Haiti Menschen errichten Strassensperren aus Leichen

  • Publiziert: 15.01.2010, Aktualisiert: 10.02.2012

PORT-AU-PRINCE – In vom Erdbebeben zerstörten Port-au-Prince treiben Plünderer ihr Unwesen. Deshalb errichten die Menschen jetzt Barrikaden – aus Toten.

Die internationale Hilfe erreicht die Opfer des verheerenden Erdbebens in Haiti nur langsam. Aus Wut über die ausbleibende Hilfe haben verzweifelte Menschen laut einem Augenzeugen Strassensperren aus Leichen errichtet.

«Sie haben angefangen, die Strassen mit Leichen zu blockieren», sagte der Fotograf Shaul Schwarz vom Magazin «Time». Er habe in der zerstörten Hauptstadt Port-au-Prince an mindestens an zwei Stellen Barrikaden aus Toten und Steinen gesehen.

«Es wird langsam hässlich da draussen», sagte Schwarz: «Die Leute haben es satt, dass ihnen nicht geholfen wird.» Beschleunigt werden soll der Hilfsgüter-Transport demnächst durch die 19 Helikopter, die sich an Bord des US-Flugzeugträger «Carl Vinson» befinden.

Der Flugzeugträger sowie sechs weitere Schiffe werden noch am Freitag in den Gewässern vor Haiti erwartet. Insgesamt werden sich nach Angaben des US-Südkommandos in Miami am Wochenende mehr als 6000 Angehörige der US-Streitkräfte zur Unterstützung der Hilfsmassnahmen in Haiti oder in Küstennähe aufhalten.

Konferenz für Haiti vereinbart

Die Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) kündigte am Donnerstag «sofortige wirtschaftliche und materielle Hilfe» für die Erdbebenopfer an. Sie versicherte, dass sie den «Prozess zur Rettung und zum Wiederaufbau des Landes sehr aufmerksam verfolgen» werde.

Die USA und Frankreich treten gemeinsam für eine internationale Konferenz zu Haiti ein. US-Präsident Barack Obama und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hätten gestern in einem Telefongespräch die Zusammenarbeit beider Länder für eine solche Konferenz vereinbart, teilte der Elysée-Palast in Paris mit.

Nach Angaben des Weissen Hauses in Washington stimmten die beiden Präsidenten darin überein, dass die Hilfe für den Karibikstaat langfristig koordiniert werden müsse. Beide Regierung sollten bei der Bewältigung der Krise kooperieren.

Brasilien will Friedhöfe für Haiti bauen

Um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern, hat Brasilien den Bau eines Friedhofs für tausende Erdbeben-Tote in Haiti angeboten. Dabei werde auf die in dem Land weit verbreitete Voodoo-Religion Rücksicht genommen, erklärte die Regierung in Brasilia.

Anhänger des Voodoo-Glaubens lassen es nicht zu, dass ihre Toten vor Beendigung der Zeremonien berührt werden. In den haitianischen Erdbeben-Gebieten liegen tausende Leichen unbestattet im Freien. Nach Schätzung des Roten Kreuzes muss mit 40000 bis 50000 Erdbeben- Toten gerechnet werden.

«Manche Leute bestatten ihre Toten an Abhängen, so dass sie bei Regen wieder aufzutacuhen drohen». Die Sorge sei gross, dass Seuchen ausbrechen können. Brasilien führt die UNO-Friedensmission in Haiti.

Das lateinamerikanische Land, in dem der Voodoo-Kult ebenfalls Anhänger hat, legte kurz nach der Erdbeben-Katastrophe einen Nothilfeplan für den Karibikstaat vor, der auch den Vorschlag des Friedhofsbaus beinhaltet. Voodoo kam während der Sklavenzeit aus Afrika nach Haiti, die brasilianische Variante heisst Candomble. (SDA/gca)

Weitere Schweizer unterwegs

Die Schweizer Hilfe für die Opfer des Erdbebens in Haiti wird intensiviert. Das Vorausdetachement traf gestern in Port-au-Prince ein und baute erste Strukturen auf. Das zweite Team wird heute von der Dominikanischen Republik aus ins Land reisen. Ein drittes Team, bestehend aus mehreren Ärzten, verlässt die Schweiz noch am Freitag.

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