Klima-Guru Reto Knutti: «Clevere Manager investieren in Öko-Erfindungen»

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Michael Scharenberg

ZÜRICH – Das Chaos von Kopenhagen ist Schnee von gestern. Und jetzt? ETH-Klima-Guru Reto Knutti sagt, wies weitergeht. Er sieht Klimaschutz als Chance für die Schweizer Wirtschaft.

Blick.ch: Kopenhagen war gestern, die Klimaerwärmung geht weiter: Was müsste als Nächstes konkret unternommen werden?
ETH-Professor Reto Knutti:
Das primäre Ziel ist immer noch ein faires und bindendes weltweites Abkommen mit drastischen CO2 Reduktionszielen.

Immer werden die gleichen Zahlen herumgeboten: 20 bis 30 Prozent bis 2020 und 80 bis 90 Prozent bis 2050: Sind diese Zahlen nicht willkürlich? Hauptsache, es passiert was! Oder?
Richtig, den Worten müssen Taten folgen. Aber dass man sich auf das Ziel von maximal zwei Grad Erwärmung einigen konnte, das ist wichtig! Doch es ist zu weit weg. Kein Regierungschef wird noch im Amt sein, wenn wir diese zwei Grad überschreiten. Es braucht also kurzfristige und überprüfbare Ziele, und zwar nicht erst in zehn Jahren.

Kann die kleine Schweiz überhaupt etwas bewirken?
Die Weltpolitik können wir in der Schweiz nur bedingt beeinflussen. Es ist für mich aber klar, dass auch wir mithelfen müssen, das Klimaproblem zu lösen. Für mich ist das vor allem eine Chance für die Wirtschaft. Denn wer jetzt in neue Technologie investiert, der wird in einigen Jahren enorme Vorteile im internationalen Wettbewerb haben.

Wir haben in der Schweiz das Know-how, um eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Wir können beweisen, dass eine Lösung möglich ist.

Wie denn? Ganz konkret, bitte!
Als Wissenschaftler müssen wir die Auswirkungen des Klimawandels genauer bestimmen. Nur so können wir Politikern und Managern konkrete Entscheidungsgrundlagen liefern. Wir müssen wir neue Technologien entwickeln und sie günstiger machen. So wird deren Einsatz attraktiver.

Die ETH Zürich ist seit Neuestem Partner in der Wissens- und Innovationsgemeinschaft der EU. Speziell in den Bereichen Klima und erneuerbare Energie. Wie kann die Schweizer Wirtschaft konkret profitieren?
Wir entwickeln Produkte, die den Klimawandel bekämpfen. Beispiele:
  • für die optimale Wassernutzung bei der Bewässerung von Feldern
  • dürreresistente Pflanzen
  • Elektro-Mobile,
  • für die Einlagerung von CO2 im Boden (ein neues Verfahren, der Atmosphäre CO2 zu entziehen).
Wichtig: Im Gegensatz zur Grundlagenforschung sind diese neuen Projekte business-orientiert. Damit wird es auch für Schweizer Firmen interessant, Kapital zu investieren.

Ehre für die Schweiz

Nach der Klima-Konferenz ist vor der Klima-Konfrenz. Auf Kopenhagen folgt im März eine Konferenz in Bonn und im November eine in Mexiko. Der mexikanische Präsident Vicente Fox Quesada hat Bundesrat Moritz Leuenberger eingeladen, tatkräftig an der Vorbereitung mitzuwirken. Unser Energieminister hat bereits versprochen, dass er eine aktive Rolle spielen wolle.
Leidenschaftlicher Klimaforscher: Prof. Reto Knutti (36).- zvg

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