hocke gehen. Die Erlösung war riesig, als ich als Erster durchs Ziel fuhr.

Welche Bedeutung hat dieser Olympiasieg für den Skicross in der Schweiz?
Zunächst ist es wichtig, dass unser Sport überhaupt olympisch ist. Das hat schon einen Aufschwung gebracht. Ich hoffe, dass mein Olympiasieg der Sportart einen weiteren Schub gibt.

Sie sind Olympiasieger und trotzdem nur Halbprofi: Das ist sehr aussergewöhnlich.
Ich kenne nichts anderes. Im Sommer arbeite ich im Strassenbau. Mir gefällt es, im Sommer draussen zu arbeiten. Im Winter ist es auf dem Bau nicht so schön – dafür auf der Skipiste.

Was wird sich jetzt ändern in Ihrem Leben?
Keine Ahnung. Es ist für mich eine neue Situation. Es wäre schön, wenn ich mein Hobby zum Beruf machen könnte. Aber darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.

Wie war die Piste?
Es war ein langer, anspruchsvoller Kurs. Es ging ziemlich in die Beine.

Sie wirkten in den letzten Tagen und auch nach der Qualifikation sehr ruhig. Sind Sie irgendwann doch nervös geworden?
Ich konnte die Konzentration den ganzen Morgen über aufrechterhalten. Unmittelbar vor dem Finallauf, als nur noch die vier Besten oben standen, kam dann doch ein leichtes Kribbeln auf. Ich habe zu mir gesagt: «Vierter wirst du hier nicht – das wäre ein ziemlicher Seich.»

Seit Sie hier sind haben Sie sich nicht mehr rasiert – ist das Ihr Olympia-Bart?
Der Bart kommt wieder weg. Den trage ich nur, weil ich kein Rasierzeug mitgenommen habe.

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