Klimagipfel Alle warten, bis andere etwas tun

  • Aktualisiert am 02.01.2012

KOPENHAGEN – Am Klimagipfel in Kopenhagen macht sich Enttäuschung breit. Gemäss Entwicklungs-Organisationen sind die Industrieländer Schuld.

«Es wird kein Weihnachtsgeschenk geben in Kopenhagen», sagte Rosmarie Bär von der Schweizer Entwicklungsorganisation Alliance Sud in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Und wenn es ein Geschenk gebe, werde es ein ganz kleines sein, das in viel Papier eingeschnürt sei.

Nach über zehn Konferenz-Tagen als Teil der Schweizer Delegation in Kopenhagen zeigte sich Bär enttäuscht. «Ich bin frustriert. Der politische Wille, in kurzer Frist das Notwendige zu tun, ist nicht sichtbar. Ich habe Angst um die Zukunft des Planeten», sagte Bär.

Kluft vergrössert

Die entwickelten Länder seien verantwortlich für den Klimawandel, stellte Bär fest. Deshalb müssten sie ihre Emissionen rasch und in grossem Mass reduzieren. Aber kurz vor dem Ende der Konferenz sei die Kluft zwischen den armen und reichen Ländern eher noch grösser als vorher.

Bei Gesprächen mit Vertretern der armen Länder stelle sie Hoffnungslosigkeit fest, sagte Bär weiter. Sie fühlten sich nicht ernst genommen. «Der Hunger wird stärker, das Trinkwasser rarer, die Dürren dezimieren die Viehherden.» Die Zukunft sehe düster aus.

Versprechen ungenügend

Als «lächerlich» bezeichnet Bär das Versprechen, mit dem US-Präsident Barack Obama an den Klimagipfel reisen will. Die angekündigte Reduktion des CO2-Ausstosses in den USA um 20 Prozent gegenüber 2005 entspreche tatsächlich einer Reduktion um 4 Prozent im Vergleich zu 1990. Das reiche bei weitem nicht, sagte Bär.

«Wir verlieren Zeit. Je länger wir warten, umso gravierender werden die Konsequenzen sein.» Um den Temperaturanstieg unter 2 Grad zu halten, seien rasche und verbindliche Massnahmen notwendig.

Bär zeigte ihr Bedauern darüber, dass die Schweiz keine aktivere Rolle einnimmt. Die offizielle Schweiz verfolge die gleiche Linie wie die Europäische Union, obwohl den Verantwortlichen bewusst sei, dass die vorgesehene Emissionsreduktion um 20 Prozent bis 2020 nicht ausreiche.

Alle warteten, bis die anderen einen Schritt machten, sagte Bär. Währendessen bewege sich nichts. Für Alliance Sud sei klar, dass der «Mentalitätswandel noch nicht stattgefunden hat». (SDA)

Rosmarie Bär von der Schweizer Entwicklungsorganisation Alliance Sud ist frustriert von dem fehlenden Willen am Klimagipfel in Kopenhagen.- RDB

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