
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
«heute»: Frau Bargetze, wie wird man Stuntfrau in Hollywood?
Simone Bargetze: Durch Hartnäckigkeit und Leidenschaft. Ich hatte schon mein ganzes Leben den Hang zur Stuntfrau. Vor knapp zwei Jahren gab ich mir einen Ruck und machte aus dem Hobby einen Beruf.
Sie profitieren doch sicherlich auch vom Frauenbonus, nicht?
Im Gegenteil, du hast als Frau mehr Nachteile als deine männlichen Arbeitskollegen. Zum Beispiel wird von uns Frauen verlangt, dass wir uns in verführerischen Outfits todesmutig gefährlichsten Situationen aussetzen. Aber unter einem Negligé haben leider der ganze Körperschutz und die Polsterung keinen Platz.
Dann haben Sie sich doch sicherlich schon viele Rippen und Knochen gebrochen?
Ja. Erst vor einem halben Jahr habe ich mir den Hinterkopf aufgeschlagen und zwei Rippen gebrochen.
Brauchts zur Stuntwoman eigentlich eine Ausbildung?
Nein. Eine eigentliche Stuntausbildung, so wie es zum Beispiel die Lee-Strasberg-Schule für die Schauspieler ist, gibt es im Stuntbereich nicht. Man sucht sich stattdessen drei bis vier Gebiete aus, in denen man schon «Skills» hat und versucht sich in diesen zu verbessern.
Und welche sind das bei Ihnen?
Ich habe mich zum Beispiel für die asiatischen Kampfsportarten Wu shu und Taekwon do entschieden. Dazu bilde ich mich regelmässig in neuen Stuntdriving-Kursen aus. Dort lernst du zum Beispiel die 360- Grad-Drehungen mit dem Auto in voller Fahrt. Bei einer Cowboyfamilie vertiefte ich zudem mein Fachwissen mit Pferdetricks.
Und damit haben Sie es geschafft, in einem Film von Titanic-Regisseur James Cameron mitzuspielen. Wie dreht es sich unter der Regie eines Superstars?
James ist sehr freundlich, kommt während der Drehpausen von «Avatar» immer wieder für einen Schwatz vorbei und erzählt aus dem Nähkästchen. Leider sind die Dreharbeiten aber für mich schon bald abgeschlossen.
Wieso erscheint «Avatar» dann erst in zwei Jahren in den Kinos?
James Cameron versucht mit «Avatar» etwas ganz Neues. Es ist ein besonderer 3-D-Film und soll eine neue Ära in der Filmgeschichte einläuten. Wenn der Film 2009 in den Kinos erscheint, müssen sie allerdings neue Monitore in den Sälen einbauen, weil er sonst nicht abspielbar ist.
Wo liegen die Unterschiede zwischen den Dreharbeiten von «Avatar» und denen eines normalen Blockbusters?
Ich muss als Stuntwoman nicht mein Gesicht vor der Kamera verstecken. Somit bin ich ausnahmsweise auch eine Schauspielerin.
Treffen Sie sich eigentlich mit den Superstars auch privat?
Nein. Ich habe damit aufgehört. Weil, wenn du dir als Stuntfrau wirklich einen Namen machen möchtest, dann musst du professionell sein.
Gibt es keine Ausnahmen?
(lacht) Okay. Bei Robbie Williams habe ich ein Auge zugedrückt. Ich hatte ihn in einem Club in L. A. getroffen. Wir kamen ins Gespräch, waren uns sympathisch. Und kurze Zeit später küsste er mich. Ein unspektakulärer Kuss. Drei Sekunden und der Spuk war vorbei. Unter uns: Er ist gar nicht so toll, wie ihn alle finden.
Aber Sie leben doch in einer Partnerschaft?
(schmunzelt) Keine Sorge. Er hatte nichts dagegen. Das war ja eine einmalige Sache. Und ich würde ihm einen solchen Kuss sicherlich auch nicht verweigern.
play
Sexy und tough: Simone Bargetze. (Serge Hoeltschi)