Schweizerin auf Haiti Maja L.: «Ich lebe, alles ok!»

  • Publiziert: 14.01.2010, Aktualisiert: 10.02.2012
  • Von Beat Kraushaar und Ann Guenter

PORT-AU-PRINCE – Die Schweizer Hilfswerkmitarbeiterin Maja L. (41) hatte auf Haiti riesiges Glück: Sie überlebte das Horror-Beben – weil sie sich ins Hotel umziehen ging.

Das erlösende SMS kam um 18 Uhr: «Ich lebe, alles ok!». Der Partner von Maja L. (41) war gerade bei seinen Schwiegereltern, als diese gute Nachricht aus Haiti ankam. «Als ich wusste, dass sie lebt, war das ein unbeschreibliches Gefühl», sagt Arno R. (46).

Zuvor durchlitt er eine Achterbahn der Gefühle – endlose Stunden des Bangens und Hoffens. «Lange konnte wir nicht miteinander reden. Aber das war auch nicht so wichtig. Es zählte einzig zu wissen, dass sie lebt», sagt Arno.

Später schreib Maja L. noch ein Mail an ihren Liebsten und schilderte den Horror, den sie in Haiti erlebt. «Ich sah überall Tote auf den Strassen liegen. Und Schwerverletzte, die verbluten, weil keine Hilfe kommt.»

Pause rettete ihr Leben

Wie nahe Leben und Tod in Haiti zur Zeit des Erbebens liegen, hat Maja L. hautnah erfahren. Am Tag als das Beben das Land in Schutt und Asche legte, besuchte sie in der Hauptstadt Port au Prince das von ihrem Hilfswerk Iamaneh betriebene Strassenmädchen-Projekt. «Weil sie am Abend für ein Nachtessen eingeladen war, begab sie sich zurück ins Hotel Olofsson um sich zu recht zu machen und noch ein wenig auszuruhen. Das rettete ihr das Leben», sagt ihr Lebenspartner.

Während rund um das Hotel Oloffsson die Häuser einstürzten und Menschen unter sich begruben, blieb die bei Europäern beliebte Unterkunft wie durch ein Wunder verschont.

Arno R. hofft nun, dass seine Maja bald zu ihm und ihren beiden gemeinsamen Kindern in die Schweiz zurückreisen kann.

«Wir geben das Projekt sicher nicht auf»

Auch beim Basler Hilfswerk Iamaneh ist die Erleichterung riesig: «Gottseidank haben wir von Maja Nachricht erhalten. Sie hat uns ein Mail geschrieben, dass sie wohlauf sei», sagt Geschäftsleiterin Maya Natarajan gegenüber Blick.ch.

Maja L. könne derzeit noch nicht ausreisen und befinde sich immer noch im Hotel Oloffson. «Sobald sich die Gelegenheit bietet, wird sie heim kommen. Aber derzeit ist die Lage derart chaotisch, dass sich nichts planen lässt», so Natarajan.

Und das Strassenmädchen-Projekt von Iamaneh? Noch ist unklar, ob das Center von Iamaneh und seinen Partnerorganisationen in Port-au-Prince überhaupt noch steht. Doch Natarajan gibt sich kämpferisch: «Wir geben das Projekt sicher nicht auf!»

Jetzt steht für Iamaneh vor allem die finanzielle Hilfe im Vordergrund. Zusammen mit anderen Organisationen wie der Caritas sammelt Iamaneh Geld für den Wiederaufbau Haitis.

EDA: Bisher keine Schweizer Opfer in Haiti

BERN – Das EDA hat bisher keine Kenntnis über mögliche Schweizer Opfer durch das schwere Erdbeben in Haiti, wie Bundesrätin Micheline Calmy-Rey sagte. Rund 150 Schweizer leben in dem Land.

«Unsere Botschaft in Port-au-Prince hat alle per Telefon, E-Mail oder SMS kontaktiert. Wir warten nun auf die Antworten», erläuterte die Aussenministerin. Die Kommunikation sei jedoch aufgrund von Stromausfällen schwierig. «Wir wissen zurzeit nicht, ob es unter den Schweizern, die in Haiti leben, sowie unter den wenigen Touristen vor Ort Opfer gibt», erklärte Calmy-Rey.

Für Angehörige hat das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) eine Hotline eingerichtet hat: (037 325 33 33)

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