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ETH-Professor Andreas Fischlin ist seit über 10 Jahren einer der Hauptautoren des Uno-Klimaberichts (IPCC) und Mit-Empfänger des Friedensnobelpreises 2007. (Philippe Rossier)
Worum geht es?
«Es ist die wichtigste Konferenz der Menschheit seit 1945. Eine der wichtigsten Knackpunkte ist, dass die Industrie- und Schwellenländer ihre Emissionen genügend reduzieren. Auch muss die Finanzierung sichergestellt werden. Die Länder sind sich gestützt auf die Resultate des Uno-Klimarats ziemlich einig, dass wir die Erdtemperatur nicht weiter als 2 Grad ansteigen lassen dürfen. Für die Schweiz hiesse das eine Erwärmung von etwa 4 Grad. Um das zu erreichen, müssen wir in den Industrieländern bis 2020 die schädlichen Gase um 35 bis 40 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent senken – gegenüber 1990. Anders die Lage in Schwellenländern: China ist zum grössten Verschmutzer mutiert, hat sogar die USA überflügelt. China sollte 15 bis 30 Prozent unter seinen ‹Business as usual›-Stand kommen. Im Moment zeichnet sich ab, dass diese Ziele nicht erreicht werden.»
Was tun China/USA?
«China versteckt sich zurzeit hinter den USA. Dabei wäre das Land prädestiniert, Verantwortung zu übernehmen. Politisch ist die Sache sehr heikel. China sagt, dass die USA in Anbetracht der letzten 50 Jahre eine viel grössere Verantwortung am Klimawandel haben als andere Länder. Bis zu einem Drittel der Treibhausgasemissionen gehen – historisch gesehen – auf das Konto der USA. Zusammen mit Europa ist es mehr als die Hälfte. Wenn China so weiterfährt wie in den letzten Jahren, dann hat das Land in ungefähr 30 Jahren einen Pro-Kopf-Ausstoss wie wir. Angesichts der Anzahl der Chinesen wäre das eine Katastrophe für die Welt. China spricht von einem Zimmer, in dem wir Industrieländer bereits drin sind und fast den ganzen Platz für unsere Entwicklung beansprucht haben. China will nun ebenfalls Platz nehmen. Darum sollten wir rausgehen und Platz machen.»
Die Schweizer Rolle?
«Es stimmt nicht, dass wir als kleines Land nichts tun können. Wir waren in den Verhandlungen bislang immer erstaunlich einflussreich, da unsere Tradition der guten Dienste uns hilft. Wir geniessen nach wie vor ein gutes Ansehen, weil wir ehrlich verhandeln und Positionen vertreten, die nicht mit Machtpolitik verknüpft sind. So gelang es der Schweiz auch immer wieder, ihre Anliegen in einem im Vergleich zur Kleinheit gehörigen Ausmass einzubringen. Auch im Privaten können wir viel bewirken: Nur wenn wir als KonsumentInnen umweltfreundliche Produkte nachfragen, wird die Industrie mitziehen und sie anbieten. Anreize auf innovative grüne Technologien zu setzen, nur um des eigenen Vorteils Willen, genügt nicht. Die schweizerische Industrie war in den letzten Jahren nicht untätig, und diesen Bemühungen verdanken wir einen Grossteil unserer CO2-Einsparungen.»
Was kann ich tun?
«Die Verantwortung beginnt beim Wahlzettel und geht weiter zum eigenen Verhalten. Wir sind gefordert, weil wir uns so oder so an neue Verhältnisse werden anpassen müssen. Die Schweiz wird uns ‹davonschwimmen›, zumindest so, wie wir sie kennen und gerne haben. Denken Sie an die Nationalhymne: Wir besingen darin die Schönheit der Gletscher – aber wo bleiben die, wenn wir nichts tun? Die Gletscher schmelzen ganz weg! Klar, man kann auch die Hymne ändern. Es geht aber nicht nur um Symbole, sondern um die wirkliche Schweiz, an der wir doch emotional hängen. Und es geht hier nicht bloss um Gletscher, sondern auch um die Wasserversorgung, die Landschaften, die Landwirtschaft, den Tourismus – die Wirtschaft schlechthin. Dem Erhalt der Schweiz zuliebe sollten wir Klimaschutz betreiben – nur so haben wir eine Chance, einigermassen glimpflich davonzukommen.»
Schlimmster Fall?
«Laut Untersuchungen bedeutet ein ungebremster Klimawandel, dass jeder zweite Sommer so heiss oder heisser als der Sommer 2003 wird. In einem solchen Klima wären die heissesten Sommer um 10 Grad heisser als die Sommer, die wir uns gewohnt sind! Wir sind nicht so weit, dass wir nichts mehr machen könnten. Erschwerend ist aber: Man kann nicht davon ausgehen, dass der Klimawandel ohne soziale Unruhen ablaufen wird. Wenn wir scheitern, dann würde ich sagen, dass es die Geburtsstunde des Klimaterrorismus sein wird. Ein Scheitern wäre Wasser auf die Mühlen der Fundamentalisten. Sie würden sagen: «Wir haben das Recht dazu, weil die im Westen unsere Lebensgrundlage kaputt machen» – gerade weil die Entwicklungsländer stärker von der Klimaerwärmung betroffen sind als wir. In den Verhandlungen fielen bereits Worte wie: «You kill us!»
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Mit rund einem Drittel aller Treibhausgas-Emissionen der grösste Luftverschmutzer der Welt: die USA. (RDB)