«Jeder trägt 50 Prozent am Misserfolg einer Beziehung»

  • Publiziert: 11.07.2009, Aktualisiert: 10.02.2012
  • Von Flavia Schlittler

Nach ihrer Trennung spricht TV-Star Anna Maier zum ersten Mal über ihr Liebesleben.

BLICK: Frau Maier, Ihre Liebe zu Matthias Müller dauerte nur einen Sommer lang. Woran ist sie zerbrochen?
Anna Maier: Unsere Gangart, unsere Lebensweise, Wünsche und Ziele waren nicht kongruent. Das ist etwas, das man ja erst nach ein paar Monaten wirklich merkt.

Sind vorherige Lieben am Gleichen zerbrochen?
Nein, Beziehungen sind doch nicht stereotyp! Jeder Mensch bringt seinen Rucksack mit, bestehend aus Werten, Charakter und Erfahrungen. Die gleichen Menschen können in einer anderen Konstellation komplett anders sein, weil das Gegenüber anderes auslöst. Beziehungen zerbrechen, wenn der Wille fehlt, gemeinsame Ziele zu finden und Kompromisse einzugehen.

Ihre vier Ex-Partner haben vieles gemeinsam: gut aussehend und erfolgsverwöhnt. Vielleicht sollten Sie Ihr Beuteschema wechseln?
Wer mich kennt, weiss, dass ich bei einem Mann mein Augenmerk weder auf das Aussehen noch auf seinen Status lege. Alles, was für mich zählt, ist, dass er das Herz am richtigen Fleck hat.

Kann es ein Erfolgs-Typ im Schatten einer Frau aushalten?
Ist denn nur Licht, wo die Kameras surren? Bei mir steht niemand in der Sonne und niemand im Schatten. Im Gegenteil! Sich gegenseitig beflügeln und weiterbringen ist doch etwas Grossartiges. Ein Gegenüber auf Augenhöhe ist für mich sehr wichtig.

Wie ging Ihre bald achtjährige Tochter mit Ihren wechselnden Partnern um, mit denen Sie meist zusammenlebten?
Meine Tochter hat als wichtigste Konstante im Leben zwei Menschen, die sie über alles lieben: ihren Papi und mich. Wir gehen als Familie an die Schultage, ans Grümpelturnier, feiern gemeinsam Geburtstag. Für sie ist ein Partner von mir kein Papi-Ersatz.

Kriegt sie nicht ein falsches Männerbild?
Lena hat den besten Vater, der sehr engagiert ist und sie oft sieht. Er ist entscheidend bei der Bildung ihres Männerbildes.

War es für Ihre Beziehungen erschwerend, dass Sie ein Kind haben?
Dass ich ein Kind habe, das weiss jeder, der sich näher für mich interessiert. Wer damit ein Problem hätte, würde sich kaum auf mich einlassen.

Was haben Sie falsch gemacht?
Ich sage immer: Jeder trägt 50 % am Erfolg oder Misserfolg einer Beziehung. Gerade nach einer Trennung ist es wichtig, Selbstreflexion zu betreiben. Aber das gehört in mein Privatleben.

Was würden Sie das nächste Mal anders machen?
Keine Ahnung. Ich plane keine Beziehungen.

Sie äussern sich nach Ihren Trennungen immer sehr diplomatisch. Waren Sie nie sauer? Ist nie ein Teller an der Wand gelandet?
Für mich gibt es eine Regel: Nur weil man mich kennt, muss man nicht das Innerste meiner Seele kennen. Ich habe kein Bedürfnis, Beziehungen in der Öffentlichkeit zu leben. Wer genau hinsieht, bemerkt, dass ich mich zwar mit einem Mann an einem Event fotografieren lasse, aber inhaltlich über eine Beziehung reden tu ich nicht. Die Liebe ist neben meiner Tochter etwas, das ich wirklich privat halten möchte.

Sie haben dem Fernsehen den Rücken gekehrt, die Öffentlichkeit interessiert sich immer noch für Sie. Wie gehen Sie damit um?
Nun, ich stelle in Frage, ob sich die Öffentlichkeit für mein Privatleben interessiert. Dass bei mir – ohne mein Zutun – seit Jahren über meine Beziehungen geschrieben wird, empfinde ich als sehr anstrengend und auch als einen Druck. Kaum trifft man sich mehrmals mit einem Mann, steht schwarz auf weiss «neue Liebe». Und von diesem Moment an ist eines sicher: Es wird auch über eine «Trennung» geschrieben werden. Genau die so wichtige unbeschwerte Zeit des Kennenlernens, des Rausfindens, ob man zusammenpasst, die wird einem so genommen.

Sie haben Anfang Jahr Schlagzeilen gemacht, als Sie die Moderation der Sendung «Die 10» kurzfristig absagten, weil sie Ihnen zu sexistisch war. Haben Sie Ihren Rückzug jemals bereut?
Nein, gar nicht. Ich bin loyal gegenüber Menschen, die ich gern habe. Wenn Freunde verunglimpft oder verletzt werden – und sei es auch im Spass –, dann möchte ich nicht Teil davon sein.

Wollen Sie zurück zum TV?
Schauen Sie: Ich arbeite 40 Prozent bei DRS 3, etwa 60 Prozent als Geschäftsführerin von StyleMe. Und das Wichtigste: Ich habe eine Tochter. Sie braucht mich, und deswegen schätze ich es ungemein, dass ich einen Grossteil der Arbeit auch von zu Hause aus erledigen kann. Das ist das Praktische bei einem Online-Shop wie StyleMe: Der Computer ist das Büro. StyleMe ist ein Start-up, erst ein halbes Jahr alt. Mein Baby muss jetzt erst mal richtig laufen lernen. Um auf die Frage zurückzukommen: Inhaltlich interessante TV-Projekte, die mit einem zeitlich klar abgegrenzten Rahmen verbunden wären, übernähme ich gerne!

Frau Maier, sind Sie schwierig?
(Lacht) Ich habe vielleicht einen komplexen Charakter, bin aber in Alltagsdingen ein unkomplizierter Mensch. Will heissen: Mit mir kann man wandern, Bäume pflanzen, nachts im See schwimmen, aber ich bin sicher ein Mensch, der sehr viel denkt. Und Dinge hinterfragt. Gerne kontrovers ist und nachhakt. Auch privat.

Seit einem Jahr sind Sie selbständige Jungunternehmerin mit Ihrer Online-Boutique StyleMe. Die Presse schreibt von Erfolg. Wie erfolgreich sind Sie?
Der Erfolg von StyleMe besteht darin, dass unsere Online-Boutique ein halbes Jahr nach Gründung bereits für viele Frauen eine Website ist, die sie kennen und regelmässig besuchen, und dass wir jeden Tag neue Kundinnen haben. Aber wir stehen erst am Anfang. Ich bin stolz, StyleMe von der Idee über den Businessplan bis jetzt zum funktionierenden Tagesgeschäft entwickelt zu haben.

Sie hatten auch da einen Rückschlag. Ihre Schlangen- und Krokodil-Accessoires mussten aus dem Sortiment. Weshalb haben Sie so reagiert?
Weil ich meine Tochter und mich schützen wollte.

Was bezeichnen Sie bis heute als Ihren grössten Erfolg?
Privat: dass meine Tochter ein fröhliches, neugieriges, willensstarkes Mädchen ist. Beruflich: dass ich mit StyleMe ein Unternehmen aufgebaut habe in einer mir völlig unbekannten Branche und dazu noch zur Zeit der Finanzkrise. Das war und ist eine Herausforderung, die Mut und Ausdauer erfordert.

Ihr grösster Misserfolg?
Für mich bedeuten Misserfolge im Leben Chancen, um weiterzukommen. Nur wer fällt, kann auch wieder aufstehen. Ich werte meine Misserfolge aus, stehe wieder auf und bin klüger als vorher.

Sind Sie noch Single, oder ist ein neuer Mann in Sicht? Gemunkelt wird, Sie turteln wild mit einem Piloten ...
Lassen Sie mir doch bitte ein wenig Zeit zum Atmen. Das ist ja genau die Problematik: Kaum gehe ich mit einem Mann aus, wird gerne eine Liebesgeschichte daraus gemacht. Kaum ist eine Beziehung bekannt, kommt die Frage nach Hochzeit und Kindern. Das sind Projektionen, für die Prominente herhalten müssen, obwohl ihre Beziehungen nicht anders verlaufen als bei ganz normalen Paaren.

Wie sind Ihre Sommerpläne?
Zeit haben, um mit Lena auf Pferden zu reiten, Golf spielen zu lernen, im See zu baden, mehrtägige Wanderungen zu unternehmen. Ich freue mich darauf!

Frau Maier, besten Dank.

Was macht Anna Maier falsch? Was haben Sie für Beziehungserfahrungen gemacht? Haben es erfolgreiche Frauen tatsächlich schwerer?

Schreiben Sie uns auf leserbriefe@blick.ch

play Anna Maier: Die 31-jährige Zürcherin arbeitete bei Radio 24, dann sechs Jahre lang bei Tele 24/Tele Züri. Sehr erfolgreich war sie als Moderatorin des SF-Quiz «Eiger, Mönch und Maier». Für Sat 1 präsentierte sie danach die Tanz-Castingshow «You can dance». (Keystone)

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