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Beim Hotel Belvédère unterhalb der Furka-Passhöhe herrscht Hochbetrieb auf dem Weg zur Eisgrotte auf knapp 2300 Meter Höhe.
Die Besucher wundern sich über eine weisse Plane, 20 Meter breit, drei Meter hoch, die sich auf dem Gletscher im Wind bläht.
Es ist der 14. August, Punkt 13.00 Uhr. Im Funkgerät der Geografie-Studentin Sarah Baumgartner (23) am Eisrand schnarrt eine Stimme: «Das Experiment ist endlich gestartet.»
Ein strahlender Professor mit Helm, Hüftgurt und Steigeisen kommt vom Windfang auf der Gletscherzunge zurück. «Bald wissen wir mehr», meint Hans-Joachim Fuchs (49).
«Der Windfang soll kalte Fallwinde aufhalten. Es müsste ein Kühleffekt entstehen. Dazu messen meine Leute an sieben Stationen täglich während fünf Stunden
Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit. Jede halbe Stunde wird der Gletscher auch fotografiert. So sieht man seine ständige Bewegung.»
Auf die Kühlungs-These gekommen ist Fuchs vor zwei Jahren, als er am Rhonegletscher Windmessungen bis hinunter ins Goms machte. «Wir stellten fest, dass es morgens in Oberwald, wo wir im Holiday Camp wohnten, bis zehn Grad kälter war als am Gletscher.
Kaltluft wurde im Becken des Obergoms gefangen. Daraus entstand die Idee, mit gestauten Kaltluftströmen an der Gletscherzunge das Abschmelzen zu mindern.»
Mit Eisplatten-Modellen wurde im Labor experimentiert. Mit Erfolg. Fuchs: «Jetzt schauen wir, ob es auch auf dem Gletscher funktioniert.» Fuchs betont aber, dass das bloss Symptombekämpfung sei. Angehen müsse man natürlich auch die Ursachen des Klimawandels.
Sein Forschungsprojekt hat die Studierenden begeistert: 160 wollten mittun. «Ausgewählt wurden 27 aufgrund spezieller Fähigkeiten», sagt Student Marcel Meffert (24). Fest engagiert wurde dazu der erfahrene Walliser Bergführer Charly Imoberdorf. Fuchs: «Ohne diesen Gletscherprofi wären wir aufgeschmissen.»
In Vorbereitungskursen wurden Teams gebildet: Windfang, Klima, Lehrfilm, Umfrage. Julian Graf (28): «Wir fragen Eisgrottenbesucher, was sie über Gletscher und Klimawandel wissen. Basierend darauf soll hier ein Lehrpfad entstehen.» Und der Professor ergänzt: «Besuchern soll klar werden, wie entscheidend Gletscher für unsere Trinkwasser-Reserven sind.»