
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Am Samstag, 8. Dezember, um 20 Uhr soll es dunkel werden in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Je dunkler, desto besser. «Licht aus! Für unser Klima»: SonntagsBlick und BLICK rufen zusammen mit WWF, Greenpeace, Pro Natura, Google und Pro7 zu fünf Minuten Lichterlöschen auf. Privatpersonen, Gemeinden, Firmen, Schulen und Vereine, alle können mitmachen. «Licht aus!» ist keine Energiesparaktion, sondern ein Symbol zum Weltklimagipfel auf Bali. Lanciert hat das Projekt die deutsche «Bild»-Zeitung, die Tageszeitung «Österreich» ist ebenfalls mit von der Partie.
«Die Aktion ist richtig und wichtig. Unterstützen wir sie mit drei Ausrufezeichen!!!» Moritz Leuenberger (61) hat nicht lange gezögert und sagt Ja zu «Licht aus!». Ähnlich wie der Energieminister haben Städte und Firmen reagiert, die SonntagsBlick angefragt hatte. Die Energiefirma Axpo war als Erste an Bord, Coop und Migros waren nach kurzer Bedenkzeit dabei, Kuoni sagte nach wenigen Minuten zu. Bern, Zürich und Luzern zogen mit. Der Berner Stapi Alexander Tschäppät (55) hat schon entschieden: Am 8. Dezember werden die Lichter auf dem ganzen Bundesplatz inklusive Bundeshaus für fünf Minuten gelöscht. Tschäppät: «In der Klimaforschung ist die Uni Bern weltweit Nummer eins. Darauf sind wir stolz. Bern betreibt mit seiner grünen Verkehrs- und Energiepolitik seit Jahren aktiven Klimaschutz.»
In Luzern wird darüber diskutiert, die Lichter der Kapellbrücke auszuschalten. «Es ist noch nichts entschieden, aber natürlich ist Luzern – die Leuchtenstadt – bei dieser Aktion dabei», sagt Stadtpräsident Urs W. Studer (57). Die Zeit ist reif für das Projekt, das grossartige Echo zeigt es.
Schnell entschlossen war zum Beispiel die Axpo, der grösste Stromversorger der Schweiz. «Wir unterstützen diese symbolische Aktion sehr gerne. Der Klimawandel ist eine Bedrohung für unsere Gesellschaft. Wir müssen unsere gewohnten Verhaltensmuster überdenken. Ein sinnvoller Umgang mit unseren Ressourcen – auch mit der Energie – steht dabei im Zentrum», erklärt Axpo-Chef Heinz Karrer (48). Axpo ist heute der grösste Schweizer Produzent von erneuerbaren Energien. Für «Licht aus!» plant die Firma einen eigenen Beitrag. Sie will am 8. Dezember auf den Netzen der Nordostschweizerischen Kraftwerke messen, wie viel Strom in den fünf Minuten eingespart wurde. Für jede gesparte Kilowattstunde spendet das Unternehmen einen Rappen für Umweltzwecke. Die anderen Partnerfirmen sammeln derzeit noch Ideen, wie sie bei der «Licht aus!»-Aktion individuell mitwirken können.
Coop-Chef Hansueli Loosli (52) ist ein passionierter Verfechter der Sache. Den entscheidenden Kick bekam er von Nobelpreisträger Al Gore (59). «Sein Film motivierte mich, bei Coop einen zusätzlichen Nachhaltigkeitsschub auszulösen», sagt Loosli. Im April wurde bei Coop beschlossen – auf Anregung des Chefs – die Logo-Beleuchtung bei den über tausend Verkaufsstellen von 23 bis 6 Uhr auszuschalten. Loosli: «Wir wollten nicht gedankenlos wertvolle Energie verschwenden.»
Die Konkurrenz nimmt den Klimaschutz ebenso ernst. Migros-Chef Herbert Bolliger (53) unterstützt «Licht aus!» und erklärt: «Wir engagieren uns seit 30 Jahren für mehr Energieeffizienz in allen Bereichen, zum Beispiel in den Läden, aber auch in unseren Fabriken, in den Lagern und natürlich bei den vielen Transporten, die wir täglich durchführen.» Seit 1990 sparte der Detailhändler so über 800000 Tonnen CO2 ein. Bolliger stolz: «Das ist so viel, wie 300000 Einfamilienhäuser pro Jahr ausstossen.»
Kuoni hält den Rekord der schnellsten Zusage: «Das ist eine gute Idee, wir beteiligen uns ebenfalls», so die prompte E-Mail-Antwort. Die Firma ist sich ihrer speziellen Rolle als Reiseveranstalter bewusst. Das Unternehmen ist Umwelt-ISO-zertifiziert und setzt zum Klimagipfel ein eigenes Umweltschutzprojekt auf Bali um. CEO Armin Meier (49): «Reisen bedeutet auch Verantwortung. Wir nehmen diese wahr, weil auch künftige Generationen die intakte Schönheit unseres Planeten kennenlernen wollen.»
Für WWF und Greenpeace ist es «eine hervorragende Möglichkeit, um auf die Wichtigkeit des Klimaschutzes hinzuweisen. Die globale Temperatur darf um höchstens zwei Grad ansteigen, sonst droht ein Klimakollaps», sagen Fredi Lüthin und Paul Scherrer, die Sprecher der beiden Umweltorganisationen. «Die Schweiz muss ihre Treibhausgase bis 2020 um 30 Prozent reduzieren.»
«Bild»-Chef Kai Diekmann (43), der die Aktion in Deutschland angestossen hat, ist «begeistert» von der regen Schweizer Beteiligung: «Gerade in einem Land wie der Schweiz mit solch wunderschöner Natur muss das Thema Klimawandel ganz oben stehen. Denn es geht alle an – und ich hoffe, dass aus dem symbolischen ‹Licht aus!› noch viel, viel mehr wird.» Diekmann hat selbst schon einiges geschafft: Am Brandenburger Tor, beim Kölner Dom, in der Dresdner Frauenkirche, im Schloss Neuschwanstein und an vielen anderen Orten geht am 8. Dezember für fünf Minuten das Licht aus.
«Gemeinsam können wir ein Zeichen setzen und den Kampf gegen den Klimawandel aufnehmen», freut sich «Österreich»-Herausgeber Wolfgang Fellner (53). Er hat bereits Bundeskanzler Alfred Gusenbauer mobilisiert. Der hat spontan in Auftrag gegeben, in allen Gebäuden des Kanzleramtes den Strom abzudrehen.
«Es ist höchste Zeit, Widerstände aufzugeben und uns wirklich für unser Klima einzusetzen», schreibt Moritz Leuenberger in seinem Brief an die SonntagsBlick-Leser. Am 8. Dezember kann sich jedermann in der Schweiz, Deutschland und Österreich dazu bekennen.