Madonna: Darauf können sich CH-Fans freuen

  • Publiziert: 25.08.2008, Aktualisiert: 13.02.2012
  • Von Daniel Meier aus Cardiff (GB)

Sie ist es wirklich. Da vorne tanzt und singt die grösste Pop-Musikerin aller Zeiten. Vielleicht vierzig Meter entfernt. Aber immerhin im gleichen Raum!

Sie trägt Schwarz. Hohe Stiefel, Netzstrümpfe, BH, Pantys. Viel Haut. Und ein Knackarsch, der gerade 50 geworden ist.

Grossartig sieht sie aus. Sogar wenn sie auf allen vieren kriecht, lasziv auf und ab wippt. Scharf. Zumindest auf diese Entfernung. Und wie sie sich bewegt! 16 Tänzer wirbeln. Sie steigt immer wieder in die Choreografie ein. Perfekt.

Eineinhalb Stunden Verspätung hat die Diva. Aber was macht das schon, wenn man seit «Like a Virgin» auf diesen Moment gewartet hat? Das ist 25 Jahre her!

«Vogue» ist sackstark. Ein Abstecher in die frühen Neunziger, als es bei Madonna eigentlich nur um Sex ging. Die Tänzerinnen tragen jetzt schwarze Perücken und sind praktisch nackt. Beim Refrain zu «Into the Groove» singen die 40000 im Millennium Stadium von Cardiff zum ersten Mal mit. Fast alle sind jünger als Madonna , aber viele nur ein paar Jahre. Darunter Mütter, die die Töchter mitbrachten.

Die Show ist viergeteilt. Dazwischen zieht sich der Star um. Videos überbrücken die Zeit. Rasend geschnitten. Mit einer politischen Provokation: In einer Bildfolge sind Hitler, Mugabe und John McCain zu sehen. In einer späteren Al Gore, Gandhi und Barack Obama.

Plötzlich sind fünf Madonnas auf der Bühne. Vier alte wie das «Material Girl» oder die Stripperin aus dem «Open Hearts»-Video. Doch die neue, die richtige Madonna reisst einer nach der anderen die Perücke vom Kopf. Dazu der Song «Shes Not Me».

Ein erster Höhepunkt: Ein paar ältere Herren spielen Gitarre, Geige, Handorgel. Madonna singt dazu ein Lied aus «Evita» in einer Zigeuner-Version. In der Halle wirds still. Vor dem Schlussakkord macht sie eine Pause, zwei Sekunden, und lächelt ihr Kleines-Mädchen-Lächeln, das man schon fast vergessen hat. «You must love ... me». Stimmt.

Madonna ist nicht zur erfolgreichsten Musikerin der Gegenwart geworden, weil sie die beste Sängerin ist. Wenn sie allein mit ihrer Gitarre zu «Miles Away» ansetzt, hört man, dass die Stimme dünn ist, manchmal danebenliegt. Aber gerade das sind starke Momente. Weil man sie dann wirklich hören kann. Bewegend, ehrlich.

Nur leider verschwindet sie bald wieder hinter ihrer Tarnung, dem Bombast-Sound. Auch «Borderline» von 1983 fängt wie Punk-Rock an, wird aber bald mit Wummer-Bass und House-Beat überladen. Beim neuen Song «Heartbeat» piepst sie wie Mickey Mouse.

Die Show lebt natürlich von ihr. Und von den Choreografien. Vier grosse, bewegliche Videowände verwandeln die Bühne in Sekunden. Speziell: Einmal senkt sich ein zylindrischer, halb durchsichtiger Bildschirm über Madonna und hüllt sie in Wasserspiele.

Täuscht es oder bewegt sie sich nun langsamer? Alle mit Jahrgang 1958 und jünger schöpfen Hoffnung: Auch Madonna wird müde. Vergesst es! Nun beginnt der Endspurt. «Like a Prayer», auch schon bald 20 Jahre alt, «Ray of Light» und der Abba-Heuler «Hung up». Spätestens jetzt tanzt die ganze Halle. Am Schluss kommt, was kommen muss. Der beste Song auf der neuen CD. «Give It 2 Me». Sie gibt uns den Rest. «If its against the law arrest me.» Dann ist fertig. Ohne Zugabe.

Einmal heisst es: «We only got 4 Minutes to save the world.» Das ginge ja noch. Wir hatten nur zwei Stunden. Viel zu wenig, um 25 Jahre Madonna nachzuholen.

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