BLICK-Jobinspektorin auf Baustellenkontrolle im Wankdorf-Einkaufszentrum in Bern Mauer des Schweigens auf dem Bau

  • Publiziert: 05.08.2005, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Benita Vogel

BERN – Die Regale von Coop sind schon fast alle aufgefüllt. In den meisten Läden des Wankdorf-Einkaufszentrums herrscht aber noch keine Shopping-Stimmung.

Von den Wänden hängen Kabelschläuche, die Böden sind mit Karton bedeckt. Auch im Geschäft des Modelabels Zara sind noch Stromer, Schreiner, Gipser und Maler an der Arbeit. Sechs Firmen sind mit ihren Mitarbeitern am Ladenbau beschäftigt. Alle aus Deutschland.

Federführung hat die Schlegel Ladenbau GmbH aus Bietigheim. Die Firmen seien korrekt bei den Berner Behörden gemeldet und hielten sich an die Schweizer Vorschriften, beteuert Bauleiter Heiko Betz (41). Er gibt die Erlaubnis, mit Sub-Unternehmern und ihren Mitarbeitern zu sprechen.

Auskunftsfreudig sind diese allerdings nicht: Fragen zu den Löhnen will Frank Dockhorn, Mitinhaber der Komfort Ausbau, nicht beantworten. Das geht ihm zu «sehr ins Detail». Wissen würde er aber schon, dass er Schweizer Lohnvorschriften einhalten müsse. Auch die Mitarbeiter dürfen nicht über den Lohn befragt werden.

Keine Interviews, heisst dann auch die Weisung des zweiten Bauleiters Michael Wiching. Dazu brauche es die Genehmigung von Zara, begründet er. Und: Schliesslich mache die Baustellenkontrolle regelmässig Inspektionen. Der Berner Baustellenkontrolleur Robert Schwitter war Anfang Juli bei Zara und hat Plattenleger kontrolliert.

Das Fazit: Alles i.O. Was man wissen muss: Die Firma war mit zehn Selbständigen auf dem Bau. Und die Ich-AGs müssen sich nicht an Mindestlöhne halten. Üblicherweise arbeiten sie für 6 bis 10 Euro.

Liebe Leserinnen, liebe LeserSind Ihnen rund ums Thema Personenfreizügigkeit Missbräuche bekannt? Haben Sie deswegen weniger Lohn – oder gar den Job verloren? Reichen die flankierenden Massnahmen aus? Und machen die Kontrolleure ihre Arbeit gut? Schreiben Sie an:Redaktion BLICK, Jobinspektorin, Postfach, 8021 ZürichFax: 044 259 86 61E-Mail: benita.vogel@ringier.ch
play Wer ist die Jobinspektorin?
Benita Vogel (30) besucht als Jobinspektorin Schweizer Unternehmen, klärt ab, wie sich die Personenfreizügigkeit in der Praxis ausgewirkt hat. Vogel stammt aus einer Unternehmer-Familie. Ihr Vater hat ein Bauunternehmen aufgebaut. Benita Vogel hat in Genf Internationale Beziehungen studiert, an der Zürcher Hochschule Winterthur erwarb sie ihren MBA (Master of Business Administration) in Betriebswirtschaft und Management.

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