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In der Nähe des Bärengrabens hatten sich rund 10000 SVP-Sympathisanten zu ihrem Marsch Richtung Bundesplatz unter dem Motto «Einstehen für die Schweiz» versammelt. Viele von ihnen trugen Schweizer Fahnen. Treichlergruppen begleiteten sie. Die SVP wollte mit dem Umzug durch die Altstadt Berns und dem anschliessend geplanten Auftritt ihrer Bundesräte auf dem Bundesplatz ihre Anhänger für die Wahlen mobilisieren. Christoph Blocher, umgeben von zahlreichen Bodyguards, marschierte selber mit.
Doch die Veranstaltung war auch für viele Personen aus dem linken Lager Anlass, in die Bundeshauptstadt zu pilgern. Eine geplante Gegenkundgebung bewilligte die Polizei aus Angst vor Ausschreitungen nicht.
Genützt hat es nichts: In Bern herrscht Alarmstufe Rot. Linksautonome liefern sich schwere Scharmützel mit der Polizei, der Münsterplatz, wo sich rund 2000 Personen zur Anti-SVP-Demo eingefunden hatten, wurde hermetisch abgeriegelt. Mit Gummischrot und Tränengas versuchte das Grossaufgebot an Polizisten, die Lage in den Griff zu kriegen. Der «schwarze Block» antwortete mit Flaschen und Knallkörpern. Eine in der Gerechtigkeitsgasse errichtete Blockade räumte die Polizei gewaltsam und verhaftete insgesamt 42 Personen.
Doch die Chaoten randalieren in der Innenstadt weiter, Gartenbeiz-Mobiliar und Kehrichtsäcke gingen in Flammen auf. Die gesamte für das SVP-Fest auf dem Bundesplatz aufgestellte Infrastruktur wurde zerstört.
Die SVP führte ihre Kundgebung schliesslich im Klösterliareal beim Bärengraben in stark reduziertem Programm durch. Während die Rede von Bundesrat Schmid abgesagt wurde, wurde Blocher frenetisch bejubelt. «Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen», sagte Blocher. So hätten Chaoten die grösste Partei der Schweiz davon abgehalten, auf den Bundesplatz zu gehen. Schmid, der nicht auftrat, verurteilte die gewaltsamen Ereignisse. Sie entsprächen nicht dem demokratischen Verständnis der Schweiz, sagte er laut seinem Sprecher Stefan Costa. Extremismus, woher er auch immer komme, sei in aller Schärfe abzulehnen.
In der Kramgasse wurden inzwischen weitere Blockaden errichtet, die Gesetzeshüter und rund 200 –friedlich demonstrierende – SVP-Gegner stehen sich dort gegenüber. Auf dem Münsterplatz geht das Anti-SVP-Fest weiter, allerdings mit deutlich weniger Teilnehmern.
Der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät sagte, er fühle sich über die laufenden Auseinandersetzungen wütend und ohnmächtig, weil es nicht möglich sei, friedlich zu demonstrieren. In der Schweiz solle es möglich sein, alle Meinungen zu äussern.
Kaum auf Resonanz gestossen ist am Morgen eine Gegenveranstaltung zur SVP-Kundgebung auf dem Bundesplatz: Gerade einmal ein knappes Dutzend Personen sind auf der Zürcher Bahnhofstrasse für eine offene, tolerante Schweiz eingestanden. (SDA/AP/zeb)