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Es war der Abend vor dem Ende des Klimagipfels Mitte Dezember in Kopenhagen. Der Zürcher Greenpeace-Aktivist Christian Schmutz (37) trickste sich zusammen mit einer Kollegin und einem Kollegen zwischen zwei offiziellen Delegationen ins Parlamentsgebäude. Vorbei an allen Sicherheitskontrollen kam das Trio so an den Staatsempfang von Königin Margrethe II. Ihre Hilfsmittel: drei gemietete Limousinen, zwei dunkle Anzüge, ein Abendkleid und ein Spielzeugblaulicht. Eine ihrer Limousinen hatten sie mit dem Nummernschild 007 versehen.
In der Lobby des Palastes entrollten die Umweltaktivisten ein gelbes Protestbanner: «Politiker reden. Führer handeln.» Ein Appell an die Staatschefs am Gipfeltreffen, sich auf verbindliche Klimaziele zu einigen. Erst dann konnten die dänischen Sicherheitsbeamten eingreifen. Das war vor 16 Tagen. Seither sitzt Schmutz – wie seine zwei Kollegen – wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft. In einer Einzelzelle.
Auf seinem Nachttisch liegt als einziger Lesestoff eine dänische Bibel. Eine deutschsprachige Ausgabe, die ihm der Schweizer Konsul ins Gefängnis bringen wollte, haben die Wärter konfisziert. Mitsamt den selbst gebackenen Weihnachtsguetsli, die die Frau des Konsuls mitgegeben hatte.
Nicht einmal an Heiligabend und Silvester durfte Schmutz mit seinem kleinen Sohn und seiner Frau Marion M.* (37) telefonieren. «Christian bekommt den Gefängniskoller», sorgt sich Marion M. Erst nach einer Intervention von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey (64) bei ihrem dänischen Amtskollegen Per Stig Møller (66) gewährten die Dänen den Angehörigen einen Besuchstermin: Am 6. Januar, um 13.30 Uhr, dürfen sie ihren Mann, Vater und Sohn besuchen.
Am Freitag bestiegen sie den Zug nach Kopenhagen. Voraussichtlich am 7. Januar stehen die Aktivisten vor Gericht. Anklage: Hausfriedensbruch, Amtsanmassung und Fälschung von Autokennzeichen. «Es ist möglich, dass die Untersuchungshaft verlängert wird», befürchtet Christian Schmutz’ Vater Hans-Ulrich (64) gegenüber SonntagsBlick.
Der Co-Geschäftsleiter von Greenpeace Schweiz, Kaspar Schuler (51), rechnet mit dem Schlimmsten: «In Dänemark erhebt die Polizeibehörde selber Anklage. Mir scheint, dass sich die Polizei derart blamiert fühlt, dass sie ein Exempel statuieren will.» Während des Klimagipfels in Kopenhagen galt das «Lømmelpakke» («Lümmelpaket»), speziell verschärfte Sicherheitsgesetze, die die Polizei rigoros gegen Umweltaktivisten anwandte.
Vater Schmutz ist besorgt: «Dänemarks Königin war im Gebäude, als sie das Banner entrollten.» Und wenn die Richter finden, die Aktion habe die Königin bedroht, kann dies gemäss dänischem Recht das Strafmass für die Greenpeace-Aktivisten erhöhen.
*Name der Redaktion bekannt