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Es gibt sie viel zu wenig, aber es gibt sie: Lichtblicke wie jener, als Redjeson Hausteen Claude (2) von belgischen und spanischen Helfern lebend aus den Trümmern befreit wird. Der Bub hat zwei Tage lang durchgehalten und wie durch ein Wunder überlebt. Jetzt kann ihn seine Mutter endlich wieder in die Arme schliessen.
Doch für viele andere Haitianer endet das Erdbeben vom Dienstag in einer Tragödie. So wie im Fall von Emanuela Aminise (14). Ihre Mutter bekommt sie zwar auch wieder zu Gesicht. Aber das Mädchen ist tot. Seine Leiche liegt notdürftig mit einem Leintuch bedeckt auf der Strasse.
Helvetas-Mitarbeiter Bernard Zaugg ist erschüttert über das Ausmass der Katastrophe. Gegenüber Blick.ch schildert er die Begegnung mit einer 70 bis 75 Jahre alten Frau. Sie sei unter einem Baum vor den Ruinen ihres Hauses gesessen. Ihre Tochter habe versucht sie zu überreden, an einen sicheren Ort mitzukommen – vergeblich.
Denn unter den Trümmern lag die Leiche ihres Mannes. «Zusammen mit einigen Passanten gingen wir hinein, um den Toten zu holen», schreibt Zaugg. Darauf hätten sie den toten Körper neben der Witwe auf die Erde gelegt.
Zaugg hat jedoch auch Ermutigendes zu berichten: So sei der 85-jährige Schwiegervater der Helvetas-Sekretärin Guilaine nach 15 Stunden lebend aus den Trümmern gezogen worden. Guilaine selbst habe ihr ganzes Hab und gut verloren. «Sie ist moralisch sehr mitgenommen, aber tapfer», so Zaugg.
Viele Menschen im Katastrophengebiet wissen nicht, ob ihre nach wie vor vermissten Liebsten überlebt haben und noch irgendwo unter den zusammengebrochenen Häusern begraben sind. Oder sind sie unter den unzähligen Leichen zu finden, die überall umherliegen?
Verzweifelt schauen die Menschen deshalb unter die Leintücher, mit denen die Toten notdürftig bedeckt sind – immer in der Hoffnung, das Gesicht der Leiche nicht zu erkennen.
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Vor dem Leichenschauhaus in Port-au-Prince: Tote, so weit das Auge reicht. (Keystone)