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Jede Minute seiner wohl letzten Olympischen Spiele wolle er geniessen, hielt Stéphane Lambiel Anfang Woche fest. Unser Pirouetten-Prinz strahlt Zuversicht aus. Und einen positiven, gesunden Ehrgeiz, um sich nochmals mit den weltbesten Eiskunstläufer zu messen.
An Olympia in Turin 2006 war die Ausgangslage für den Schweizer komplett anders. Nach zwei Weltmeistertiteln in Serie (2005, 2006) wurde von Lambiel eine Bestätigung seiner Topleistung erwartet. «Der Druck damals war verrückt», erinnert sich der 24-Jährige. «Deshalb bin ich hier in Vancouver nicht so nervös wie in Turin.»
Dennoch gabs in Turin die Silbermedaille – hinter Olympia-Sieger Jewgeni Pluschenko (27). Der Russe gab wie auch der Schweizer sein Comeback in dieser Olympia-Saison, nachdem er nach Turin zurückgetreten war. Bei der Olympia-Hauptprobe, der EM in Tallinn (Est), reihten sie sich in der selben Reihenfolge ein: Pluschenko wurde Europameister, Lambiel gewann Silber. Und der Dritte im Favoritenbunde, Brian Joubert (25), holte Bronze.
Dieses Weltmeister-Trio führt in Vancouver das Feld der Medaillen-Anwärter an. Von ihnen als Erster zum Kurzprogramm antreten musste Pluschenko. Der Blondschopf lief sauber und mit mehr Ausdruck als in Tallinn – obwohl der Russe mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte.
«Mich plagen Magenprobleme, ich konnte heute noch nichts essen und habe schon zwei Kilo verloren», sagte er nach seinem Auftritt, der mit 90.85 Punkten belohnt wurde. Damit bleibt Pluschenko knapp hinter seinem Saisonbestwert von 91.30 Punkten, gelaufen an der EM in Tallinn. Startet in der Nacht auf Freitag (MEZ) aber dennoch als Leader in die Kür.
Die Benotung des Russen beinahe geknackt haben der amtierende Weltmeister Evan Lysacek (USA, 90.30) und der Japaner Daisuke Takahashi (90.25). Völlig versagt hat Brian Joubert, der französische Weltmeister von 2007 stürzte und patzerte am Laufmeter.
«Willhelm Tell» Lambiel begeisterte wie immer das Publikum mit seiner ausdrucksstarken Performance. Dass der Walliser vom 5. Zwischenrang die Kür läuft, liegt an der missratenen Vierfach-dreifach-Kombination.
Die wacklige Landung nach dem vierfachen Toeloop verunmöglichte einen Dreifachsprung, Lambiel hängte einen doppelten an. «Ich hätte einen dreifachen versuchen können, es wäre jedoch riskant gewesen», erklärt der EM-Zweite, der Edelmetall aber nicht aus den Augen verloren hat. «Die Goldmedaille ist noch möglich!» Sechs Punkte Rückstand auf Pluschenko sind einholbar. An der EM in Tallinn lag Lambiel auch auf dem 5. Zwischenrang über 13 Punkte zurück – und gewann noch Silber.