
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Der Mann hat die Tat gestanden. Der tragische Fall bestätigt die Waffenschutz-Initianten in ihren Forderungen. Calmy-Rey und Schmid zeigten sich schockiert.
Trotz des Geständnisses bleiben die Umstände der Tat und das Motiv unklar. Zwischen dem Schweizer chilenischer Abstammung und dem 16-jährigen Opfer gibt es nach wie vor keine Verbindung, wie Staatsanwältin Catherine Nägeli am Dienstag sagte. Der in Zürich wohnhafte Mann habe bei der Einvernahme vom (gestrigen) Montag zugegeben, den tödlichen Schuss abgefeuert zu haben. Er sei auf dem Heimweg von der abgeschlossenen Rekrutenschule gewesen.
Offenbar war er von einem Augenzeugen gesehen worden. Dieser hatte ausgesagt, dass sich kurz vor der Tat im Bereich der Bushaltestelle eine Person mit Tarnjacke und Sturmgewehr aufgehalten habe. Die Tat selbst wurde von dem Passanten aber nicht beobachtet. Ob der Soldat den Schuss gezielt abgefeuert hatte oder ob er unter Alkoholeinfluss stand, wollte Nägeli nicht sagen. Er sei aber alleine unterwegs gewesen.
Der 21-Jährige war am Sonntagabend formell verhaftet worden, nach den polizeilichen Befragungen. Als Tatwaffe wurde ein Sturmgewehr sichergestellt. Anhand der am Tatort gefundenen Projektilfragmente lässt sich laut Nägeli sagen, dass mit einem Sturmgewehr geschossen wurde. Weitere Spuren würden nun ausgewertet, zudem gebe es zusätzliche Zeugenbefragungen und ein Obduktionsgutachten werde erstellt. Gegen den Tatverdächtigen wurde Untersuchungshaft beantragt.
Durch den tragischen Fall wurde auch die Diskussion um die Lagerung des Sturmgewehrs zu Hause wieder entfacht. Die Initianten der Volksinitiative für den Schutz vor Waffengewalt sehen sich denn auch in ihren Forderungen bestätigt. Armeewaffen seien ein Sicherheitsrisiko und hätten daheim oder auf der Strasse nichts verloren, sagte die Zürcher SP-Nationalrätin Chantal Gallade.
Die tief betroffene Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey regte eine neue Diskussion an. «Die Frauen bezahlen einen sehr hohen Preis und es stellt sich schon die Frage, ob man diese Waffen zu Hause lassen soll», gab die Bundespräsidentin in einem Interview der «Tagesschau» zu bedenken. Den Entscheid des Bundesrates, keine Taschenmunition mehr an Soldaten abzugeben, bezeichnete sie als «halben Schritt», der die Sache aber nicht regle.
Verteidigungsminister Samuel Schmid, der derzeit in Afrika weilt, wollte zu allfälligen Konsequenzen vorerst keine Stellung nehmen. Erst müsse geklärt werden, was genau vorgefallen sei, sagte sein Sprecher Jean-Blaise Defago auf Anfrage. Schmid habe sich aber tief schockiert über den Mordfall gezeigt. Er drücke der Familie des Opfers sowie Freunden und Bekannten der getöteten jungen Frau sein Beileid aus.
Das Opfer – eine in der Schweiz aufgewachsene Italienerin – sass am vergangenen Freitagabend mit ihrem ebenfalls 16-jährigen portugiesischen Freund an der Bushaltestelle, als sie von dem Schuss tödlich in den Oberkörper getroffen wurde. Noch bevor die Rettungskräfte eintrafen, erlag die Coiffeuse-Lehrtochter ihren Verletzungen. (AP)