Kinder fragen, der Bundespräsident antwortet

  • Publiziert: 16.11.2006, Aktualisiert: 03.01.2012

Schüler der 3. Sekundarklasse der Oberschule Tafers FR befragten Umweltminister Moritz Leuenberger zum Klimawandel. Und der Minister hat geantwortet.

Klimapolitik wird von meist älteren Politikern gemacht. Betroffen sind aber vor allem die Jungen, welche in der Zukunft die Folgen der Umweltsünden von heute ausbaden müssen. BLICK fragte deshalb die Schüler der 3. Sekundarklasse der Oberschule Tafers FR, was sie selbst in Sachen Klimawandel beschäftigt und was sie Umweltminister Moritz Leuenberger fragen möchten. Und der Minister hat geantwortet.

Bettina (15): «Was machen Sie persönlich gegen die Klimakatastrophe?»
Bundesrat Moritz Leuenberger: Ich bin, glaube ich, energiesparsam und ich benutze vor allem den öffentlichen Verkehr. Aber das genügt nicht. Ich setze mich politisch für die CO2-Abgabe ein und für erneuerbare Energien. Es braucht auch politische Regeln, an die sich alle halten müssen.

Dominic (15): «Warum schauen die Politiker schon so lange zu, wie die Gletscher schmelzen und die Schneegrenze immer höher steigt?» Nicht alle tun das. Aber viele Menschen begreifen und handeln leider erst nach einem Unglück. Die Klimakatastrophen sind jetzt da. Wer es jetzt nicht begreift, ist einfach verantwortungslos.

Anja (15): «Wie sieht unsere Welt in 50 Jahren aus?» Wenn wir jetzt nichts tun, werden viele Inseln und Küsten verschwunden sein, es wird noch mehr Wüste geben und Millionen von Menschen werden flüchten müssen. Deswegen müssen wir handeln.

Machel (15): «Wie stehen die Chancen, dass die Schweiz die Ziele des Kyoto-Protokoll erreicht?» Wenn der Ständerat endlich die CO2-Abgabe einführt, können wir die Ziele noch erreichen. Ich hoffe wirklich, dass jetzt alle erwachen.

Stefan (15): «Was bringt die Konferenz von Nairobi für die Umwelt?» Ich hoffe: Viel! Alle sind vertreten: die Nationen, die Umweltorganisationen, die Wirtschaft. Alle können sich gegenseitig verpflichten, Massnahmen gegen die Klimaerwärmung zu ergreifen, die wirklich etwas bringen.

Madeleine (15): «Wie geht es nach dem Kyoto-Protokoll weiter?» In Nairobi möchten wir das entscheiden. Ich wäre für eine CO2-Abgabe in der ganzen Welt. Mit dem Geld könnte man zum Beispiel Schutzdämme gegen Überschwemmungen bezahlen oder den Klimawandel bremsen, etwa mit erneuerbaren Energien, besseren Isolationen und energiesparenden Geräten.

Joëlle (15): «Wieso gibt es in der Schweiz noch so wenige Naturgas-Tankstellen?» Es gibt zu wenig Autos, die mit Gas betrieben werden können. Das ist aber auch darum so, weil es zu wenige Tankstellen gibt. Du hast recht: Deswegen muss man mehr Tankstellen erstellen und nicht immer nur warten, bis die andere Seite etwas tut und das geschieht auch.

Sonja (14): «Kann man die Schweiz nur mit Wasser-, Sonnen- und Windenergie versorgen?» Nein, leider nicht. Aber mit Geothermie, Energie sparen und dem Ausbau von Wasserstrom könnten wir viel erreichen. Doch gibt es überall Gegner, welche keine Bergtäler unter Wasser setzen und keine Windräder sehen wollen. Deswegen wollen jetzt viele entweder Gas- oder Atomkraftwerke.

Fabian (14): «Halten sich die anderen Länder an das Kyoto-Protokoll?» Ja, 23 Länder der Europäischen Union haben sich verpflichtet, den CO2- Ausstoss um mindestens 8 Prozent zu reduzieren. 15 von ihnen haben die nötigen Massnahmen schon getroffen, die anderen arbeiten daran. Es gibt auch Länder, die wollen das einfach nicht, wie zum Beispiel die USA mit Präsident Bush. Es gibt aber viele Amerikaner, die sind mit seinem Kurs nicht einverstanden. Das sahen wir ja jetzt auch bei den Wahlen. Und in der Schweiz haben wir die CO2-Abgabe immer noch nicht beschlossen.

Marco (14): «Warum machen die USA und China beim Kyoto-Protokoll nicht mit?» Das sind zwei Grossmächte. Die USA möchten ohnehin alles am liebsten alleine machen. Sie möchten sich einfach nicht durch die UNO einbinden lassen. Aber es gibt auch viele amerikanische Bewegungen und Staaten, Californien mit dem Gouverneur Arnold Schwarzenegger zum Beispiel, die tun sehr viel gegen die Klimapolitik. Das zeigt ja auch der Film «An inconvenient truth» (Eine unbequeme Wahrheit) von Al Gore, der beinahe Präsident geworden wäre und damals sogar mehr Stimmen als Bush erhielt.

Regina (15): «Warum beschliessen die Politiker nichts konkretes zum Umweltschutz?» Doch, doch, da muss ich die Politiker in Schutz nehmen. Es wurde viel für den Umweltschutz getan. Denk zum Beispiel daran, wie sauber unsere Flüsse und Seen sind. Das war ein langer politischer Kampf. Auch die Luft ist bei uns nicht schlecht, obwohl wir noch viel zu tun haben. Vergleich mal mit anderen Ländern.

Janick (15): «Warum wird nicht der Chef von Greenpeace Umweltminister?» Ich glaube, er will nicht. Er möchte lieber den Politikern sagen, was sie alles machen sollten. Das ist für uns manchmal etwas unangenehm. Aber, ehrlich gesagt, wir brauchen auch solche Mahner. Aber es gab auch schon Leute, die waren früher beim wwf und wollten dann politische Verantwortung wahrnehme. Sie sind in das Umweltamt gekommen und haben da sehr gut gearbeitet.

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